«Was wird aus unserem Land, wenn die letzten Christen gehen?»

Mittlerer Osten: Fast alle Christen, die irgendwie konnten, haben ein Krisenland verlassen. Doch einige wenige sind geblieben, weil sie eine Vision und eine Berufung für ihr Land spüren.

Zurzeit kursieren verschiedene Meinungen und Berichte die Region. Leider kann vieles nicht unabhängig verifiziert werden, da kaum Journalisten ins Land reisen. Durch neue Handelsbeziehungen ist etwas Aufschwung in die Wirtschaft gekommen. Die Arbeitslosigkeit bleibt jedoch hoch. Lebensmittel wären genug vorhanden – aber die Preise dafür sind so hoch, dass sie sich kaum jemand leisten kann. Die Strassen sind beeindruckend sauber. Doch das liegt daran, dass so viele Menschen nach Abfall suchen, um ihn zu verbrennen und über dem Feuer zu kochen.

Mädchen und Frauen haben kaum Zugang zu Bildung. Einige der regierenden Islamisten befürworten die Bildung von Frauen, aber bis jetzt leider nicht diejenigen an der Spitze. Aussenstehende sind sich einig: Ohne Ausbildungen für Frauen hat das Land keine Zukunft.

Teilweise ist mehr Sicherheit und Ruhe ins Land gekommen. Viele in der Bevölkerung haben sich mit den Machthabern arrangiert und wollen keinen Wechsel mehr, weil sie nicht wissen, wer sonst an die Macht kommen würde. Die Christen sagen: «Auch im Gefängnis ist die Sicherheit hoch. Aber du kannst nicht mehr sagen, was du denkst.»

Christen verstecken ihren Glauben. Sie halten sich an die muslimischen Gebetszeiten, aber beten insgeheim zu Jesus. Khan*, ein lokaler christlicher Leiter, sagt: «Wenn du uns nur äusserlich anschaust, siehst du Anhänger des Islams. Aber schaue tiefer in unser Herz und du wirst sehen, dass dort Jesus lebt.»

Auf die Frage, warum er im Land geblieben ist, antwortet Khan: «Eine Organisation wollte uns helfen, aus dem Land zu reisen. Ich betete und Gott zeigte mir, dass ich bleiben soll. Dann schaltete ich mein Telefon für eine Woche aus, damit solche Angebote mich nicht verlocken konnten.» Nach dieser Woche war eine Evakuierung nicht mehr möglich.

Ein anderer christlicher Leiter sagt: «Wir können nicht gehen. Was wird aus unserem Land, wenn auch die letzten Christen fliehen oder umgebracht werden? Wir beten, dass Gott uns zeigt, wem wir von Jesus erzählen und wem wir eine Bibel geben sollen. Momentan habe ich zwei Personen auf dem Herzen. Es braucht aber eine übernatürliche Begegnung mit Jesus, damit so jemand zum Glauben kommt.»

Der Geheimdienst ist aktiv und macht seine Arbeit gründlich. Ahmad* ist ein Christ, der vom Geheimdienst besucht wurde. Aber der Heilige Geist warnte ihn vorher und er konnte die Bibel in einem Brunnen neben seinem Haus verstecken. Der Geheimdienst durchsuchte alles und fand nichts. Ahmad sagt: «Wenn sie herausfinden würden, dass wir vom Islam abgefallen und Christen geworden sind, würden sie uns töten.» Diese strenge Überwachung ist neu für die Gläubigen. Sie müssen darin geschult werden, wie sie damit umgehen sollen.

Jawad* organisiert Lebensmittelerteilungen im Land. Da nur wenige Organisationen helfen, hat er das Wohlwollen der lokalen Behörden. Diese schauen zu und stellen sicher, dass alles geordnet abläuft. Die Atmosphäre ist entspannt. Die Gesichter strahlen Freude aus. Jugendliche und Männer verdienen ein wenig Geld, indem sie Lebensmittel mit Schubkarren und Rikschas zu den Leuten transportieren.

Die Beschenkten erleben oft zum ersten Mal, dass jemand ihnen Lebensmittel gibt – oder dass jemand sie überhaupt fragt, wie es ihnen geht. Wenn die Umstände es erlauben, flüstern die Teammitglieder ihnen heimlich zu, dass die Hilfe von Christen kommt. Erstaunt fragen sie: «Von den regierenden Islamisten kommt nichts Gutes. Warum seid ihr so anders?» Dadurch öffnet Gott viele Herzen.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner haben ungenügenden Zugang zu gesundheitlicher Versorgung und Lebensmitteln. Deshalb unterstützt die HMK medizinische Kliniken, die kostenlose Behandlungen durchführen, und verteilt Lebensmittel an besonders arme Familien. Für nur 3 Franken kann eine Person in einer der Kliniken behandelt werden. Mit 100 Franken schenken Sie einer grossen Familie ein Lebensmittelpaket, das sie einen Monat lang versorgt. Herzlichen Dank!


* Namen von der Redaktion geändert, Symbolbild

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