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Indonesien: Unterwegs zwischen zwei Welten

Der Südostasien-Projektleiter der HMK kam kürzlich aus Indonesien zurück. Was hat er erlebt?

hmk./ November 2018 – George, welche unserer Projekte hast du in Indonesien besucht?
Ich habe drei Bibelschulen in drei Landesteilen besucht, traf mich mit der Schulleitung und den Studierenden. Wir haben Herausforderungen und Bedürfnisse besprochen sowie Finanzkontrollen durchgeführt.

Sind Bibelschulen im bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt sinnvoll?

In Indonesien leben auch 26 Millionen Christen. Bisher konnten an unseren sechs Bibelschulen 1‘121 Personen ihre Ausbildung abschliessen. 93 Prozent wirken als Pastoren, Gemeindegründer, Lehrkräfte und Sozialarbeiter. Sie leisten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag. Zur praxisorientierten Ausbildung gehört auch die Durchführung der insgesamt 220 Good News Clubs (Kindertreffs) mit wöchentlich 4‘500 Kindern.

Was hat dich bei dieser Reise besonders bewegt?
Ein Treffen mit einem älteren Ehepaar in der Gegend von Ambon. Die beiden hatten bei den Unruhen zwischen Muslimen und Christen vor 15 Jahren ihr Hab und Gut verloren. Sie zeigten mir die abgebrannte Ruine ihrer vormaligen kleinen Kirche. Heute herrscht dort Frieden; dies auch deshalb, weil die Bevölkerung strikt nach Religion getrennt wohnt.

Insgesamt rund 300 Jugendliche machen derzeit ihre dreijährige Ausbildung an einer Bibelschule der indonesischen HMK-Projektpartner. Foto: © HMK


Indonesien sieht sich als demokratisches Vorzeigemodell für die islamische Welt. Zu Recht?
Je länger je weniger. Der Einfluss islamistischer Organisationen nimmt zu. Im Frühling 2017 wurde der Gouverneur von Jakarta, ein chinesisch stämmiger Christ, wegen angeblicher Blasphemie (Gotteslästerung) zu zwei Jahren Haft verurteilt und des Amtes enthoben, weil er einen Vers aus dem Koran zitiert hatte, welcher es Muslimen untersagt, sich von „Ungläubigen“ regieren zu lassen. Dabei hatte er lediglich dazu aufgefordert, diesen Vers nicht zu politischen Zwecken zu missbrauchen. Dies führte zu einem öffentlichen Aufschrei, welchem offensichtlich auch die Gerichte nicht widerstehen konnten.

Wie sieht die Situation der Christen aus?
Je nach Region und Situation ist das unterschiedlich. Sie haben nach wie vor viele Freiheiten, aber es gibt auch viele Einschränkungen. Ein aktuelles Beispiel: Christliche Schülerinnen einer Sekundarschule müssen die muslimische Kopfbedeckung tragen. Und es ist äusserst schwierig, Bewilligungen zum Bau von Kirchen zu erhalten.

Du bist oft in Südostasien unterwegs, lebst aber in der Schweiz. Wie gehst du damit um?
Ich versuche, möglichst die zwei Welten nicht zu vergleichen und mir trotzdem bewusst zu bleiben, wie privilegiert wir es bei uns haben. Ausserdem setzen wir uns dafür ein, dass wir mit den uns anvertrauten Mitteln das Optimum erreichen.

Tragen Sie unsere Arbeit in Indonesien mit? Mit 45 Franken (38 Euro) pro Monat können Sie die Kosten eines Bibelschülers (Studiengebühren, Unterkunft, Essen) finanzieren.