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Jemen: Ein Scheich denkt um

November 2017 - Er hatte gepackt und wollte das Land aus Sicherheitsgründen verlassen. Beim Warten auf ein Schiff trifft der Scheich ganz unerwartet einen anderen jemenitischen Christen, der Hilfsgüter ins Land bringt. Sie kommen ins Gespräch und der Scheich ändert seine Pläne.

idea. Durch den seit März 2015 andauernden Bombenkrieg Saudi-Arabiens im Jemen ist die Lage im Land, das einst als „die Schweiz Arabiens“ gepriesen wurde, prekär. „Ein Scheich aus einer eher wilderen Gegend wollte deswegen auswandern“, erinnert sich Matthias Schwab, Nahost-Projektleiter der HMK. Dieser Scheich war Christ und hatte gemeint, er sei der einzige im ganzen Land. So geht es vielen Menschen, die zum Beispiel durch ein christliches Fernsehprogramm irgendwo im Nahen Osten zum Glauben an Jesus Christus finden. Also machte sich der Scheich mit seiner Familie auf, um den Jemen in Richtung Westen zu verlassen. Pässe hatten sie sich ausstellen lassen können.

Die unverhoffte Rückkehr

Im Hafen kam der Scheich ins Gespräch mit einem Jemeniten, der mit dem Umschlag von Hilfsgütern beschäftigt war. „Im arabischen Raum entwickeln sich so höchst interessante Gespräche“, weiss Schwab, der selbst fliessend Arabisch spricht und schreibt, und lange im Nahen Osten gelebt und gearbeitet hat. Er erklärt: „In kriegerischen Gebieten unter Stammesfürsten kann die Begrüssung bis zu einer halben Stunde dauern. Oft beinhaltet jeder Satz eine religiöse Anspielung oder Floskel. Durch das, was man sagt oder weglässt, schimmert nach und nach die eigene Gesinnung durch. Es ist ein Abtasten, um gegenseitig festzustellen, wie man eingestellt ist.“ Im Laufe des Gesprächs entpuppten sich beide als Christen. Der Scheich war erstaunt, dass er nicht der einzige war. Der Mann, der mit Hilfsgütern beschäftigt war, bekräftigte dies. Und weiter hielt er fest, dass es jetzt jede Hilfe brauche und gerade die Christen ein Zeichen der Hoffnung setzen sollten. Schliesslich gab ihm der Scheich Recht. Er verzichtete nicht nur auf das Auswandern, sondern kehrte ein paar Tage später selbst mit Hilfsgütern in seine Heimat zurück.

„Unser Zuhause wurde ausgebombt. Nun hause ich mit meiner Frau und meinen beiden Kindern notdürftig in einer Slumhütte. Ohne eure Hilfe würden wir nicht überleben.“ – Moad, Flüchtling im Jemen. Foto: © HMK

 

Den Glauben verbergen
In diesem noch sehr ursprünglichen Stammesgebiet leben auch reiche Stämme, die durch Kaffee und Kat (Kau-Droge) vermögend wurden. Christ zu sein und dies zu bezeugen, ist lebensgefährlich. Eine junge Frau erzählte anderen interessierten Frauen von ihrem christlichen Glauben. Das störte den Bruder einer dieser Frauen – da sie bereits ganz begeistert von Jesus sprach – und so tötete er diese Frau und ihren kleinen Sohn. „Deshalb war der Scheich sehr vorsichtig. Er war als Stammesleiter gleichzeitig Bürgermeister und Kantonsregent, also die absolute Autorität“, erzählt Schwab. Stämme hätten in diesen Gegenden mehr zu sagen als die Regierung. Der Scheich habe eine hohe gesellschaftliche Position. Dennoch habe er seinen Glauben verbergen müssen. Nur seine Familie durfte davon erfahren.

Christen sind loyal gegenüber ihrem Land

Dieser Scheich zeigte die geistliche Reife der jemenitischen Christen, wie sie Schwab bei verschiedenen Besuchen im Land erlebt hatte. „Statt auf den sicheren Hafen im Ausland zu setzen, ist er loyal zu seinem Land. Viele Christen sagen, dass sie jetzt Licht und Salz sein wollen. Saudi-Arabien bombardiert im Namen des Islam. Jemens Christen sagen auch deshalb, dass ihre Landsleute sie gerade jetzt besonders brauchen.“ Die HMK steht der einheimischen Untergrundkirche bei, damit sie Nothilfe-Programme selbst durchführen kann. „Zu denen, die sich für ihr Land engagieren, gehören auch Scheichs und Stammesleiter, die Christen sind. Als Einheimische wirken sie über die Stammesgrenzen hinweg und haben Zugang, wo selbst die UNO keinen Zugang hat“, so HMK-Projektleiter Schwab. Ihre Loyalität in schwierigster Zeit wird ihnen von ihren Nachbarn hoch angerechnet, während sie von Extremisten angefeindet werden.

Autor: Daniel Gerber
Quelle: livenet und ideaSpektrum 27.2016

Jemen – „Euch schickt Gott“

Über unser breites und langjähriges Netzwerk vor Ort versorgen wir als HMK regelmässig 18‘000 Menschen mit dem Überlebensnotwendigsten. Es sind Hilfeleistungen für die Ärmsten der Armen, ausgeführt von einheimischen Christen. Der Fokus liegt auf Orten, wo sonst keine Hilfe hingelangt und die Not am grössten ist. Unsere Leute vor Ort hören immer wieder: „Euch schickt Gott!“

Medizinische Hilfe und Cholera-Prävention

Als wären Bürgerkrieg und Hungersnot nicht schon Leid genug, wütet nun auch eine Cholera-Epidemie in noch nie dagewesenem Ausmass. Ohne medizinische Behandlung kann sie innert weniger Tage tödlich enden. Wir helfen, wo wir können.

Die jemenitischen Partnernetzwerke der HMK engagieren sich in ihrer Heimat für ihre Mitmenschen und versorgen regelmässig 18‘000 Bedürftige. Foto: © HMK

 

Hilfsgüter und Zufluchtsorte
Die Bedürftigen erhalten Nahrungsmittelpakete, Trinkwasser und Filter und in der kalten Jahreszeit warme Kleidung sowie Obdach.

Schulbildung und Traumabewältigung

Zur Hoffnung im Krieg gehören auch Schulinitiativen. Mehr als 2‘000 Kinder und Jugendliche erhalten eine Schulbildung, anstatt als Kindersoldaten in den Krieg zu ziehen.

Mit CHF 60.– (€ 52.–)
können Sie einer Familie eine Monatsration Essen zukommen lassen.

Mit CHF 90.– (€ 78.–) ermöglichen Sie einen Monat lang die Versorgung einer Familie mit dem Lebensnotwendigsten.