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Syrien/Irak: Hoffen und Bangen

März 2018 - Die Extremisten sind zurückgedrängt, die Zerstörung ist immens und die Wirtschaft liegt am Boden. Die Menschen vor Ort brauchen unsere handfeste Unterstützung.

Syrien/Irak – Hilfe schafft Hoffnung

Wenn Sie helfen wollen: Wir brauchen gute Schulen für unsere Kinder. Besonders in den stark zerstörten Dörfern braucht es einen Wiederaufbau und gute Schulen. Mit guten Schulen fällt es den Familien einfacher, im Land zu bleiben.

 

hmk. Der am 10. Dezember 2017 im Irak verkündete Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) hatte zwar eine wichtige symbolische Bedeutung, doch die Sicherheitslage ist durch das Machtvakuum in den zurückeroberten Gebieten nach wie vor äus-serst prekär. Die irakische Armee und die Truppen der kurdischen Autonomiezone im Nordirak gerieten seit dem kurdischen Unabhängigkeitsreferendum im September 2017 mehrfach aneinander. Bereits in ihre Dörfer zurückgekehrte Vertriebene mussten erneut fliehen. Mitten drin sind auch die Christen. Ein Dorfbewohner eines christlichen Dorfes in der Ninive-Ebene erklärt uns: „Wir sind zwischen den Fronten. Auf der einen Seite ist die irakische Armee, auf der anderen Seite sind die kurdischen Truppen. In der Mitte sind wir Christen, verachtet von beiden Seiten.“ Hinzu kommen verstreute IS-Kämpfer, die Anschläge verüben und die weitverbreiteten Landminen.


In Syrien eroberte das Assad-Regime Anfang 2017 die Stadt Aleppo von den sunnitisch-islamistischen Rebellen zurück. Für die religiösen Minderheiten – darunter viele Christen – bedeutet das wieder etwas Sicherheit und die Möglichkeit zu Rückkehr und Aufbau. Viele Christen aus Aleppo mussten bis dahin als Inlandflüchtlinge notdürftig in den überfüllten Küstengebieten und in Bergdörfern Zuflucht suchen. Leider sorgen die von der Türkei unterstützten islamistischen Rebellen im Raum Idlib weiterhin für Unsicherheit, weil sie ähnlich dem IS einen Scharia-Staat errichten wollen. Sie haben mehrere christliche Siedlungen in der Provinz Hama bedroht und bis heute kommt es immer wieder zu heftigen Kriegshandlungen. Doch die Rückeroberung der „IS-Hauptstadt“ Raqqa Ende Oktober 2017 gibt den Menschen in Syrien zusätzliche Hoffnung, die gerade jetzt durch Hilfe von aussen gefestigt werden muss, damit eine weitere Stabilisierung und die Rückkehr in ihre Heimatorte gelingen kann.

„Es ist schon so lange her, seit jedes meiner Kinder ein eigenes Spielzeug erhalten hat. Ich danke euch!” – Mutter einer Familie in einem verarmten Dorf im Nordirak. Foto: © HMK


In anderen Kampfzonen, etwa jüngst in der nordwestlichen Provinz um Afrin, geraten Christen hingegen erneut zwischen die Fronten der geopolitischen Grossmächte. Gerade im bislang isolierten Afrin erlebten die ortsansässigen Gemeinden ein überaus starkes Gemeindewachstum. Doch nun ist von der militärischen Intervention der Türkei im kurdisch dominierten, syrischen Hoheitsgebiet auch diese ansässige christliche Minderheit stark betroffen, welcher durch die Kurden bis anhin ein Mindestmass an Sicherheit geboten wurde. Dies verschärft weiter die ohnehin prekäre humanitäre Situation der Menschen in dieser ärmlichen Gegend, in der wir als HMK seit Anfang des Konflikts Hilfe leisten. Leider kommen durch die türkische Offensive auch deren syrische Verbündete, die radikal-islamischen Rebellen, nach Afrin, die den ansässigen Christen nicht wohlgesonnen sind, aber bislang durch die kurdischen Kräfte abgehalten wurden. Das Einflussgebiet der syrischen Scharia-Rebellen vergrössert sich dadurch im Norden von Idlib erheblich, ebenso die Bedrohung der Christen.

