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Kambodscha: „Die Kinder wollten uns nicht mehr loslassen“

Mai 2018 – Prisca und Philipp, zwei Rucksacktouristen aus der Schweiz, besuchten ein Zentrum für Slumkinder in Phnom Penh.

Die Slumkinder von Phnom Penh – Der Mülldeponie entkommen

„Zerlumpt und barfuss suchten die Slumkinder den Müllberg ab, der übersät war mit zersplitterten Glasflaschen. Manchmal assen sie von den Essensresten am Boden, um ihre leeren, aufgeblähten Bäuche zu füllen“, erinnert sich Charia. Deshalb gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann das Zentrum „Joy of Cambodia“ („Freude von Kambodscha“). Heute erhalten dort 70 Slumkinder regelmässig warme Mahlzeiten, medizinische Versorgung und Bildung.

 

hmk. Eigentlich verbringen wir ja nur zwei Tage und drei Nächte in Phnom Penh. Was wir hier jedoch alles sehen und erleben ist happig und wird uns wohl noch einige Tage beschäftigen – aber der Reihe nach. Ein guter Freund von uns arbeitet in der Schweiz für ein Hilfswerk (HMK), das in unterschiedlichen Regionen der Welt verschiedene christlich humanitäre Projekte unterstützt. Eines davon auch in Phnom Penh. Es handelt sich um ein Projekt, das Slumkindern halbtags Vorschul- und Nachhilfeunterricht sowie warme Mahlzeiten bietet. Zurück geht das Projekt auf eine Initiative eines engagierten kambodschanischen Ehepaars. Charia und ihr Mann Thearith wollten Kindern von Familien, die auf und an der Mülldeponie Stung Mean Chey leben, Ausbildung ermöglichen, da sie dies als Schlüssel zum möglichen sozialen Aufstieg sehen.


Eltern erkennen den Sinn der Schule

Anfangs gingen Charia und Thearith jeden Tag auf die Mülldeponie und holten die Kinder für die Schule ab. Die Eltern sahen keinen Sinn darin, dass die Kinder zur Schule gehen und oftmals mussten diese auf dem Müllberg nach Sachen suchen, die man allenfalls noch verwerten, essen oder gar zu Geld machen konnte. Erst als die Eltern nach längerer Zeit bemerkten, wie sich die Kinder verändern und Wissen nützlich ist, hat sich das geändert. Heute besuchen täglich um die 70 Kinder das Zentrum Joy of Cambodia (Freude von Kambodscha). Alle von ihnen besuchen die öffentliche Schule. Dort können sich jedoch viele Familien das Schulmaterial wie Bücher, Schreiber und Papier nicht leisten, welches selber bezahlt werden muss. Diese Kosten sowie den notwendigen Vorschul- und gezielten Nachhilfeunterricht übernimmt das Zentrum. Ausserdem erhält jedes Kind täglich eine gesunde Mahlzeit und medizinische Betreuung.  Diese Art der Unterstützung führt dazu, dass sich die Kinder des Zentrums im schulischen Wettbewerb gut behaupten können und somit eine massiv bessere Zukunftsperspektive haben.

Charia, die Gründern des Zentrums Joy of Cambodia singt mit den Slumkindern. Foto: © HMK

 

Sie kletterten an uns rum und spielten mit unseren Haaren
Unsere Kontaktperson organisiert uns einen Tuktuk-Fahrer, der uns beim Gästehaus abholt und zur Schule fährt, da sie davon ausgeht, dass die meisten Dreirad-Taxifahrer die Adresse nicht kennen oder nicht dorthin fahren möchten. So fahren wir also durch ziemlich heruntergekommene Quartiere und sind sogleich nach der Ankunft bei der Schule die Attraktion für die Kinder. Die Schule besteht aus etwa vier bis fünf Klassenzimmern sowie einem Essraum und einigen weiteren Zimmern, wo andere Projekte des Zentrums beherbergt sind.Nach einem kleinen Rundgang durch das Gebäude haben wir noch ein wenig Zeit, mit den Kindern zu spielen. Also eigentlich spielen sie mit uns, klettern an uns herum, spielen mit unseren Haaren (die sind ja nicht schwarz?!) reden auf uns ein, schauen uns mit grossen Augen an oder umarmen uns einfach und wollen nicht mehr los lassen. Wir müssen zeichnen, das ABC aufsagen, bis 20 zählen und so weiter. Die Kinder haben einen riesigen Spass und wir auch. Teilweise sehen die Kinder ziemlich vernachlässigt aus. Es gibt sogar Kinder, die eigentlich noch viel zu jung für die Schule respektive den Kindergarten sind. Da sie sonst aber alleine zu Hause wären, dürfen sie auch herkommen.


Gedanken, die der Besuch bei uns auslöste

Es ist fast ein wenig herzzerreissend, als wir gehen wollen und uns die Kinder partout nicht gehen lassen wollen. Erst als die Lehrerin dann zum Mittagessen ruft, lässt man uns allmählich los. Es sind unterschiedliche Gefühle, die uns danach bewegen. Es war schön zu sehen, wie die Kinder Freude haben zur Schule zu gehen, zu lernen und einen Ort zu haben, an dem sie willkommen sind und an welchem ihnen eine Chance im Leben gegeben wird. Andererseits war es auch ein wenig bedrückend und stimmt uns nachdenklich. Es ist anders, wenn man von krasser Armut immer nur hört und liest, aber wenn diese Armut, die am Rande der Mülldeponie wohnt, plötzlich in Form eines Kindes vor dir steht und dich mit grossen dunklen Augen ansieht, dann schämst du dich, weil selbst dein iPhone im Hosensack mehr gekostet hat, als ein ganzes Schuljahr für ein einzelnes Kind hier. Abends diskutieren wir lange und ausgiebig über das Erlebte; welche Verantwortung wir durch unsere Privilegien tragen, wo sie anfängt und wo sie aufhört – abschliessende Antworten finden wir nicht.

Seit 10 Jahren: Hoffnung für die Slumkinder von Phnom Penh

Im April 2008 fingen Charia und ihr Ehemann Thearith an, sich um die Slumkinder von Phnom Penh zu kümmern. Zurzeit sind es 70 Kinder aus den Elendsvierteln, die täglich im Zentrum Joy of Cambodia (Freude von Kambodscha) warme Mahlzeiten und Unterstützung für den Schulunterricht erhalten sowie medizinisch versorgt werden und von Jesus Christus erfahren. Sie erleben im Zentrum unbeschwerte Momente und merken, was es bedeutet, geliebt zu werden.  Die monatlichen Kosten pro Kind betragen 50 Franken (42 Euro). Danke, wenn Sie diese Arbeit unterstützen.