«Liebt eure Feinde»

Mali: Bintu* ist eine der ersten Gläubigen in ihrem Stamm. Deshalb hat sie schon viel Verfolgung erlebt. Im Ramadan 2025 besucht sie ihre Mutter. Die beiden haben ein schlechtes Verhältnis – ihre Mutter weiss, dass sie Jesus nachfolgt und hat sie deshalb verstossen. Bintu möchte trotzdem zu ihr gehen. Aber als sie den Hof des Hauses betritt, passiert etwas, das sie völlig überrascht: Ihre Mutter wirft ihr eine Kette um den Hals und ruft: «Du wirst in den nächsten 24 Stunden sterben!»

Dieser Fluch ist in Bintus Kultur bekannt. Schockiert und tränenüberströmt verlässt sie den Hof. Sie nimmt die Kette nicht ab. Sie weiss, dass Jesus stärker ist – trotzdem hat sie grosse Angst, denn sie ist mit diesem Aberglauben aufgewachsen. Die lokale Partnerin der HMK hat eine enge Beziehung zu Bintu. Sie betet mir ihr und spricht das Blut Jesu über ihr aus. Nach 24 Stunden stellt Bintu erfreut fest: Sie lebt noch!

Sie entscheidet sich, zurück zu ihrer Mutter zu gehen, die Kette zurückzugeben und ihr zu sagen, dass der Fluch keine Macht über sie hat. Ihre Mutter hat jedoch über andere Wege bereits erfahren, dass Bintu noch lebt. Sie ruft zehn Verwandte zusammen, die in einem Hinterhalt auf sie warten. Als Bintu den Hof betritt, stürzen sich die Männer auf sie, während ihre Mutter schreit: «Meine Tochter hat mich verflucht! Sie wollte mich töten – und das im heiligen Ramadan!»

Die Verwandten reissen Bintu als Strafe die Kleider vom Leib, schlagen sie und beschimpfen sie. Bintu, die wie alle Frauen in ihrem Stamm nur komplett bekleidet und mit Kopftuch auf die Strasse geht, schämt sich so sehr, dass sie zusammengerollt liegenbleibt. Erst als eine Nachbarin sich über ihr erbarmt und ihr ein Kleid bringt, steht sie auf und geht nach Hause, immer noch zutiefst schockiert.

Dann stolpert Bintu in ihrem Bibelleseplan über Matthäus 5,44: «Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen» (SLT). Sie spricht mit der HMK-Partnerin darüber. Zusammen überlegen sie: Gibt es unter diesen zehn Verwandten jemanden, dem sie etwas Gutes tun kann? Trotz ihrem Schmerz lässt sich Bintu darauf ein. Sie weiss, dass einer ihrer Cousins finanzielle Schwierigkeiten hat, und besucht ihn.

Als ihr Cousin die Tür aufmacht und sie vor sich sieht, bekommt er einen Schreck. Diesen Besuch hat er als Letztes erwartet. Bintu sieht sofort, dass er, seine zwei Ehefrauen und ihre Kinder in Armut leben. Sie kann der Familie dank Spenden aus dem Ausland einen 50-Kilogramm Sack Reis schenken. Das ist Essen für 14 Tage! Der Cousin schämt sich und seine beiden Frauen weinen, als sie den Sack in Empfang nehmen.

Seit diesem Zeitpunkt besucht der Cousin sie heimlich. Er stellt Fragen über Bintus Glauben und schaut bei ihr den Jesus-Film. Doch das Ganze hat eine Kehrseite: Andere aus ihrer Familie erfahren davon und bedrohen nun auch ihn. Er hat Angst davor, seinen Glauben zu ändern, denn er möchte nicht dasselbe erleben wie seine Cousine.

Bintu besucht regelmässig arme Dörfer, um dort von Jesus zu erzählen und zu helfen. Weil sie selbst wegen ihres Glaubens auf der Strasse leben musste, hat sie grosses Mitgefühl mit anderen Frauen in Armut. Schwangere Frauen in diesen Dörfern können sich keine Voruntersuchungen leisten. Weil Komplikationen nicht erkannt werden, stirbt bei der Geburt oft entweder die Mutter oder das Kind. Bintu ermöglicht ihnen den Arztbesuch und betet für sie und ihre Kinder.

Normalerweise werden Babys am achten Tag nach der Geburt Allah geweiht. Ausländische Missionarinnen und Missionare sagen: «Diese Tradition ist unantastbar. Die Einwohner werden das nie ändern!» Doch die Frauen, denen Bintu helfen kann, fragen sich: «Warum soll ich mein Kind Allah weihen, wenn doch eine Christin mir geholfen und für mich gebetet hat?» Viele fragen Bintu, ob nicht sie stattdessen ihr Baby nach der Geburt segnen könne.

Früh am Morgen geht Bintu zu ihnen und segnet das Baby im Namen Jesu. Beim anschliessenden Fest ist sie längst wieder verschwunden. Doch den Gästen fällt auf, dass kein Imam im Haus war und kein Tier geopfert wurde. Das führt zu grosser Verwunderung – aber auch zu grossem Unmut. Christen wie Bintu haben dauernd Angst vor Verfolgung – und folgen trotzdem mutig Jesus nach.

Die HMK hilft den Opfern von Verfolgung praktisch – zum Beispiel mit medizinischer Versorgung oder einer sicheren Unterkunft. Ausserdem haben unsere Partner eine Methode gefunden, um verarmten Christen wie auch Muslimen zu helfen: Sie schulen Einheimische in der Herstellung verstärkter Erdbausteine – damit ihre Lehmhütten bei Überflutungen in der Regenzeit nicht zusammenbrechen. Herzlichen Dank, dass Sie diese Arbeit unterstützen!

*Symbolbild, Name von der Redaktion geändert.

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