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Indien: Rechtshilfe den Verfolgten

Oktober 2018 - Die Zahl der Christen in Indien wächst, gleichzeitig nimmt auch ihre Verfolgung zu. Es gibt falsche Anschuldigungen und brutale Übergriffe auf Pastoren und Gemeindemitglieder. Die indische Rechtsanwältin Chhaya* ist Projektpartnerin der HMK und unterstützt Opfer, welche wegen ihres christlichen Glaubens Unrecht erleiden.

Indien – Anwältin für verfolgte Christen

Ich arbeite als Anwältin in Indien. Ich setze mich für religiöse Minderheiten ein, die wegen ihres Glaubens angegriffen werden. Unsere Kunden sind Pastoren, Evangelisten und Missionare, die schreckliche Gewalt erlebt haben. Sie werden in ihren Häusern angegriffen. Wir bieten ihnen rechtliche Unterstützung. Durch verschiedene Kontakte hören wir von diesen Fällen. Oft helfen wir auch mit Kautionen.

Chhaya vom 4. bis 11. November 2018 in der Schweiz

ethos. Chhaya, können Sie kurz etwas zu Ihrer Person sagen?
Ich bin 39 Jahre alt, verheiratet und habe eine Tochter. Meine Eltern sind gläubige Christen. Als ich im College war, entschied ich mich, Jesus nachzufolgen. Ich war tief davon überzeugt, dass ich nur dank Jesu Opfer und unter Seiner Führung ein rechtschaffenes Leben führen kann.

In Indien als Frau Recht zu studieren, stelle ich mir nicht ganz einfach vor. Wie war das bei Ihnen?

In einer Grossstadt wie Delhi ist es nicht ungewöhnlich, als Frau Jura zu studieren. Es gibt viele herausragende und mutige Anwältinnen in Indien. In kleineren Städten und Dörfern hingegen ist dies schwieriger. Ich denke, Gott hat mir geholfen, meine Anwaltsprüfungen zu bestehen, weil Er wollte, dass ich Recht studiere, da Gerechtigkeit und Gnade in Gottes Reich Hand in Hand gehen.


Wie kommt es, dass Sie sich für verfolgte Christen einsetzen?
Als junge Anwältin begegnete ich vielen Christen, die wegen ihres Glaubens angegriffen wurden. Ich traf mutige Männer und Frauen, die es in Kauf nahmen, für ihre Überzeugung zu leiden. Diese meist einfachen Leute, die enorme Bedrängnis erfahren, inspirierten mich. So begann ich mich, vor allem im gesetzlich-rechtlichen Kontext, zu fragen, was ich für meine Glaubensgeschwister, die Feindseligkeit und Gewalt erleben, tun kann.

Gefährden Sie sich damit?

Bis jetzt nicht. Aber ich weiss von anderen Anwälten in abgelegenen Gebieten des Landes, die mit Verfolgung verschiedenster Art konfrontiert sind.

Wie ist die Situation der Christen in Indien?

Sie variiert stark. An vielen Orten ist es – was die Christenverfolgung angeht – friedlich und nur schwer vorstellbar, dass Christen anderswo in Indien verleumdet, bedroht oder gar umgebracht werden. Aber es gibt Gebiete, wo ganze Menschenmassen Kirchen und Gläubige attackieren.

Chhaya trifft sich mit Betroffenen, um sich persönlich mit ihnen auszutauschen.
Foto: © HMK

Wie sieht Ihre Arbeit für diese Opfer aus?
Als Anwältin helfe ich den Opfern, ihre Beschwerde aktenkundig zu machen und den rechtlichen Prozess „einzufädeln“. Das hilft, den Schutz für Christen und die Rechtshoheit in Indien zu gewährleisten. Kürzlich wurden Christen verhaftet, weil sie für eine in Not geratene Familie beteten. Der Mob verprügelte die Gläubigen und drohte ihnen, sie dürften keine Gebetstreffen mehr durchführen. Die Polizei verhaftete die Christen wegen diesen vorgebrachten Anschuldigungen. Unser Team half nun den Angeklagten, ihre Beschwerde gegen den Mob aktenkundig zu machen und sie gegen eine Kaution freizubekommen.

Sie geben auch Kurse, wie Betroffene reagieren können. Was sind „angemessene Antworten auf Verfolgung“? Was ist Ihre Strategie?
Die indische Rechtsstruktur schützt eigentlich die Gedankenfreiheit und das Recht, seinen Glauben zu praktizieren, zu bekennen und auszubreiten. Durch unsere Schulungen erweitern wir die Kompetenz der Leute, rechtliche Prozesse zu verstehen. Das gibt ihnen Handhabe, bei einer ungerechtfertigten Anklage ihre fundamentalen Rechte geltend zu machen. Sie klären die Christen über diese Rechte auf und tragen dazu bei, dass sich Christen inmitten aller Herausforderungen weise verhalten und Fehler verhindert werden können. Diese Rechts-Kurse zeigen den Christen auf, was für Möglichkeiten sie innerhalb des gesetzlichen Rahmens haben. Das ermutigt sie.

Was sind Ihre Hoffnungen in Bezug auf Ihre PR-Arbeit, die Sie in Europa machen?

Ich möchte das Bewusstsein für die Situation religiöser Minderheiten in Indien wecken. Indien hat eine reiche Tradition diverser Kulturen, Sprachen und Religionen. Die Attacken auf religiöse Minderheiten gehen gegen das Nationalethos. Unsere Hoffnung ist es, dass Europa Indien an die eigenen Kämpfe mit religiösem Nationalismus und Fundamentalismus erinnert.
Rund um den Globus werden Christen, aber auch andere Minderheiten angegriffen und verfolgt. Es sollte Gläubigen ein Anliegen sein, sich für alle einzusetzen, die Unrecht erleiden. Gegenseitiger Respekt für den jeweiligen Glauben der anderen ist ein fundamentaler Aspekt.
So können wir ihnen die Liebe Jesu vorleben und denen, die Jesus, den Weg zu Gott, nicht kennen, die Frohe Botschaft weitersagen. Beten Sie für die verfolgten Christen! Vielleicht nimmt die Welt die Übergriffe auf indische Christen nicht zur Kenntnis. Doch Gott weiss davon und heilt ihre aufgeschreckten Seelen.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Interview: Daniela Wagner-Schwengeler
Quelle: ethos 3/2018

Juristischen Beistand und Schulungen

Ermöglichen Sie die Arbeit von Anwälten, damit betroffene Christen juristische Hilfe erhalten.

Unterstützen Sie Schulungen in Rechtsfragen, damit indische Christen ihre Rechte kennen und auf Gewalt und Feindseligkeiten reagieren können.

Mit 400 Franken (330 Euro) können Sie die durchschnittlichen Anwaltskosten pro Fall decken oder eine juristische Schulung für rund 30 Pastoren finanzieren.