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Ägypten: Rechtshilfe für „Abgefallene des Islams“

hmk. Wir besuchen einen unserer ägyptischen Partner in einem öffentlichen Restaurant. Er ist Anwalt. Es geht um ein sensibles Thema, entsprechend unauffällig verhalten wir uns. Der Anwalt erzählt mit ruhiger Stimme: „In letzter Zeit hat die Willkür der Sicherheitskräfte wieder zugenommen. Insbesondere gegen ehemalige Muslime, die zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben. Viele dieser Christen aus islamischem Hintergrund kennen sich gegenseitig und vertrauen nur wenigen Menschen. Zu gross sind die Risiken, zu negativ die gemachten Erfahrungen.“

Isolationshaft und Folter

Der Anwalt bearbeitet diskret und geschickt verschiedene Fälle. Seine Erfolgsquote ist hoch. Die Fälle, die er uns schildert, sind schwer zu verdauen. Sind Menschen wirklich in der Lage, einander so viel Böses anzutun? Er schildert den Fall eines jungen Ingenieurs: „Die Behörden erfanden eine Anklage gegen Teremun* und sperrten ihn zwei Jahre ins Gefängnis. Seine Familie wollte nichts mehr von ihm wissen, weil er ein ‚Abgefallener des Islams‘ ist.“ Der Anwalt erklärt, dass es in Ägypten die Angehörigen seien, die die Häftlinge im Gefängnis mit Nahrung und Medikamenten versorgen würden. Dann sagte er leise: „Die Gefängnisbehörden misshandelten Teremun aufs Übelste, weil er Christ wurde. Sie haben ihm seine Rechte verweigert, ihn verbal eingeschüchtert, ihn ohne Grund in Isolationshaft genommen und ihm Schmerzen zugefügt.“

Gemeindewachstum in Ägypten

Ich heisse Mel Wiebe und komme aus Kanada. Ich bin der Vertreter der HMK und von ICR. Es ist mir eine Ehre, ein Teil dieser Arbeit zu sein. Wir sehen, wie Gott durch die verfolgte Kirche wirkt. Es gibt Schwierigkeiten und sehr viel Druck, doch die Kirche wird grösser, Christen wachsen im Glauben, es entstehen Leiter.

 

Neubeurteilung des Falls erwirkt
Teremun sei behandelt worden, als wäre er ein Wesen ohne jegliche Daseinsberechtigung. Doch das habe ihn nicht davon abgehalten, seinen christlichen Glauben auch im Gefängnis zu bezeugen, so der Anwalt. Als er frei gekommen sei, habe er wegen seiner Haftzeit keine Arbeitsstelle mehr erhalten. „Doch wir konnten danach beim nächst höheren Gericht eine Neubeurteilung des Falls erwirken. Dieses Gericht befand, dass der Ingenieur zu Unrecht und bei mangelnder Beweislage inhaftiert wurde. Nun konnten wir rückwirkend einen Freispruch erwirken. Dank seinem nun leeren Strafregister fand er wieder Arbeit.“

Bevor wir uns mit einem Gebet vom Anwalt verabschieden, bitten wir ihn: „Wenn du deine Klienten im Gefängnis besuchst, dann richte ihnen bitte aus, dass sie nicht vergessen sind!“

Unterstützen Sie die Rechtshilfe des Anwälte-Teams, damit Christen aus islamischem Hintergrund Hilfe erfahren? Die durchschnittlichen Anwaltskosten pro Fall betragen rund 1000 Franken (870 Euro).


*Name aus Sicherheitsgründen geändert.