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Usbekistan: Im Gerichtssaal Bewährungsprobe gewonnen

Vorsitzende vom Makhallya-Komitee verwalten die Häuser eines Wohnkomplexes und spielen dadurch eine grosse Rolle im Zusammenleben der Usbeken.

Ich heisse Victoria Grigonova*. Ich bin 58 Jahre alt. Ich bin verwitwet und habe 4 Söhne und 2 Töchter.


hmk./August 2011
– Einmal hatten zwei meiner Nachbarinnen Streit und begannen, an den Staatsanwalt Beschwerden zu schreiben. Niemand wusste, was eigentlich die Ursache für ihren Streit war. Ich weiss bis heute nicht, weswegen ich im Büro des Staatsanwalts vorgeladen wurde. Der Untersuchungsrichter zeigte mir die schriftliche Beschwerde des Vorsitzendes vom Makhallya-Komitee (ein Makhally-Komitee verwaltet die Häuser eines Wohnkomplexes mit Hunderten von Wohnungen). Er beschuldigte mich wegen meines Glaubens und Evangelisierens und dass ich der Grund für die Konflikte unter den Nachbarn sei. Am Anfang verstand ich nicht, was sie wollten, aber dann wurde klar, dass sie ein administratives Verfahren gegen mich anstrengen wollten. Vorher war ich schon einmal wegen religiöser Aktivitäten verurteilt worden. An jenem Tag habe ich nichts unterschrieben. Ich wusste im Geist, dass sie über meinen Glauben reden wollten. Gott bewegte mich, vor der Verhandlung drei Tage zu fasten.
 
Im Gerichtssaal
Distriktpolizisten, lokale Mullahs und Leute von der Terrorismus-Abteilung und eine Menge meiner Nachbarn kamen zu dieser Verhandlung. Wie ich erwartet hatte, sprachen wir über meinen Glauben. Vera*, eine meiner Nachbarinnen, sagte, es gebe keinen Frieden in ihrer Makhallya wegen meines christlichen Glaubens. Nachbarn würden anfangen, miteinander zu streiten. Sie bedachte mich mit schlimmen Worten und warf mir Dinge vor, die ich nie getan hatte. Am Ende sagte sie, es sei kein Platz in der Überbauung für so eine vergiftende gottlose Frau (aus islamischer Sicht). Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Wenn ich anfangen würde, mich zu verteidigen, würde der Skandal noch grösser werden. Wenn ich aber schwiege, würden sie glauben, dass Vera die Wahrheit sagte. Gott sagte mir, ich solle innerlich beten und nichts sagen. Nach ihr sagte der Vorsitzende, er habe mich einige Male gewarnt, dass es wegen meines christlichen Glaubens viele Meinungsverschiedenheiten unter Nachbarn geben würde. Der einzige Ausweg, den er sehe, sei, mich von einem Haus in ein anderes umzuplatzieren.

 

Nachdem ich lange geschwiegen hatte, fing eine andere Nachbarin an zu reden, Klara*. Sie sagte Positives über mich. Sie sagte, dass niemand gerne zu Vera gehe, und dass es einmal so war, dass ich (Victoria) junge Frauen gebeten hatte, bei einer Feier für Veras Tochter mitzuhelfen. Niemand wollte eigentlich Vera helfen, aber weil ich sie gebeten hatte, halfen ihr andere Nachbarinnen. Jeder war überrascht zu hören, dass ich einer Frau helfe, die so schlimme Dinge über mich sagte. Ein anderer Nachbar, Iwan*, sagte, sie brauchten mehr Leute wie mich, weil meine Kinder sehr höflich und gebildet seien. Er wünschte, dass seine Kinder so wie meine würden. Der Nachbar Iwan ist ein Ältester in meiner Makhallya. Er sagte, er habe meinen Gott nicht gekannt, aber er habe meine Familie einige Jahre lang beobachtet und sei erstaunt, wie jemand so demütig mit so einem offenen Herzen sein könne. Andere Nachbarn seien allzu stolz wegen ihrer guten Taten. Ich konnte meine Tränen nicht zurückhalten und andere weinten mit mir. Gott bewegte mich dann, Vera um Vergebung zu bitten, dass sie wegen mir mit den Nachbarn Streit hatte. Ich umarmte sie und sagte ihr, alles würde gut kommen.


Viele Anwesende, darunter die Mullahs und die Polizisten, verliessen unbemerkt den Raum, weil sie einsahen, dass die Leute mich verteidigen würden, wenn jemand versuchen sollte, mich aus meinem Haus rauszuwerfen. Ich war dann so glücklich, weil Jesus der Sieger ist. Es war ein Wunder. Ich sagte kein Wort, aber Jesus hat alles durch meine Nachbarn getan. Preis dem Herrn! Jetzt respektieren mich viele Leute aus meiner Makhallya und auch Leute aus anderen Makhallyas. Zu meiner Überraschung kommen viele Leute und suchen Rat bei mir, obgleich sie wissen, dass ich Christin bin.
Ich möchte alle ermutigen, die verzweifelt sind oder deren Glaube schwach ist. Brüder und Schwestern, haltet euch eng an Jesus und Er wird euch in schwierigen Situationen helfen.


Eure Schwester Victoria Grigonova

*Namen aus Sicherheitsgründen geändert