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Algerien: Hunger nach dem Evangelium

April 2018 – In Algerien – dem flächenmässig grössten Land Afrikas – kommt es zu einem geistlichen Aufbruch. Wie sieht der aus und was hat das uns zu sagen?

Nordafrika – Bibeln für Polizisten

Ich heisse Mohammed und bin aus Nordafrika. Ich lebe in einer abgelegen Gegend. Um Bibeln zu bekommen, müssen wir 600 km reisen. So reisten wir 600 km und hatten auf der Heimreise ein Paket mit 150 Neuen Testamenten bei uns.
Bevor wir zurück in unsere Stadt kamen, war da eine Strassensperre der Polizei. Sie hat uns angehalten, unser Auto durchsucht und die Neuen Testamente gefunden.

 

idea/livenet. Würden sich die Christen in der Schweiz gleich stark auf das Wesentliche des christlichen Glaubens konzentrieren wie die Christen in Algerien, dann hätten wir bald die nächste Reformation, sagt der Nordafrika-Projektleiter der HMK und Kenner Algeriens. „Wir sind seit Jahren gemeinsam unterwegs mit unseren Glaubensgeschwistern in Algerien“, erklärt er. „Wenn wir uns von ihnen inspirieren lassen, können wir profitieren. Mit dem Islam in der Schweiz sind wir teilweise überfordert.“ Die einheimischen Christen in Nordafrika hätten einen Zugang zu ihren muslimischen Mitmenschen, von denen wir westlichen Christen lernen könnten. „Sie haben wenig, aber sie sind da für ihre Mitmenschen, verbringen Zeit mit ihnen und sind als Christen ein Zeugnis der Liebe Gottes.“

 

„Ich freute mich auf die 70 Jungfrauen“
Mohammed* ist langjähriger lokaler Projektpartner der HMK. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Sonntag der verfolgten Kirche war er in der Schweiz und gab einen Einblick in sein Wirken in Algerien. Mohammed blickt selbst auf eine fundamentalistische Vergangenheit zurück. „Ein Imam und damaliger Freund von mir wollte, dass ehemalige Muslime, die zum christlichen Glauben fanden, wieder zum Islam zurückkehren – daran sollte auch ich arbeiten. Das tat ich gerne, ich freute mich schon auf meinen Lohn im Himmel, darunter 70 Jungfrauen. Der Imam händigte mir dazu Bücher aus, die angebliche Widersprüche in der Bibel aufdeckten. Ich fragte, ob ich auch ein Neues Testament haben könne, damit ich es ebenfalls sehen und noch besser argumentieren könnte. Der Imam verwies mich an einen Christen. Dieser fragte, ob ich auf der Suche nach Gott sei. Ich antwortete umgehend: ‚Nein, ich kenne Gott!‘“
Doch Mohammed wurde fragend. „Ich erkannte keine Gegenwart Gottes in meinem Leben. Ich verglich den Islam mit dem Evangelium. Als ich im Neuen Testament las, dass Gott Mensch wurde, und zwar aus Liebe zu uns Menschen, da nahm ich plötzlich eine Stimme wahr: ‚Ich bin Christus, komme zu mir. Lehne mich nicht ab.‘ So nahm ich Christus in mein Herz auf, und das veränderte mein Leben.“

 

 

In Algerien kommen viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus, obwohl sie anschliessend von ihrem Umfeld angefeindet werden. Foto: © HMK

 

Apostelgeschichte Kapitel „29“
Als Mohammed zum christlichen Glauben fand, gab es praktisch noch keine einheimischen Christen im Land. „Es war damals schwierig, eine christliche Frau zu finden. Doch auf Gott war Verlass – ich fand eine Frau, die auch Jesus Christus nachfolgen wollte. Wir mussten mehrmals vor Gericht gehen, damit unser Sohn einen christlichen Vornamen erhalten durfte.“ Die jungen Christen um Mohammed erlebten Heilungen und Wunder. „Ich sage jeweils, wir leben die Fortsetzung der Apostelgeschichte und erleben das 29. Kapitel. Wir leben in schwierigen Momenten und erleben den Glauben ganz praktisch.“ In jener Zeit, in den 1990er-Jahren, als die Einwohner Algeriens die Demokratie forderten und die Extremisten die Macht ergriffen, war die Lage angespannt. „Von einem Tag auf den anderen gab es in der Hauptstadt ein Verbot, das Frauen untersagte, ohne Kopftuch auf die Strasse zu gehen.“ Wer sich den verschiedenen neuen Anordnungen widersetzte, konnte mit dem Tod bestraft werden.

 

Krankenheilungen erlebt
„Wir hatten keine Bibelschule. Uns stand damals einfach nur das Neue Testament zur Verfügung. Das Land war in geistlicher Hinsicht noch sehr verschlossen, doch wir trafen uns auf einem Berg, wo wir für unsere Nation beteten. Beim Heruntersteigen begegneten wir einem Kranken.“ Das Team habe für ihn gebetet und er sei auf der Stelle gesund geworden, so Mohammed. „Er lud uns zu sich nach Hause ein, wo seine 24-jährige Tochter seit zwei Jahren ans Bett gefesselt war. Sie war verwirrt und nicht zurechnungsfähig. Wir haben für sie gebetet und sie wurde gesund. Die Familie bekam das mit, sie hatten zuvor alle Ärzte und anderen Möglichkeiten ausprobiert; nichts hatte geholfen. Das Evangelium verbreitete sich durch diese und ähnliche Begegnungen weiter.“

Der Richter wollte mehr wissen
Doch, es gebe auch Probleme, sagt Mohammed. „Ein Christ wurde zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er auf Facebook schrieb, dass Algerien nicht dem Propheten Mohammed, sondern Jesus Christus gehöre. Offiziell hat man als Algerier in Algerien kein Recht, Christ zu sein. Aber wie kann jemand, der die Güte und Liebe von Christus erfährt, diese nicht weitergeben? Ein Freund von mir war vor Gericht, weil er seinen Mitmenschen von der Liebe Jesu erzählte. Der Richter fragte ihn: ‚Wissen Sie, warum Sie da sind?‘ Der Angeklagte antwortete: ‚Ja, um Ihnen zu sagen, dass
Gott Sie liebt.‘ Der Richter unterbrach die Verhandlung und lud ihn am nächsten Tag in seinem Büro vor. Dort bat der Richter ihn um eine Bibel und mehr Informationen.“ Eine Woche später habe der Richter Jesus in sein Leben aufgenommen.

Autor: Daniel Gerber
Quelle: ideaSpektrum 1/2.2017 und livenet.ch


*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

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Algerien ist stark muslimisch geprägt, doch die christliche Gemeinde beginnt trotz Widerstand zu wachsen. Foto: © HMK