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Indonesien: Es steht nicht so gut um Indonesiens Christen

März 2017 - Indonesien ist das Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung der Welt und wird als eine der tolerantesten muslimisch geprägten Nationen betrachtet. Doch was die christliche Minderheit in dieser südostasiatischen Inselwelt erlebt, spricht eine andere Sprache.

Der Inselstaat ist aktuell Zeuge neuer religiöser Spannungen. Jakartas Gouverneur, Basuki Tjahaja Purnama, kurz „Ahok“ genannt - der einzige christliche Gouverneur im Lande – hat sich zur Wiederwahl gestellt. Zurzeit steht er wegen Blasphemie vor Gericht.

Anklage wegen Entheiligung des Korans
Der gegenwärtige Prozess, der am 13. Dezember 2016 begann, wurde durch eine Beschwerde muslimischer Gruppierungen ausgelöst. Anlass dafür war, dass der Gouverneur die „Interpretation“ eines Verses im Koran in Frage gestellt hatte, nach der Muslime nicht für einen nicht-muslimischen Kandidaten stimmen können. Muslimische Gruppierungen bestehen nun darauf, er habe den Koran herabgesetzt.
Bereits im Oktober 2016 war eine Massendemonstration von lokalen muslimischen Gruppierungen gegen Ahok veranstaltet worden, mit der Begründung, dass ein Christ nicht der Leiter einer Region mit einer muslimischen Mehrheit sein dürfe. Die grösste muslimische Organisation Indonesiens, die Muhammadiyah, die sonst eigentlich als tolerant bekannt ist, war die erste, die Gouverneur Ahok wegen religiöser Diffamierung anklagte.

Hunderte von Kirchen geschlossen
In der Provinz Aceh, einer halbautonomen Region im Nordwesten des Inselstaates, müssen die Christen unter ständiger Bedrohung wegen der dort herrschenden Schariagesetze leben. Die örtlichen Behörden rissen einige Kirchen ab und bei vielen anderen besteht die Gefahr, dass auch sie abgerissen werden, weil muslimische Gruppierungen ihren legalen Status anfechten. Mindestens 1’000 Kirchen in ganz Indonesien sind in den letzten zehn Jahren geschlossen worden, wie Human Rights Watch meldet. Es gibt vor allem drei Gründe, weswegen Indonesien für Christen und andere Minderheiten ein unsicheres Land bleibt, obgleich die meisten der Einwohner tolerant sind.

Der christliche Gouverneur der indonesischen Hauptstadt Jakarta muss sich wegen angeblicher Verunglimpfung des Korans vor Gericht verantworten. Quelle: wikipedia

 

Islamistische Extremistengruppen

Erster Grund: Es gibt viele Extremistengruppen, die in offener Opposition zur Pancasila stehen, zu den fünf Prinzipien, die in der Verfassung als die leitende Philosophie des Landes genannt werden. Es sind: 1. der Glaube der Nation an den einen und einzigen Gott, 2. eine gerechte und zivilisierte Humanität, 3. die Einheit Indonesiens, 4. die von innerer Weisheit in der Einstimmigkeit geleitete Demokratie, die aus Beratungen unter Repräsentanten erwächst, 5. die soziale Gerechtigkeit für alle. Auf ein Verbot der Extremistengruppen wird jedoch, vor dem Hintergrund, dass diese sonst zu Terror greifen könnten, verzichtet. Zudem suchen einige Parteien bei Wahlen die Unterstützung dieser Extremistengruppen. Sie haben Einfluss und wagen es, gegen geltendes Recht religiöse Minderheiten auf brutale Weise zu attackieren.

„Religiöse Harmonie“
Zweiter Grund: Ein Gesetz von 2006, das zynischerweise „religiöse Harmonie“ genannt wird, fordert, dass Nichtmuslime 60 Unterschriften von Anwohnern eines anderen Glaubens zusammenhaben müssen sowie die Genehmigung der lokalen Behörde, bevor sie ein Gottesdienstgebäude bauen können. Selbst wenn eine christliche Denomination es geschafft hat, diese Forderungen zu erfüllen, behaupten extremistische Gruppen oft, die von den Kirchen vorgelegten Unterschriften seien nicht echt, und erheben bei den lokalen Behörden Einspruch mit dem Ziel, die Kirchen zu schliessen.

Die Provinzregierungen
Dritter Grund: Die Bundesregierungsstellen wollen oft nicht einschreiten mit der Begründung, dass das Problem „lokaler Natur” sei und sie daher nicht zuständig seien. Obgleich Gesetz und Ordnung in der Tat in den Händen der Provinzregierungen liegen, hat der Präsident doch die Macht, nationale Politik durchzusetzen. Aber diese Macht wird aus politischen Gründen selten genutzt. In dem präsidentiellen Regierungssystem Indonesiens braucht der Präsident nämlich die Unterstützung des Parlaments und viele Parlamentarier unterstützen extremistische Gruppen.•

Engagement der HMK in Indonesien

Schulhäuser für Vertriebene
Tausende von Menschen wurden aufgrund von religiös motivierten Unruhen vertrieben; viele von ihnen sind Christen. Sie wurden von den Behörden zwangsumgesiedelt und müssen sich nun in bisher unbewohnten Gebieten eine neue Existenz aufbauen. Als HMK helfen wir beim Bau von Schulhäusern, damit die Kinder Zugang zu Bildung erhalten.

Bibelschulen
Die christlichen Leiter in Indonesien sind auf Nachwuchs angewiesen. Deshalb unterstützen wir als HMK in verschiedenen Regionen Indonesiens den laufenden Betrieb von sechs Bibelschulen. Dort werden zurzeit rund 300 zukünftige Pastoren, Gemeindeverantwortliche, Sozialarbeiter und Lehrpersonen ausgebildet. Mit 55 Franken (50 Euro) pro Monat decken Sie einen wesentlichen Bestandteil der anfallenden Ausbildungskosten für eine Person.

Good News Clubs (Kindertreffs)
Nebst Bibelwissen kommen die Studierenden auch ganz praktisch zum Einsatz. Sie organisieren die Good News Clubs (Kindertreffs), die wöchentlich von rund 7’000 Kindern besucht werden. Die Kinder singen, spielen und hören von Jesus Christus. Die Liebe, die sie erfahren, hat Ausstrahlungskraft in ihre Familien und in die ganze Nachbarschaft. Damit 20 Kinder ein Jahr lang einen Kindertreff besuchen können, werden 60 Franken (55 Euro) benötigt.

Einige junge indonesische Christen, die an einer Bibelschule der lokalen HMK-Projektpartner für ihren Dienst ausgebildet werden.

Hilfe für Vertriebene

Indonesien - fehlende Schulen nach Verfolgung