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Aufbruch in Kuba: „Merci, Fidel Castro!“

Juli 2018 - Auf Kuba wächst die Zahl der Christen enorm schnell. Jetzt fehlt es an einheimischen Leitern. Die HMK setzt seit 20 Jahren kubanische Missionare frei und schult Pastoren.

Kuba – ein Zeitzeuge berichtet

Ich möchte euch erzählen, wie das am Anfang mit dem Evangelium war. Als wir uns als Christen zu erkennen gaben, hatten wir viele Schwierigkeiten – vor allem Missionare aus dem Ausland, die hier waren, besonders die aus den USA, a er auch die einheimischen christlichen Leiter, die das biblische Institut durchlaufen hatten.

Idea/hmk. Die Verbreitung des christlichen Glaubens geschieht vor allem über persönliche Kontakte. „Grosse evangelistische Kampagnen sind auf Kuba verboten“, sagt der HMK-Mitarbeiter Alfred*. „Und dennoch gibt es auf der offiziell kommunistischen Karibikinsel inzwischen über zehn Prozent bibeltreue Christen. Das sind mehr als eine Million Menschen. Dies sollte uns in der Schweiz anspornen.“ Alfred ist regelmässig auf Kuba.

Alphabetisierungskampagne
Fidel Castro hatte versucht, die Gemeinde Jesu auszurotten und das religiöse Leben zu vernichten. Fortan sollte seine „Religion“, der atheistische Kommunismus, herrschen. „Es war Castros Ziel, dass alle Kubaner die kommunistischen Schriften lesen können. Aus diesem Grund führte der Staat eine erfolgreiche Alphabetisierungskampagne für die vielen Analphabeten durch“, blickt Alfred auf die Geschichte des Staats zurück. Castro habe nicht bedacht, dass die Menschen dann auch die Bibel lesen würden. „Gott gebrauchte einen Mann, der gegen ihn war, damit ein Alphabetisierungsprogramm dazu diente, die Bibel lesen zu können  –  Merci,  Castro!“, lacht Alfred.

Die kommunistisch motivierte Alphabetisierungskampagne hatte zur Folge, dass heute alle die Bibel lesen können. Foto: © HMK


Das Goldene Zeitalter Kubas

„Ein Pastor aus Costa Rica bezeichnete das Wachstum der christlichen Gemeinde auf Kuba als ‚das Goldene Zeitalter‘“, sagt Alfred. Der geistliche Hunger sei gross, Zehntausende von Menschen besuchten die Gottesdienste und Veranstaltungen der Kirchen, Hausgemeinden und Hauskreise.
Die Gemeinden wachsen schnell. Alfred: „Ich lernte einen Pastor kennen, der für über 300 Gemeinden verantwortlich ist. Es gibt zu wenig Leiter.“
Zurzeit werden an einer theologischen Schule mehr als 7‘000 künftige kubanische Pastoren und Mitarbeiter ausgebildet. Gelehrt wird in Blockschulungen und regionalen Lernzentren. Auf zehn Tage Ausbildung folgt das direkte Umsetzen in der eigenen Gemeinde; dann folgt der nächste Ausbildungsblock.

Kubaner beten für uns
Das Interesse am Glauben an Jesus Christus ist in Kuba gross. Doch es fehlt an Leitern. Deshalb unterstützt HMK die Ausbildung und Förderung angehender Pastoren. Alfred: „Die Kubaner sind sehr dankbar für die Hilfe aus der Schweiz. Sie beten regelmässig für die Menschen und die Gemeinden in der Schweiz.“•

Autor: Daniel Gerber
Quelle: ideaSpektrum 11.2018 und HMK

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.


HMK: Hilfe vor Ort

Seit rund 20 Jahren arbeiten wir als HMK denominationsübergreifend mit kubanischen Gemeinden zusammen, wodurch wir:

  • jährlich rund 500 kubanische Missionare für den Dienst in ihrer Heimat freisetzen.
  • Mittels Rechtshilfe Schliessungen von Hausgemeinden verhindern.
  • Versammlungshäuser bauen oder renovieren sowie nach Zerstörung durch Hurrikane wieder aufbauen. Aufgrund des enormen Gemeindewachstums sind diese dringend gefragt.
  • Gemeindegründer unterstützen; je nach Bedarf mit Velos, Bibeln, Kleidung und Gitarren.

Velos für Missioneros
Um eine neue Hauskirche zu gründen, legen kubanische Missionare mehrmals pro Woche viele Kilometer zu Fuss zurück; einige bis 20 Kilometer – nicht selten mit Ehepartnern und Kindern. Die HMK stellt wenn immer möglich Velos zur Verfügung, was eine enorme Erleichterung darstellt. Auf diese Weise entstehen in bisher unerreichten Nachbardörfern immer mehr neue Kirchgemeinden.

Mit 130 Franken (108 Euro) rüsten Sie einen kubanischen Gemeindegründer mit einem Velo aus. In Kuba gibt es wenig ÖV und Transportmöglichkeiten. Foto: © HMK

Viel Lärm, wenig Verbesserungen

hmk. Politisches Tauwetter oder laut angekündigte Öffnung entpuppt sich meistens als inhaltlose Propaganda. Daran wird auch der neu gewählte Präsident nicht viel ändern können. Raul Castro bleibt weiterhin Partei- und Militärchef. Die grosse Herausforderung für alle Kubanerinnen und Kubaner ist die miserable, wirtschaftliche Lage und damit verbunden die gros-se Armut. Die ideologisch strikt und engmaschig agierende Führung verhindert weiterhin Eigeninitiativen sowie breit angelegte Entwicklung hin zum Besseren.

Weil inzwischen mehr als zehn Prozent der Bevölkerung eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus haben (über eine Million Menschen), kann das diktatorische Regime die Existenz der evangelischen Gemeinden nicht länger leugnen. Diese grosse Zahl erzeugt bei den Behörden mehr Respekt und Zurückhaltung, und im öffentlichen Leben werden Christen immer mehr als „normal“ angesehen. All dies stellt im Vergleich zu vor zehn Jahren eine Verbesserung der Situation dar. Doch nach wie vor kommt es seitens der Behörden zu schwerer Verfolgung gegen christliche Leiter: Bespitzelung, Beschattung, Vorladungen, Enteignung von Liegenschaften, konstruierte Gerichtsverfahren bis hin zu Gefängnis.