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Jemen: Leuchtendes Zeugnis der jemenitischen Untergrundkirche

Die vier Kinder des christlichen Leiters Malik, die zusehen mussten, wie ihr Vater von Extremisten erschossen wurde.
Foto: © HMK

hmk./ März 2016 - Das Armenhaus der Arabischen Halbinsel ist gebeutelt von Krieg und Terror. Internationale Hilfs-organisationen haben kaum Zugang, obwohl über 80 Prozent der Bevölkerung dringend Hilfe brauchen. Die jemenitische Untergrundkirche versorgt regelmässig 8‘000 Notleidende – ein leuchtendes Zeugnis der Liebe Gottes.

 

Der Jemen (halb sunnitisch, halb schiitisch) wird seit Ende März 2015 durch das sunnitische Saudi-Arabien bombardiert und in einen Bürgerkrieg zwischen Sunniten und Schiiten hineingezogen. Schon vor dem Konflikt lebten rund 50 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze, doch seit Juli 2015 befindet sich nach Einschätzung der UNO das ganze Land in einer humanitären Katastrophe. Die höchstmögliche Notfallstufe (Level 3) wurde ausgerufen. Ende 2015 benötigten 82 Prozent der Bevölkerung dringend Hilfe von aussen – mehr als 21,2 Millionen.

 

Bereits im August 2015 bezeichnete der IKRK-Präsident Peter Maurer nach einem Jemen-Kurzbesuch die Lage wie folgt: „Im Jemen sieht es nach fünf Monaten Bürgerkrieg schlimmer aus als in Syrien nach fünf Jahren.“ Über 2,5 Millionen Jemeniten verloren alleine in den letzten Monaten ihr Zuhause. Die humanitäre Grundversorgung ist zusammengebrochen, internationale Hilfskräfte erhalten kaum Zugang, einzigartiges Geschichts- und Weltkulturerbe wird unwiederbringlich zerstört.

 

Jemenitische Untergrundkirche wächst

In den durch Saudi-Arabien „befreiten“ jemenitischen Gebieten wird alles zur Zielscheibe, was nicht streng islamisch-sunnitisch ist. In der Hafenstadt Aden werden Kirchen zerstört und verwüstet, einheimische Christen, andere nicht-sunnitische Glaubensgemeinschaften oder auch Nichtreligiöse werden gejagt und umgebracht. Obwohl Christen wegen ihres Glaubens getötet werden, wächst die grösste und bedeutendste arabische Untergrundkirche der Arabischen Halbinsel weiter an.

 

Eine Mutter von sechs Kindern verlor ihren Mann durch eine saudische Bombe und wird nun von den jemenitischen Projektpartnern der HMK mit Lebensmitteln versorgt. Sie sagt zu einem Einheimischen: „Ihr Christen helft uns, aber unsere arabisch-muslimischen Brüder töten uns – warum? Ich kann am Islam nichts Gutes mehr sehen. Nur durch euch können ich und meine Kinder noch überleben.“

Der 16-jährige Rocky wurde Opfer eines
Bombenangriffs. Foto: © HMK

Ehemann und Familienvater vor der Haustür erschossen

Kürzlich wurde der 32-jährige christliche Leiter Malik* vor den Augen seiner Frau und seiner vier kleinen Kinder von Extremisten erschossen. Die Witwe, nun selbst höchstgefährdet, wurde von den jemenitischen HMK-Partnern schnellstmöglich evakuiert und finanziell versorgt. Die Familie erhält weder Hilfe vom Staat, noch kann sie wie sonst üblich auf Hilfe der muslimischen Verwandtschaft hoffen, weil sie Christen sind.

 

Granatsplitter im Kopf

Der 16-jährige Rocky* spielte mit anderen Kindern auf der Strasse, als sie Opfer eines Bombenangriffs wurden. Einige waren sofort tot, Rocky war schwerverletzt. Sein Vater, ein christlicher Gemeindeleiter und Stammes-Scheich, fand ihn mit einem Granatsplitter im Kopf. Der Vater sah sich gezwungen, seinen Sohn, der im Koma lag, bis in die Hauptstadt zu transportieren – vorbei an Frontlinien und Militärabsperrungen, über unbefestigte Schleichwege und hohe Berge. Doch auch in der Hauptstadt konnte ihm niemand helfen. So beschloss der Vater, seinen Sohn ins Ausland zu bringen. Der Rest der Familie floh vor den Islamisten in die Berge.

 

Im Ausland wurde Rocky endlich medizinisch versorgt. Er wachte auf, und starb kurz darauf. Für die fünfköpfige Familie ist es ein schwerer Schlag. Obwohl sie sich weiterhin vor den Extremisten in Acht nehmen müssen, kümmern sie sich nach wie vor fürsorglich um die Gemeinde in Not. Für die Einheimischen sind sie eine Ermutigung: „Wir schauen auf zu unseren Leitern, die trotz viel eigenem Leid gerade jetzt ein grosses Vorbild sind und an Jesus festhalten.“

 

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Überlebenshilfe

Mitsamt ihren Familien verstecken sich die jemenitischen Christen und vor allem Gemeindeleiter, und bleiben dennoch aktiv. Sie sehen sich als die Hoffnungsträger für ihr Land, um Licht und Versöhnung in eine dunkle Welt zu bringen. Wir von der HMK helfen ihnen dabei. Regelmässig versorgen wir über sie 8‘000 Notleidende mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln, medizinischer Behandlung und geben ihnen Obdach.

 

Mit CHF 90.–/€ 82.‒ kann eine Familie einen Monat lang mit dem Lebensnotwendigsten versorgt werden. Tragen Sie diese Hilfe mit?

 

 

Stellvertreterkrieg Saudi-Arabien – Iran

Die jemenitische Zivilbevölkerung leidet unter dem Durchsetzungswillen der Grossmacht Saudi-Arabien, die den neuen, im Jemen kaum akzeptierten sunnitischen Präsidenten Hadi als Marionette für die eigenen Machtziele benutzt. Es geht zwar auch um versteckt schlummernde Bodenschätze und reiche Öl- und Gasvorkommen, aber vor allem um einen immer brutaleren und völlig irrational geführten Religions- und Stellvertreterkrieg zwischen Sunniten (Saudi-Arabien mit der Südjemen-Regierung) und Schiiten (Nordjemen, verbunden mit dem Iran).

 

Das ganze jemenitische Volk leidet. Tausende von Toten sind zu beklagen. Täglich kommen neue zivile Opfer hinzu. In den letzten Monaten wurden mit modernsten, im Westen gekauften Präzisionsbomben, mehrfach Schulen, Spitäler, eindeutige Wohnviertel und wertvollste Weltkulturdenkmäler bombardiert. Am 8. Januar 2016 äusserte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon offiziell grosse Sorge, dass „der massive Einsatz von verbotenen Splitterbomben Kriegsverbrechen darstellt.“ Doch bis die jemenitischen Kriegsflüchtlinge in grosser Zahl vor den Toren Europas stehen, scheint dieser Konflikt für Europa noch zu weit entfernt zu sein.