Saudi-Arabien – Äthiopische Christen verhaftet
Wie Human Rights Watch (HRW) berichtet, sollen 35 äthiopische Christen, 6 Männer und 29 Frauen, aus Saudi-Arabien abgeschoben werden. Sie sind zurzeit im Gefängnis wegen eines „unsittlichen gemischten Treffens“, nachdem die Polizei eine Razzia auf ein privates Gebetstreffen durchgeführt hatte.
Die Frauen mussten sich einer „widerrechtlichen Leibesvisitation” unterziehen, während die Männer geschlagen und als „Ungläubige” beschimpft wurden. Die Gruppe wurde in einem privatem Haus verhaftet, wo sie sich als Vorbereitung zum Weihnachtsfest, das von den äthiopisch-orthodoxen Christen am 7. Januar gefeiert wird, zum Gebet versammelt hatten. Zurzeit werden sie im Briman-Gefängnis in Jeddah festgehalten.
„Während König Abdullah ein internationales Zentrum für den interreligiösen Dialog stiftet, tritt seine Polizei die Rechte von Anhängern anderer Religionen mit Füssen”, erklärte Christoph Wilke, der die Entwicklung im Mittleren Osten für Human Rights Watch verfolgt. „Die Regierung in Saudi-Arabien muss zuerst ihre eigenen intoleranten Vorgehensweisen verändern, bevor sie im Ausland einen religiösen Dialog fördern kann”, setzte er in seiner Erklärung hinzu.
HRW konnte mit einem der Männer und zwei Frauen in den Gefängnissen am Telefon sprechen. Denen, die bereits vor Gericht waren, wurde gesagt, sie seien wegen „unsittlichen Treffens” von unverheirateten Personen des anderen Geschlechts angeklagt worden. Gemischte Treffen in der Öffentlichkeit sind nicht erlaubt, aber gewöhnlich im Privatbereich geduldet, es sei denn sie geschähen „mit unmoralischen Absichten”, wie die Religionspolizei erklärt. Einige der verhafteten Christen haben jedoch keine gültige Aufenthaltsgenehmigung, was in dieser Lage erschwerend ist. Trotzdem gibt es klare Anzeichen dafür, dass ihre religiösen Aktivitäten ein Grund für ihre Verhaftung sind.
Das ultrakonservative muslimische Königreich verbietet die Ausübung jeder anderen Religion neben dem Islam. Es hat aber in den letzten Jahren versprochen, Anhänger anderer Religionen zufrieden zu lassen, wenn sie daheim in ihren Privaträumen beteten. (BBC/France 24/mec)
