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Andrew Brunsons Martyrium: US-Pastor bleibt in der Türkei unter Hausarrest

Der seit bald zwei Jahren in der Türkei festgehaltene US-Pastor Andrew Brunson konnte das Gefängnis verlassen und steht unter Hausarrest. Am 12. Oktober 2018 droht ihm eine Verurteilung zu 35 Jahren Gefängnis.

 

dpa/nzz/afp/livenet./Oktober 2018 – Ein Berufungsgericht in Izmir habe den Antrag auf Freilassung abgelehnt, berichtete die Nachrichtenagentur DHA am 15. August 2018. Ismail Cem Halavurt, der Verteidiger des Presbyterianer-Pastors, hatte am 14. August 2018 erneut dessen Freilassung gefordert. Er habe Einspruch gegen den Hausarrest und die Ausreisesperre eingelegt, sagte Halavurt der Deutschen Presse-Agentur. Der Fall belastet die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei schwer. Der nächste Gerichtstermin ist auf den 12. Oktober 2018 angesetzt. Ihm drohen 35 Jahre Gefängnis.

„Ich leide für den Namen von Jesus“
Am 25. Juli 2018 wurde der 50-jährige aus gesundheitlichen Gründen vom Hochsicherheitsgefängnis Aliaga bei Smyrna (Izmir) in den Hausarrest verlegt. Das Verfahren gegen ihn wurde aber aufrechterhalten. Zuvor war seine Untersuchungshaft um weitere drei Monate verlängert worden. Wie auch schon früher war seine Frau Norine bei der Verhandlung am 18. Juli 2018 zugegen. Andrew Brunson weist kategorisch alle Anklagen von sich und erklärte wiederholt, dass er auf keine Weise an dem Coup gegen den türkischen Präsidenten im Juli 2016 beteiligt war. „Es ist wirklich hart, im Gefängnis und von meiner Frau und von meinen Kindern getrennt zu sein“, erklärte er bei der Verhandlung auf Türkisch. „Es gibt keine konkreten Beweise gegen mich. Die Jünger von Jesus haben in seinem Namen gelitten, und jetzt bin ich halt an der Reihe. Ich bin unschuldig in all dem, was sie mir vorwerfen. Ich weise alle Anklagen zurück. Ich weiss, warum ich hier bin: Ich leide für den Namen von Jesus“, fügte er hinzu.

Folterhaft, um Geständnis zu erpressen?

Im Gefängnis war Andrew Brunson die längste Zeit mit 20 anderen Gefangenen in einer Zelle für acht Personen festgehalten, zuletzt musste er seine enge Einzelzelle mit zwei weiteren Häftlingen teilen. In dieser Zeit hatte er 25 Kilogramm abgenommen und hielt sich nur mit Beruhigungsmitteln aufrecht. Der Trost einer Bibel wurde ihm bis zuletzt verwehrt. Sein Anwalt und konsularische Vertreter der USA sprachen den Verdacht aus, dass der Pastor durch eine immer wieder verlängerte „Folterhaft“ zum Eingeständnis der ihm vorgeworfenen Unterstützung oppositioneller Terrorgruppen in der Türkei gebracht werden sollte.
Andrew Brunson befand sich seit Oktober 2016 unter dem Vorwurf der Spionage und der Unterstützung der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) sowie der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen in türkischer U-Haft. (HMK berichtete letztmals in der verfolgt-Ausgabe Juli 2018). US-Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence dringen seit langem auf die Freilassung des Pastors, der vor seiner Festnahme in der westtürkischen Küstenstadt Izmir zwei Jahrzehnte lang eine kleine Kirche (protestantische Auferstehungsgemeinde in Smyrna) betrieb. Erdogan hatte im September 2017 vorgeschlagen, Andrew Brunson gegen den in Pennsylvania im Exil lebenden Gülen auszutauschen, den Ankara als Drahtzieher des gescheiterten Militärputsches von Juli 2016 ansieht.

Ein Foto von Pastor Andrew Brunson während seiner Zeit im Gefängnis. Quelle: World Witness / wwm