Startseite > Projekte > Projektländer > Zentralasien: Standhaft trotz Geheimpolizei und Prügel

Zentralasien: Standhaft trotz Geheimpolizei und Prügel

Der Registan (übersetzt „Sandplatz“) in Samarkand (Usbekistan) ist ein prächtiger Platz und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

In Zentralasien werden vielerorts der Besitz von „illegaler religiöser Literatur“ oder „illegale religiöse Aktivitäten" strafrechtlich geahndet. Christen werden beschattet oder gar festgenommen. Die HMK steht über lokale Netzwerke den Untergrundgemeinden in Zentralasien zur Seite und sprach mit Betroffenen.

hmk./Januar 2014 – Teile Zentralasiens sind bekannt für Jahrtausende alte Städte, historische Baudenkmäler, vielfältige Natur, zahlreiche Bodenschätze und Baumwolle. Mit imposanten architektonischen Sehenswürdigkeiten, Festungen und Oasen hat Mittelasien für Touristen einiges zu bieten. Doch die historische und kulturelle Vielfalt mag kaum über die dunklen Seiten dieser Region hinwegtäuschen. Trotz grosser Erdgasvorkommen haben viele Dörfer keine Gasversorgung und zahlreiche Häuser können nicht beheizt werden. Gerade in den kalten Wintermonaten ist die Situaton für die betroffenen Menschen kritisch.


Giftige Baumwollplantagen
Baumwolle ist in der Region ein wichtiges Agrarprodukt und als Hauptexportgut eine bedeutende Einnahmequelle. Doch das „weisse Gold“ glänzt nicht für die Bevölkerung, da die Baumwollplantagen dem Staat gehören, der von einem autoritären Regime geführt wird. Er zwingt die Menschen, unter menschenunwürdigen Bedingungen auf den Plantagen zu arbeiten. Bürgerrechtler und Menschenrechtsorganisationen haben in der Vergangenheit auf die prekären Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht. Der internationale Druck stieg und offiziell wurde vor einigen Jahren die Kinderarbeit zwar untersagt, doch nach wie vor findet Zwangsarbeit auf den Plantagen statt. Jetzt sind es vermehrt Lehrpersonen und andere Staatsangestellte, die zur äusserst anstrengenden Arbeit genötigt werden, herrschen doch manchmal Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius. Zudem wird die Baumwolle kurz vor der Ernte mit Chemikalien abgesprüht. Die Erntehelferinnen und Erntehelfer sind anschliessend ohne jeglichen Schutz den giftigen Stoffen ausgesetzt.

Nebst dem alltäglichen Überlebenskampf geraten zentralasiatische Christen in ihrer Heimat zusätzlich wegen ihres Glaubens unter Druck. Viele von ihnen versammeln sich im Untergrund.


Treffen im Untergrund
Als wäre der tägliche Überlebenskampf nicht schon genug, geraten einheimische Christen auch noch wegen ihrer persönlichen Glaubensüberzeugung unter Druck. Obwohl offiziell Religionsfreiheit herrscht, beschattet die Geheimpolizei einzelne Christen oder gar ganze christliche Gemeinden. Religiöse Gemeinschaften müssen sich registrieren lassen, damit sie existieren dürfen. Doch die Bemühungen um eine Registration enden oft erfolglos, da die Anerkennung verweigert oder zurückgezogen wird. Der Besitz von „illegaler religiöser Literatur“ oder „illegale religiöse Aktivitäten” werden strafrechtlich geahndet.

Treffen sich Gläubige trotzdem zu Gottesdiensten oder werden sie mit christlichem Material angetroffen, drohen ihnen horrende Geldbussen. In den wenigen registrierten Gemeinden ist zeitweise auch das Singen von Liedern in ihrer Muttersprache verboten. Gebetsversammlungen in Privathäusern stehen in Gefahr, von Sicherheitskräften unterbunden zu werden. Gemeindemitglieder werden schikaniert, eingeschüchtert, gebüsst, gedemütigt, geschlagen oder gar festgenommen. Insbesondere ehemalige Muslime, die zum christlichen Glauben gefunden haben, werden verfolgt; vom Staat oder sogar von ihrer eigenen Familie. All diese Repressionen treiben die Christen in den Untergrund. Einige von ihnen berichten der HMK von traumatischen Erlebnissen mit den Behörden und der Polizei.


Haft und Prügel
Zafar* erzählt der HMK: „Polizisten durchsuchten meinen Laptop und fanden darauf christliche Literatur. Sie verhafteten mich und schlugen mich im Gefängnis dermassen fest, dass ich lange krank war. Doch dadurch habe ich noch viel näher zu Gott gefunden!“ Heute investiert sich Zafar in seiner Heimat als Leiter für junge Christen. Er ermutigt und stärkt sie in ihrem Glauben und ist ihnen ein Vorbild.

Gebetsoase auf dem Lande
Akram*: „In meinem Dorf habe ich zusammen mit meinen Freunden ein kleines Gebetshaus errichtet. An diesem Ort versammeln wir uns regelmässig. Es geschehen Wunder und Kranke werden gesund. Die zahlreichen Behördenkontrollen können Gottes Wirken nicht verhindern, im Gegenteil. Sogar die Polizei im Dorf ist unserem Gebetshaus inzwischen wohlgesonnen. Einmal, als wir während des Gebets von Extremisten angegriffen wurden, setzte sie sich für uns ein und beschützte uns.“

Christliche Untergrundgemeinden in Zentralasien

Als HMK stehen wir den Untergrundgemeinden in Zentralasien bei, und zwar über unsere langjährigen einheimischen Netzwerke vor Ort. Wir unterstützen rund 50 einheimische Gemeindegründer, damit die Gemeinden in Zentalasien gemäss ihren Bedürfnissen gestärkt werden, und zwar durch:

  • Schulungsseminare über Inhalte des christlichen Glaubens.
  • Umplatzierungen von Personen, die akut bedroht werden.
  • Verfolgtenhilfe, indem wir den Betroffenen und ihren Familienangehörigen eine Auszeit an einem anderen Ort ermöglichen.


Wollen Sie unser Engagement in Zentralasien finanziell mittragen? Mit rund 200 Franken /160 Euro pro Monat können Sie die Lebenshaltungskosten eines unserer einheimischen Gemeindegründer samt Familie abdecken.

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert.