«Als Multimillionär fand ich Jesus»

: Fahd* war Multimillionär und Scharia-Experte auf der Arabischen Halbinsel. Krieg machte ihn und seine Familie zu mittellosen Flüchtlingen. Als er und seine Frau Muna* zum Glauben an Christus fanden, wurden sie als «Ungläubige» beschimpft und angegriffen.

Fahd, Sie stammen vom arabischen Golf. Heute leben Sie mit Ihrer Familie im Westen. Wie kam es dazu?
Fahd: Meine Frau Muna und ich sind beide in sehr reichen und angesehenen Familien aufgewachsen. Ich war ein erfolgreicher Geschäftsmann und hatte mehrere Geschäfte. Als Anfang der 1990er Jahre Krieg ausbrach, mussten wir in ein anderes Land flüchten, wo wir uns mehrere Jahre versteckten. Anschliessend mussten wir nochmals in ein anderes Land flüchten und lebten mit unseren vier Kindern völlig verarmt und ohne Papiere dort. Schlussendlich konnten wir via UNHCR (UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge) in den Westen ausreisen.

Warum begannen Sie sich für den christlichen Glauben zu interessieren?
Fahd: Wir waren pleite und als Flüchtlinge durften unsere Kinder die staatliche Schule nicht besuchen. Eine Nachbarin erzählte uns, dass eine Kirche in der Nähe kostenlos Schulunterricht für Flüchtlinge anbietet und ihre Kinder auch dort zur Schule gehen. Als ich die Christen traf, war ich erstaunt, dass sie uns nicht mit Hass begegneten, sondern respektierten. Meine Bedingung für den Schulunterricht meines ältesten Sohnes war, dass er nicht am christlichen Religionsunterricht teilnimmt. Aber schon am dritten Tag wollte er unbedingt dabei sein.

Ich fing an, mich mit dem Glauben dieser Christen auseinanderzusetzen, und stellte immer mehr markante Differenzen zwischen der Bibel und dem Koran fest. Der liebende Gott aus der Bibel war bald attraktiver für mich als das strafende Gottesbild, mit dem ich aufgewachsen war. Ich hatte bisher immer Angst gehabt, dass Allah mich bestrafen wird.

Mit der Entscheidung, Jesus Christus nachzufolgen, brachten Sie Ihre Frau gegen sich auf. Was überzeugte Sie am christlichen Glauben?
Fahd: Dass der Gott der Bibel konkret auf meine Gebete antwortet. Ich konnte die Miete meines kleinen Ladens nicht mehr bezahlen und suchte verzweifelt nach Hilfe. Im Hof unter ein paar Stühlen fand ich ein kleines Kreuz und ich erinnerte mich, wie die Christen beteten, wenn sie Probleme hatten. So sprach ich zu Gott: «Wenn Du mir jetzt hilfst, dann weiss ich, dass Du lebst, und werde Dir nachfolgen.» Kurz darauf erhielt ich von jemandem 100 US-Dollar – mehr als ich für die Miete brauchte. Meine Frau beschimpfte mich allerdings als «Ungläubigen» und hängte einen Vorhang quer durch unsere 1-Zimmer-Wohnung auf. Von nun an musste ich auf der einen Seite des Vorhangs wohnen, um als Christ nicht Munas und der Kinder Raumhälfte zu «verunreinigen».

Das dauerte sechs Monate. Was geschah dann?
Fahd: In dieser Zeit erhielt ich eine Vorladung von der Geheimpolizei und wurde in eine Zelle gesperrt. Während acht Tagen bekam ich nichts zu essen, wurde verhört und am Schlafen gehindert. Sie wollten wissen, wie ich über die Grenze gekommen war. Die Polizei erhoffte sich wohl Informationen über mögliche Schlepper. Auf einmal ging alles ganz schnell: Die Zelle wurde plötzlich geöffnet und ein Wärter sagte mir, ich solle zivile Kleidung anziehen. Dann nahm sich ein UNHCR-Beamter meiner an und ich kam frei. Muna erzählte mir, dass sie zu diesem Zeitpunkt heimlich in der Bibel gelesen und zu Gott gebetet hatte. Von einem UNHCR-Beamten erfuhr ich später, dass der Beamte die Polizei jeden Tag angerufen und Druck gemacht hatte, um mich freizulassen – damals völlig ungewöhnlich. Das UNHCR unterstützte uns finanziell, währenddem wir auf unsere Ausreise warteten, und bezahlte auch die Schule für unsere Kinder sowie die medizinische Versorgung. Muna sah all diese Wunder, konnte aber immer noch nicht an Jesus glauben. Ich sagte ihr, sie solle doch einfach zum Schöpfer beten, was sie tat. Dann sprach Jesus auch zu ihr.

Muna, wie war das für Sie, als Sie plötzlich anstatt eines Muslims einen Christen zum Mann hatten?
Muna: Für mich war Fahd ein «Abgefallener» und ein Fluch mit seiner Bibel. Doch dann hatte ich einen Traum: Ich war tot und eine Gruppe Christen trug mich auf einem Brett zu einem Wasserteich. Bevor ich ins Wasser gelassen wurde, war ich in ein schwarzes Kleid gehüllt, und als ich auf der anderen Seite des Teiches aus dem Wasser kam, war ich lebendig und in weiss gekleidet. Ich fragte Fahd, was dieser Traum zu bedeuten hätte, und er meinte: Die Menschen sind sündhaft und werden ohne die Vergebung durch Christus verloren gehen, darum das schwarze Kleid. Das Wasser bedeutet, dass Jesus uns von den Sünden reinigt und wir durch ihn gerettet sind, darum das weisse Kleid.

Nach dem Traum entschieden Sie sich ebenfalls für Christus. Die Folgen liessen nicht lange auf sich warten…
Muna: Ja, kurz darauf hämmerte meine beste Freundin an unsere Tür und sagte, sie werde nie mehr in meine Wohnung eintreten, da wir nun beide «Ungläubige» seien. Sie drohte, dass ich schon bald als Witwe betteln gehen müsse. Ein paar Tage später packten Bekannte von uns meinen Mann am Hals und drohten ihn umzubringen, wenn er nicht sofort zum Islam zurückkehrte. Sie schossen auf ihn und gingen mit Messern auf ihn los. Die Polizei sorgte dann dafür, dass wir baldmöglichst ausreisen konnten.

Fahd und Muna leben heute in einem westlichen Land und unterstützen arabisch-sprechende Migrantinnen und Migranten bei der Integration. 2016 erklärten ihre Herkunftsfamilien sie wegen «Abfalls vom Islam» für tot und enterbten sie.