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Jemen: Wettlauf gegen den Hunger

Mai 2017 - Die humanitäre Lage im Jemen ist laut UN-Experten viel schlimmer als in Syrien. Die einheimischen Untergrundgemeinden helfen ihren notleidenden Mitmenschen im Wettlauf gegen den Hunger.

hmk./ Mai 2017 -Seit März 2015 wird der Jemen von Saudi-Arabien erbarmungslos bombardiert. Zivile Wohngebiete, Schulen und Krankenhäuser werden brutal zerstört. Bombardements auf Häfen und Blockadepolitik erschweren notwendige humanitäre Hilfelieferungen.

Nahrungsmittel & Trinkwasser

Die internationale Hilfe reichte bisher nur für drei Millionen Menschen und so wurde alle Nahrungsmittelhilfe der Welthungerhilfe (WFP) auf die Hälfte reduziert, um wenigstens sechs Millionen etwas Nahrung anzubieten. Doch damit gehen immer noch 40 Prozent der dringendsten Fälle leer aus. Als HMK helfen wir durch unser landesweit aktives Netzwerk rund 15‘000 Notleidenden und Vertriebenen durch Nahrungsmittel- und Trinkwasserlieferungen. Wir versorgen Haushalte mit Wasser, in-stallieren Regenwasser-Container und Trinkwasser-Filteranlagen. Zudem verteilen wir Hygiene-Kits (Wasserfilter, Seife und Waschutensilien, Moskitonetze) für bedürftige Flüchtlings-Mütter und Babys an 350 Familienhaushalte in besonders prekären Verhältnissen.
Mehr als drei Millionen Inlandflüchtlinge haben alles verloren. Essen können sich viele nicht mehr leisten. Oftmals haben es einheimische Christen zusätzlich schwer, weil sie aufgrund ihres Glaubens ausgegrenzt werden und bei offiziellen Hilfeleistungen übergangen werden. So stellen wir zurzeit 280 der ärmsten christlichen Flüchtlinge ein Obdach zur Verfügung und mehr als 2'000 rüsten wir aus mit einer mobilen Küchenausrüstung inkl. Grundnahrungsmitteln.

Arbeitsbeschaffung & Bildung

Die Wirtschaft liegt am Boden und es gibt kaum noch funktionierendes Gewerbe, selbst die Landwirtschaft ist sehr eingeschränkt. Gemäss dem Ministerium für Wirtschaft und Entwicklung sind 90 Prozent der Bevölkerung ohne Elektrizität und der Arbeitsmarkt ist völlig zum Erliegen gekommen. Nach offiziellen Angaben gibt es im Land nur noch vier funktionierende Arbeits- und Einkommensbereiche: sich einer Kriegspartei anschliessen, Geldwechsler, Kau-Droge Kat-Verkäufer oder Mitarbeit bei einer Hilfsorganisation. Zusammen mit unseren Projektpartnern schaffen wir Einkommen generierende Projekte und versuchen, die lokale Wirtschaft anzukurbeln (zum Beispiel durch Solar-Batterieauflade-Stationen für Mobil-
telefone und Laptops, Trinkwasserfilteranlagen-Installationen, Taxi-, Töff- und Transportdienste, Solarkocher-Bau).
Das jemenitische Entwicklungsministerium beklagt, dass gegenwärtig über 1'600 Schulen zerstört sind und mindestens zwei Millionen (27 Prozent) schulpflichtige Kinder keinen Schulunterricht haben. Nebst der humanitären Überlebenshilfe führen wir verschiedene Ausbildungskurse (für Jugendliche, Frauen und Analphabeten) durch, die Menschen versöhnend zusammenbringen. Mehrere Einheimische sagen: „Bitte macht mit euren guten Ausbildungsprogrammen weiter. Sie bringen Hoffnung und halten die Jugendlichen davon ab, ins Kriegsgeschäft einzusteigen, weil sie dadurch eine neue und bessere Lebensperspektive erhalten.“
So konnten wir in den letzten Monaten dieses Schuljahres mehrere teilweise zerstörte und geschlossene Schulen wieder herstellen, 73 Lehrpersonen einstellen, weiterbilden und mehr als 3‘500 Kindern wieder in den Schulunterricht bringen. Ausserdem konnten wir auf Bitte des Bildungsministeriums durch unsere einheimischen Partner in fünf Provinzen viele Schulen und insgesamt 185'000 Schulkinder mit Schulbüchern ausstatten, ansonsten hätte der Schulbetrieb nicht aufgenommen werden können. Die einheimischen Christen, die normalerweise als nichtmuslimische Minderheit schwer diskriminiert werden, ernten dafür grosses Lob, weil sie sich vor allem um die Ärmsten kümmern (über 50 Prozent dieser Schulkinder sind Flüchtlinge).

 

Schulunterricht auch während Kriegszeiten, damit der jungen Generation im Jemen die Hoffnung auf eine Zukunft erhalten bleibt.

 

Medizinische Nothilfe
Das Land hat wegen des Krieges nicht nur Hunderttausende Verletzte, sondern es hat inzwischen auch 55 Prozent aller Kliniken und Arztpraxen verloren. Nach offiziellen Angaben sind im vergangenen Jahr mindestens 11‘000 Verletzte und Kranke an leicht zu behandelnden Infekten gestorben, weil selbst die einfachste medizinische Behandlung nicht vorhanden oder erschwinglich war. So lassen wir zweihundert besonders bedürftigen Untergrundchristen ärztliche Hilfe zukommen und führen in verschiedenen Distrikten Erste-Hilfe-Kurse durch, die mehrere Hundert kommunale Hilfspflegende ausbilden und mit Notfallmedizin ausrüsten. Wegen der schlechten hygienischen Verhältnisse hat sich laut einheimischem Gesundheitsministerium auch die Cholera stark ausgebreitet und viele Menschen sind daran gestorben. In einem besonders betroffenen Distrikt haben wir zehn Teams zur Bekämpfung und Prävention von Cholera ausgebildet.

„Wir brauchen euch!“
Viele Menschen im Jemen erleben durch das Engagement der einheimischen Christen die Liebe Gottes und erhalten neue Hoffnung. Die Untergrundkirche erhält grossen Zulauf und vernetzt sich in der ganzen Region. Wir unterstützen sie bei ihrem beeindruckenden Engagement, das neues Leben und Licht in die Umnachtung ihres zerstörten Landes bringt. „Die Welt hat uns vergessen, aber ihr Christen nicht! Wir brauchen euch!“

Damit Menschen im Jemen überleben

Regelmässig versorgen wir als HMK rund 15‘000 Notleidende im Jemen. Helfen auch Sie?

Mit 60 Franken (55 Euro)
können Sie einer Familie eine Monatsration Essen zukommen lassen.

Mit 90 Franken (82 Euro)
ermöglichen Sie einen Monat lang die Versorgung einer Familie mit dem Lebensnotwendigsten.