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Irak: Hilfe für Ninive

April 2017 - Viele Dörfer in der Ninive-Ebene im Nordirak sind vom IS befreit. Kehren die Bewohner in ihre zerstörten Häuser zurück? Unterstützt von der HMK verteilt ein Netzwerk irakischer Christen Lebensmittel und leistet Aufbauhilfe.

idea./April 2017 - Im Jahr 2014 startete die HMK humanitäre Hilfseinsätze im Nordirak, in Syrien bereits 2012. In enger Zusammenarbeit mit einem Netzwerk von Christen vor Ort gelangt die Hilfe dorthin, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Die Wege sind kurz, die Verteilaktionen effizient. Als HMK-Projektleiter Schmid das Gebiet im Oktober 2016 bereiste, fuhr die Allianz der irakischen Streitkräfte gerade ihre Truppen gegen die IS-Kämpfer auf und startete zum Angriff. Ende Januar 2017 war Schmid wieder im Nordirak. Als er vor den Trümmern einer grossen Kirche in Baghdeda (auch: Karakosch/Qaragosh) stand und über die Ninive-Ebene blickte, stieg Rauch auf über der umkämpften Stadt Mossul. Etliche Gebiete in der Umgebung sind inzwischen befreit worden.


Gehen oder bleiben?
Damit die Menschen im Irak bleiben und in ihre Heimatdörfer zurückkehren können, muss sowohl die Sicherheit gewährleistet als auch die Infrastruktur wieder aufgebaut werden. Eine Strategie der HMK-Hilfe ist es, dafür zu sorgen, dass es wieder Strom und Wasser gibt, und dass Häuser, Schulen und Strassen repariert werden. Gerade in Orten wie dem christlichen Baghdeda sollen bald wieder Menschen wohnen können. „Die Menschen stehen vor der Entscheidung, ob sie das Land ganz verlassen und Richtung Europa ziehen oder ob sie nach Hause zurückkehren sollen“, sagt HMK-Projektleiter Schmid. Diejenigen, die das Land verlassen, sagen, dass sie ihre Kinder nicht weiter den ständigen Gefahren hier aussetzen wollen.
Man wisse nie, wo einige IS-Anhänger unerkannt blieben und sich versteckt hielten. Und irgendwann verstehe man auch, warum der Fahrer eine Pistole in Griffweite liegen habe. Es gibt vom IS vergrabene Landminen und selbstgebastelte Sprengsätze. Jetzt, wo die ersten Familien zurückkehren, spielen dort Kinder und Autos fahren durch verminte Gebiete. Nur langsam kommen die ersten Minensuchdienste vorwärts und setzen warnende Markierungen.
Das Land braucht Menschen, die bleiben. Und es braucht Christen, die bleiben. Schmid erzählt von religiösen Minderheiten, die von allen im Stich gelassen wurden, weil sie keine Lobby haben und für Hilfswerke zu abgelegen leben. So habe ihm der Bürgermeister eines 200-Seelen-Dorfes geklagt, es sei schlicht niemand da, der ihnen helfe – mit Ausnahme der Christen. Er wisse gar nicht, wie er ihnen danken solle. Die Hilfe hat Zeugnischarakter. Dabei sind die Christen selbst Opfer der Verfolgung. Ihre Lage war schon vor dem Sturmlauf des IS prekär. Jetzt ist sie dramatisch.

 

Ermutigendes aus dem Tal der Tränen
Trotz allem ist die lokale Kirche aktiv und hilft. Es gibt Christen, die immer noch die Kraft haben, sich für andere einzusetzen. Sie werden befähigt, begleitet und ausgerüstet, humanitäre Aktionen durchzuführen. Sie gehen dorthin, wo grosse Institutionen nicht sind. Sie wirken als Licht in der Finsternis in kleinen Orten, verströmen dort Hoffnung, wo man sich vergessen wähnt. Die verteilten Hilfsgüter sind für die Empfänger ein Zeichen, dass man sie nicht vergessen hat. Man wolle die irakische Kirche stärken, sagt Schmid. Sie könne einen wichtigen Beitrag in der Gesellschaft leisten. Der Pastor einer Gemeinde in der Kurdenmetropole Erbil meinte, dass zwar ein schmerzhafter Exodus der traditionellen Christen im Gange sei und die Kirche sich stark verändern werde. Aber es werde Neues entstehen, ja, es habe schon begonnen. Eine Kirche, welche die Grenzen der Stämme, Nationen und Kulturen sprenge und eine zuvor nicht gekannte Einheit leben werde.
Ein lokaler Projektmitarbeiter kam an eine IS-Strassensperre und musste mitansehen, wie die Fahrer der Autos vor ihm erschossen wurden, weil sie zur „falschen“ islamischen Konfession gehörten. In dem Moment, als die Schlächter seine ID sehen wollten, erreichte sie ein Funkspruch, dass irakisches Militär auf dem Weg sei. Der Projektmitarbeiter überlebte. Geschockt wollte er nur noch eines – weg. Die Wende im Herzen des Mannes kam durch das heilende Reden Gottes. Um die Gnade Gottes zu wissen, bedeutet, neue Hoffnung und Kraft zu finden. Heute ist er verantwortlich für einen grossen Teil der Nahrungsmittel-Direkthilfe der HMK. Darin sieht er seine Berufung, seinen Lebenssinn, seinen Gottesdienst. Solange es Menschen wie ihn im Land gibt, gibt es Hoffnung im Irak.
Autor: Rolf Höneisen, ideaSpektrum
Nr. 7/2017 (gekürzte Fassung)

Enge Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort

Die Nothilfe-Teams versorgen im Irak und in Syrien regelmässig über 43‘000 Inlandflüchtlinge mit dringend benötigten Hilfsgütern. Auch medizinische Behandlung gehört dazu und in den kalten Wintermonaten warme Kleidung und Heizmaterial. Die HMK setzt Nothilfe- und Wiederaufbauprojekte gemeinsam mit langjährigen einheimischen Projektpartnern um. Diese verfügen über genaue geografische Kenntnisse und haben sowohl sprachlich als auch kulturell direkte Zugänge zu den verschiedenen Volksgruppen. Dadurch ist eine wirkungsvolle und effiziente Hilfe vor Ort möglich. Die Hilfe erreicht Notleidende unabhängig ihrer religiösen oder ethnischen Herkunft. Die Projektausführung erfolgt im Auftrag der Stiftung Hoffnungsnetz – einer Kooperation christlicher Hilfswerke.

Mit CHF 90 (€ 82.-)
unterstützen Sie eine Familie einen Monat lang mit Nahrungsmitteln.

Mit CHF 150 (€ 136.-)
schenken Sie einer Flüchtlingsfamilie ein Hilfspaket (warme Kleidung, Decken, Heizmaterial).

Grusswort aus dem Nordirak

Hallo! Liebe Grüsse aus Erbil, Nordirak

Wir danken für alle Hilfe und Unterstützung von den Kirchen weltweit und in Europa. Wir danken Ihnen für alle Gebete für unser Land. Die Situation ist nicht gut für die Christen. Wenn Sie helfen wollen: Die Familien überlegen sich, das Land zu verlassen. Das kann verhindert werden...