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Zentralasien: 22 Jahre nach dem Fall der Sowjetunion

In den letzten Jahren wurden neue Gesetze zum Nachteil der Christen erlassen. Die Verfolgung seitens der Behörden nimmt zu.

In den zentralasiatischen Staaten hat sich die Situation für einheimische Christen in den letzten Jahren verschärft. Teilweise werden sie von den Behörden sogar strafrechtlich verfolgt. Als HMK stärken und ermutigen wir die einheimischen Christen, auch damit sie sich aktiv in ihrer Gesellschaft einbringen können.

hmk./Mai 2013 – Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts überschlugen sich die politischen Ereignisse in Russland und gipfelten im Dezember 1991 in der Auflösung der UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken). Zuvor erklärten die 15 Sowjetrepubliken ihre Unabhängigkeit, darunter auch die zentralasiatischen Republiken Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan. Sie gehörten zu den letzten Staaten, die von der Sowjetunion unabhängig wurden. Nach anfänglichen Reformen haben sich in allen diesen Ländern wieder autoritäre Regierungen entwickelt, die kaum Religionsfreiheit zulassen.


Gesellschaftliche und gesundheitliche Not
Der Einfluss Russlands in den zentralasiatischen Ländern ist auch 22 Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion immer noch enorm, nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit. Und dies obwohl Zentralasien über erhebliche Bodenschätze wie Gold, Erdgas und Erdöl verfügt. Trotzdem fand nie eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung statt. So gehört zum Beispiel Tadschikistan zu den ärmsten Ländern der Welt. Dort trifft man auf den Feldern nur noch Frauen an, da die Männer zwischen 18 und 50 ihr Glück in Russland versuchen. Moskau wird förmlich überrannt von zentralasiatischen Gastarbeitern, die meist illegal und zu Tiefstlöhnen in der russischen Hauptstadt arbeiten. Während ihres oft monatelangen Aufenthalts stecken sich viele dieser Arbeiter bei Prostituierten mit dem HIV-Virus an. Wenn diese meist jungen Männer in ihre Heimat zurückkehren, bringen sie aus Russland nicht nur Geld mit, sondern schleppen auch den HIV-Virus ein. So ist in den vergangenen Jahren die Zahl der HIV-Infizierten um über 60 Prozent gestiegen. In diesen muslimisch geprägten Gesellschaften fehlt zudem die so dringend nötige Aufklärung: Themen wie Sex und Krankheit werden tabuisiert. Auch das Gesundheitssystem ist überfordert und kann keine effiziente Versorgung sicherstellen.

Dank wirtschaftlicher Starthilfe haben Christen in Zentralasien die Möglichkeit, ihr eigenes Gewerbe aufzubauen.


Strafrechtliche Verfolgung
Nach dem Kollaps der Sowjetunion kam es in den Neunzigerjahren zu einem enormen Wachstum einheimischer christlicher Gemeinden. Die Offenheit gegenüber dem christlichen Glauben war gross. Tausende von Muslimen kamen zum Glauben an Jesus Christus. Doch in den letzten zehn Jahren hat sich die Situation für einheimische Christen zunehmend verschlechtert. Die Entwicklung ist besorgniserregend: Es treten vermehrt Gesetze in Kraft, die die Ausübung und die Verbreitung des christlichen Glaubens erschweren. Die Regierungen erhalten so eine juristische Grundlage, um zunehmend gegen Christen vorzugehen. So müssen sich christliche Gemeinden, die eigentlich offiziell registriert sind und deshalb seitens der Behörden eine Existenzberechtigung haben, neu registrieren lassen. Die Bedingungen werden jedoch erschwert. In Kasachstan führte das dazu, dass viele Gemeinden ihre Registrierung unter den neuen Gesetzen nicht mehr erneuern konnten und in die Illegalität gezwungen wurden. Dies gibt den Regierungen Anlass für strafrechtliche Verfolgungen. Seit dem Krieg gegen den Terrorismus, den die USA in Afghanistan, Irak und Pakistan führen, weichen radikale islamische Gruppierungen nach Zentralasien aus. Viele der neuen Gesetze zielen eigentlich auf diese ab, haben aber negative Folgen für die christlichen Gemeinden. So werden etwa Pastoren unter falschen Anschuldigungen ins Gefängnis geworfen mit der Unterstellung, am Aufbau von Terrorzellen beteiligt zu sein.


Zentralasiatische Christen stärken
Trotz dieser Widrigkeiten und wirtschaftlich schwierigen Zeiten resignieren die einheimischen Christen nicht. Wir stehen ihnen als HMK bei und unterstützen sie:

Wirtschaftliche Hilfe
Wir unterstützen Gemeindegründer vor Ort, damit sie ihr eigenes Gewerbe aufbauen können. Dadurch sind sie in der Lage, sich einerseits ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen und andererseits ihrem Dienst nachgehen zu können.

Schulungsseminare
Viele Christen in Zentralasien haben ein grosses Bedürfnis nach christlichen Schulungsseminaren und wollen im Glauben an Jesus wachsen. Sie wollen ein Zeugnis sein in ihrem muslimisch geprägten Umfeld. Dabei unterstützen wir sie. Bekzat* sagt uns: „Vor dem Seminar war ich zwar Christ, aber ich glaubte nicht wirklich daran, dass ich etwas bewirken kann. Das Seminar hat mich in meinem Glauben gestärkt und ich habe neue Kraft für meinen Alltag geschöpft. Ich bin so ermutigt! Alleine im letzten Jahr hatte ich mit über 40 Personen, die Jesus noch nicht kannten, wertvolle und gesegnete Begegnungen.” Daryn* fügt hinzu: „Unsere Leute sind immer zu zweit unterwegs, wie wir es im Seminar gelernt und in Lukas 10 gelesen haben. Sie besuchen Menschen in den Dörfern und werden herzlich willkommen geheissen. Sie beten auch für Kranke. Wir erleben immer wieder, wie Menschen geheilt werden und ihr Leben Jesus anvertrauen.”

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert.