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Ukraine: Ein Herz für Waisenkinder

SOS Ministry setzt sich für Waisenkinder in der Ukraine ein. Ein Teil des Teams war kürzlich auf der Durchreise in Europa und machte Halt in Thun bei der HMK.


hmk./ August 2017

Maksym, schön dass Sie und Ihr Team hier sind. Warum sind Sie in Europa unterwegs?
Es freut uns auch, hier zu sein. Wir besuchen die Gemeinden und Organisationen, die unseren Dienst finanziell und im Gebet unterstützen. Dazu gehören auch Sie. Wir sind hier, um Ihnen danke zu sagen und Ihnen einen Einblick in unsere laufende Arbeit zu geben.

SOS Ministry kümmert sich um Waisenkinder. Wie und seit wann?
In der Ukraine gibt es viele Waisenkinder, die in einem staatlichen Internat aufwachsen. Wenn sie im Alter von 18 Jahren das Internat verlassen müssen, landen viele von ihnen auf der Strasse, weil sie keine Angehörigen haben, die sich um sie kümmern. Das ist tragisch und wir wollten nicht länger tatenlos bleiben. Also starteten wir im Jahr 2007 den Dienst SOS Ministry.

Welche Hilfeleistungen bieten Sie an und wie gehen Sie vor?
Wir helfen ihnen, im Leben Fuss zu fassen. Dabei fokussieren wir uns auf die 18- bis 23 Jährigen, also auf die direkten Internatsabgänger. Zurzeit sind es 24 junge Frauen und Männer. Wir zeigen ihnen, wie sie den Haushalt bewältigen können (Kochen, Waschen), helfen ihnen bei der Freizeitgestaltung, bei der Suche nach einer Arbeitsstelle und vernetzen sie mit christlichen Gemeinden in der Umgebung.

Einige Mitarbeiter von SOS Ministry waren selbst Waisenkinder. Foto: Zu Besuch bei der HMK in Thun. Hintere Reihe in der Mitte: Maksym, Leiter SOS Ministry. Foto: © HMK


Woher wissen Sie, welcher Jugendliche was braucht? Wie lernen Sie sie kennen?

Wir besuchen die Jugendlichen bereits zwei Jahre bevor sie das Internat verlassen, und zwar ein bis zwei Mal wöchentlich. Dort führen wir Bibelstunden- und Gebetszeiten durch. Manchmal verteilen wir ihnen auch Schuhe und Kleidung, da es in den staatlichen Internaten gerade einmal knapp fürs Essen reicht. Zudem organisieren wir gemeinsame Ausflüge in die Natur. Die meisten von unserem Team waren selbst Waisenkinder und haben deshalb einen guten Zugang.

Sie waren auch betroffen vom Krieg in der Ostukraine. Inwiefern?
Wir alle kommen aus Donezk. Vor dem Krieg besuchte unser Team sechs verschiedene Internate mit insgesamt rund 400 Kindern und Jugendlichen. Wegen dem Krieg mussten wir die Stadt verlassen. Nun leben wir in Slowjansk, rund 100 Kilometer nördlich von Donezk. Die Waisenkinder wurden von den Behörden an Orte ausserhalb der Konfliktzone evakuiert. Seither besuchen wir regelmässig ein Internat, wo sich ein grosser Teil der Kinder befindet, die evakuiert wurden.

Was haben die Waisenkinder für Zukunftsperspektiven?

Sie erhalten alle die Chance auf weiterführende Schulbildung, die in der Ukraine staatlich subventioniert ist. Und als Waisenkinder werden sie vom Staat auch unterstützt mit etwas Geld für das Nötigste. Das sind eigentlich gute Voraussetzungen, aber was sind sie wert ohne Familie, ohne sozialen Rückhalt? Deshalb gibt es uns.

16 Waisenkinder, die zurzeit von SOS Ministry betreut werden, sind dringend auf Zahnsanierungen angewiesen. Mit 100 Franken (90 Euro) können Sie die Zahnsanierung eines Jugendlichen finanzieren. Dürfen wir mit Ihrer Unterstützung rechnen?