 

Zwischen Zerstörung...
Die Wirtschaft in Syrien und im Irak ist am Boden, Einkünfte gibt es kaum und die Menschen können sich noch nicht durch eigene Ressourcen am Leben erhalten. Eine vertriebene Familie sagt uns: „Nach drei Jahren IS und Flucht sind nun unsere letzten Ersparnisse aufgebraucht, wir stehen vor dem Nichts.“ Vor allem der Winter ohne ausreichende Versorgung setzt den Menschen zu. Die Rückkehrer treffen ihre Dörfer und Städte im besten Fall verwahrlost und im schlimmsten Fall zerstört an.


...und Wiederaufbau
Doch die Hoffnung auf einen Neuanfang ist da. Es waren bewegende Momente, als verschiedene christliche Denominationen Weihnachten wieder in ehemals besetzten Gebieten verbringen und Gottesdienste in ihren – zwar verwüsteten – Kirchen feiern konnten. Die Kraft der Hoffnung durch Jesus Christus war für die Menschen in dieser dunklen Zeit spür- und erlebbar. Doch für sie ist es eine immense Herausforderung, an dieser Hoffnung in ihrer Heimat auf Dauer festzuhalten. Hier setzt die Arbeit unserer Partner an. Ihr Einsatz und ihre Liebe zu den Mitmenschen auch im Angesicht ihrer eigenen Not ist ein extrem starkes Zeugnis. Zu dieser Arbeit wollen wir unsere lokalen Partner weiterhin zurüsten, sie ermutigen und ihnen die nötigen Mittel zur Verfügung stellen. Gerade jetzt in dieser kritischen Phase des Übergangs vom Krieg zum Wiederaufbau, wollen wir sie weiter unterstützen, um der zart aufkeimenden Hoffnung eine echte Chance zu geben, bis die Menschen sich wieder selbst ernähren können.

Hilfe vor Ort – Unterstützen Sie uns dabei!

Wiederaufbau: Als HMK koordinieren wir mit unseren einheimischen Projektpartnern den Wiederaufbau zerstörter Dörfer (Schulhäuser, Kliniken, Wasser- und Stromversorgung).

Schulbildung:
Die heranwachsende Generation braucht Zugang zu Schulbildung. 4‘000 Kindern und Jugendlichen können wir das derzeit ermöglichen. Sie sollen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen können und in ihrer Heimat längerfristig eine Perspektive haben.

Traumabewältigung:
Die psychologische Betreuung von Kriegstraumatisierten ist aufwändig und intensiv. Auch wenn die Erfolge selten in Zahlen messbar werden und die schmerzvollen Erfahrungen der letzten Jahre die Menschen anhaltend prägen, berichten unsere Teams immer wieder von tief bewegenden Momenten.

Nothilfe:
Die Versorgung mit dem Überlebensnotwendigen bleibt der Hauptfokus unserer Arbeit bei den Kriegsflüchtlingen. Mehr als 21‘000 Bedürftige in Syrien und 22‘000 im Irak erhalten regelmässig Lebensmittel, Hygieneartikel und Nothilfepakete (warme Kleidung, Decken, Heizmaterial).

Mit CHF 135.– (€ 117.–) ermöglichen Sie einem Flüchtlingskind die Rückkehr in sein Heimatdorf mit einem regulären Schulbesuch.


Mit CHF 90.– (€ 78.–) unterstützen Sie eine Familie einen Monat lang mit Nahrungsmitteln.


Mit CHF 150.– (€ 130.–) schenken Sie einer Flüchtlingsfamilie ein Hilfspaket (warme Kleidung, Decken, Heizmaterial).