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Kuba: Was Gott im gottlosen Staat tut

August 2017 - Der Kommunismus erklärte Gott einst für tot. Heute erlebt die kommunistische Karibikinsel den grössten geistlichen Aufbruch ihrer Geschichte. Im Schnitt entstehen pro Jahr 800 neue christliche Gemeinden.

livenet. Die HMK engagiert sich seit langem auf der grössten Insel in der Karibik. Der freischaffende Mitarbeiter Hans M. besucht regelmässig den kommunistischen Inselstaat und beobachtet das Land. Er berichtet: „In den ersten dreissig Jahren nach der Revolution von 1959 lag geistlich gesehen eine dunkle Wolke über Kuba.“ Doch in den letzten zwei Jahrzehnten habe sich diese Wolke aufgespalten, „nun wachsen die Gemeinden wieder. Es wird wieder hell auf der Insel.“

16'000 Gemeinden
„In den letzten zwanzig Jahren entstanden 16‘000 Gemeinden auf Kuba, durchschnittlich also 800 pro Jahr.“ Die Vision der kubanischen Christen: „Cuba para Cristo“ („Kuba für Christus“) statt „Cuba para Castro“ („Kuba für Castro“).
Die kubanischen Christen sagen: „Fidel Castro ist tot und seine Zeit ist vorbei. Nicht so bei Gott.“ Sie hätten in den letzten Jahren das Gebet ganz neu entdeckt, meint der Mitarbeiter der HMK. „Nicht aus Druck heraus oder weil man es ihnen empfohlen hat, sondern weil sie es auf dem Herzen hatten. Es ist berührend, wenn man sieht, wie heute Kinder für ihre Eltern, Geschwister und Freunde beten.“ In den Gemeinden sei das Gebet ebenfalls wichtig: „Manche kommen bereits eine oder zwei Stunden vor dem Gottesdienst in die Lokalität, um Gott anzubeten.“
Innerhalb von sechs Monaten hätten dreissig Menschen zu Christus gefunden, berichtete ein einheimisches Pastorenpaar. Doch ein Raum für einen Gottesdienst sei in der Gegend nicht erlaubt gewesen. „Aber einen Blech-Container konnten sie nutzen. Sie stellten Bänke hinein, obschon es darin bei den warmen Temperaturen sehr heiss wird.“

5'500 kubanische Missionare
In Kuba seien mittlerweile 5'500 einheimische Missionare unterwegs, „doch die Zahl stimmt morgen schon wieder nicht mehr, ihre Anzahl wächst zusehends. Im Osten der Insel haben sich im Jahr 2015 30‘000 Menschen für ein Leben mit Christus entschieden. Sie feiern Gottesdienste in über 1‘300 neuen Gemeinden.“

Blick in eine Gemeinde auf Kuba. Foto: © HMK


Ärzte hören Ruf
Die meisten, die zum Glauben an Jesus gekommen seien, hätten noch nie eine Bibel in der Hand gehabt. „Sie brauchen Schulung“, analysiert der HMK-Mitarbeiter. „Inzwischen steht hierfür eine theologische Bildungsstätte zur Verfügung. Dort erleben sie Blockschulungen à zehn Tagen, dann gehen sie zurück in ihre Gemeinden, wenden das Gelernte an und kehren dann wiederum in die Bildungsstätte für den nächsten Blockunterricht zurück. Nach vier Jahren werden sie ordiniert.“
Neben den einheimischen Missionaren seien Pastoren wichtig. Unter der einst harten kommunistischen Hand sei die Zahl der Pastoren im Land auf 200 geschrumpft. „Nun ist die Zahl wieder gewachsen; in einer Denomination auf inzwischen über 9‘000. Weitere sind nötig. Unter den Pastoren sind unter anderem frühere Ärzte.“

Mehr Freiheit? Jein!

Im Jahr 2016 seien 2'000 Hauskirchen Opfer von Übergriffen der Behörden geworden. Die grosse Freiheit sei also noch nicht bei den Christen angelangt. Oft würden sie 24 Stunden im Voraus von den Behörden informiert mit der Aufforderung, ihr Lokal zu räumen. „In einem Fall wollten die Behörden eine Kirche abreissen. Doch die Christen setzten sich in das Gebäude. Zuletzt wurden die Bagger wieder abgezogen.“
Der Druck sei also immer noch da. „Am Anfang der ‚Revolution‘ wurden die Bibeln verboten. Inzwischen ist es immerhin erlaubt, eine beschränkte Anzahl Bibeln einzuführen und zu drucken.“ 500‘000 Bibeln hätten in den letzten Jahren eingeführt werden können. „Auf elf Millionen Einwohner ist das wenig, aber immerhin.“
Gegenwärtig wird von über zehn Prozent beziehungsweise ca. einer Million bibeltreuer Christen auf Kuba ausgegangen. „Da ist es gut, dass die kubanischen Christen manchmal auch für uns beten.“
Autor: Daniel Gerber, livenet

Gemeindebau im kommunistischen Karibikstaat

Seit zwei Jahrzehnten engagieren wir uns als HMK auf Kuba. Über unsere kubanischen Netzwerke...

… setzen wir 550 kubanische Missionare frei für den Dienst in ihrer Heimat,
… leisten wir Rechtshilfe, um Schliessungen von Hausgemeinden zu verhindern,
… helfen wir beim Bau oder Renovation von Versammlungshäusern („Casas Culto“),
… erhalten Gemeindegründer je nach Bedarf Velos, Bibeln, Kleidung und Gitarren.

Mit 90 Franken (82 Euro) können Sie ein Velo für einen kubanischen Pastor finanzieren, was ihm seine Besuche in den umliegenden Gemeinden sehr erleichtert.•

Eine kubanische Pastorenfamilie vor ihrer Blech-Kirche. Foto: © HMK

Religionsfreiheit in Kuba?

„Wir ergreifen Massnahmen… die Behörden werden nicht ruhen… um gegen jegliche ,Illegalität‘ dieser Gruppen (Christen) vorzugehen“, so die Vorsteherin für religiöse Angelegenheiten. Die kubanischen Behörden halten die Christen im Würgegriff. Obwohl Kuba in seiner Verfassung Religionsfreiheit garantiert, werden besonders christliche Leiter verfolgt. Als HMK unterstützen wir sie durch Rechtshilfe und stärken die einheimische christliche Gemeinde.