Der Verfolgungsindex 2026 von OpenDoors wurde veröffentlicht. Unser Geschäftsführer Linus Pfister nimmt Stellung dazu.
Linus, du hast den frisch herausgekommenen Verfolgungsindex für 2026 angeschaut. Was ist dir aufgefallen?
Die starke Verschlechterung in Syrien. Zwar ist es erfreulich, dass eine Diktatur wie die von Assad gefallen ist, aber das HTS-Bündnis besteht eben immer noch fast nur aus Islamisten. Die Folge ist weniger Glaubensfreiheit, mehr getötete Christen. Die unsägliche Gewalt in Nigeria ist schwer auszuhalten, ebenfalls ausgeübt von Islamisten.
Kannst du kurz die Trends in der Christenverfolgung in deinen Worten zusammenfassen?
Subsahara-Afrika ist kaum bekannt hierzulande, aber gleich vier Länder sind unter den Top 10. Die Glaubensfreiheit ist insgesamt stärker bedroht als noch vor ein paar Jahren. Das drückt sich auch in der Gesamtzahl von 388 Millionen Christen aus, die nicht frei und ohne Gewaltandrohung friedlich ihren Glauben ausleben können – es werden immer mehr, wir sind schon bald bei 400 Millionen.
In welcher Entwicklung siehst du 2025? In welche Richtung geht es, was ist deine Prognose für das nächste Jahr?
Leider erhalten einige Islamistengruppen wieder Aufwind, es sieht momentan nicht erfreulich aus. In Subsahara und Afrika werden terroristische Gruppen zunehmen und noch mehr Menschen bedrohen. Wo Islamistengruppen kämpfen, gibt es mehr Tote. Aus meiner Erfahrung: Ein paar Jahre später sehen die Menschen den politischen Islam kritisch. Das führt dazu, dass sich die Menschen in grosser Zahl abwenden, zum Beispiel im Iran und in Saudi-Arabien. Jetzt in diesen Tagen wird in Teheran eine der grösseren Moscheen demoliert – das sagt schon etwas aus. Dieser Unmut erhöht den Druck auf die muslimischen Machthaber. Insgesamt nimmt ihr Rückhalt in der Gesellschaft ab, wie man im Iran sieht.
Welche Entwicklung im Index 2026 überrascht dich? Siehst du alles, was du durch deine Arbeit bei der HMK Schweiz mitbekommst, gut abgebildet, oder fehlt etwas?
Im Grossen und Ganzen vermittelt der Weltverfolgungsindex von OpenDoors einen guten Überblick. Eine wertvolle Arbeit wird hier geleistet.
In welcher Region ist die HMK besonders aktiv?
Die HMK arbeitet in vielen Ländern, zum Beispiel auch in der ganzen muslimischen Welt, von Nordafrika bis Südostasien. Vor allem in den islamischen Regionen sehnen sich viele Menschen nach einem friedlichen und lebendigen Gottesbezug und darum ist für sie das Evangelium von Jesus sehr attraktiv. Das Satelliten-TV «Al-Hayat» verzeichnet jährlich über 280 Millionen Streams und Downloads. Das zeugt von einem enormen Hunger nach Gottes Wort – und wir sind Teil dieser Bewegung, die aus diesen Ländern kommt.
Trotz aller negativen Entwicklungen – was motiviert dich, dich in verfolgte Christen zu investieren?
Verfolgte Christen, die ich seit vielen Jahren kenne, leben den christlichen Glauben mit einer enormen Leidenschaft und nehmen das Kreuz Christi auf sich, wenn es sein muss. Sie packen durchs Band voll an. Dieses Engagement ist sehr ansteckend, macht mir Mut und hilft, die Probleme unseres Alltags in der Schweiz zu überwinden. Je nach Land kommen Tausende von Menschen zu Jesus. Jede einzelne Neugeburt ist faszinierend und sehr erfreulich. Solch mutige Zeugen von Jesus will ich mit aller Kraft unterstützen.
Gab es im letzten Jahr ein Beispiel, was dich ermutigt hat, dranzubleiben?
Mich motiviert das, was Hakan Tastan in der Türkei erlebt. Wir als HMK begannen, vor 10-15 Jahren mit ihm zusammenzuarbeiten. Damals war seine Kirchengemeinde klein. Hakan überlebte einen Mordanschlag, und musste lernen, mit einer verletzten Hand zu leben. Doch er gibt nicht auf und sieht das als Teil seiner Jesus-Nachfolge. Seit 3 Jahren kommen durch seine Kirche jedes Jahr etwa 130 Türken zum Glauben. Hakan ist zur rechten Zeit am rechten Ort – und wir unterstützen ihn dabei. Er bleibt frisch und fröhlich, das stellt mich auf.
Was würdest du gerne Menschen sagen, die noch überlegen, ob sie den Verfolgungsindex lesen sollen oder nicht?
Ich würde sagen: Erst wenn wir die Fakten kennen, können wir den besten Einsatz unserer Ressourcen bestimmen. Was viele Christen heute vergessen: In den 2’000 Jahren der Christenheit lagen Verfolgung und starkes Gemeindewachstum fast immer eng beieinander. Das sehen wir auch heute.
Und was würdest du gerne den Unterstützern der HMK sagen?
Zumindest in der muslimischen Welt kamen vermutlich noch nie so viele Menschen zu Jesus wie in unserer Zeit! Darum lohnt sich der Einsatz – für jeden einzelnen Menschen, der auf der Suche ist. Ein grosses Merci allen Unterstützern der HMK und ähnlicher Werke. Sie ermöglichen diese Arbeit überhaupt erst.
Danke für das Gespräch, Linus!
Zum Verfolgungsindex von OpenDoors.




