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Vietnam: Zwei Evangelisten zu Gefängnisstrafen verurteilt

Die kommunistischen Symbole sind immer noch präsent in Vietnam.

Zwei christliche Evangelisten, Ksor Y Du, 47, und Kpa Y Co, 30, wurden im November 2010 zu sechs bzw. vier Jahren Gefängnis verurteilt, wegen „Untergrabung der nationalen Einheit”.

dic./Februar 2011 – Ksor und Kpa von der Vietnam Good News Mission (VGNM) Kirche bekamen dieses strenge Urteil am 15. November 2010. Nach der Haftstrafe wurde zusätzlich noch ein Hausarrest von vier bzw. zwei Jahren verhängt, wie Kirchenquellen und Vietnams Zeitung Phap Luat melden. Beide Evangelisten, die der Minderheit der Ede angehören, leben im Distrikt Song Hinh der Provinz Phu Yen, wo es 20 VGNM-Gemeinden gibt.


Ksor war einer unter den vielen tausend Vertretern ethnischer Minderheiten in Vietnams Zentralem Hochland, die 2004 an Demonstrationen gegen religiöse Unterdrückung und die illegale Konfiszierung ihres traditionellen Landbesitzes teilgenommen hatten. Viele der Demonstranten waren Christen. Als das Militär aufgrund der Demonstrationen brutal gegen sie vorging, wurde er mit Hunderten anderer gefasst, als sie nach Kambodscha fliehen wollten. Er verbrachte fünf Jahre im Gefängnis und ein weiteres Jahr unter Hausarrest.


Im Mai 2009 schloss sich Ksor einem Netzwerk von Hausgemeinden an, das von 14 Versammlungen, die sich 2007 in Wohnungen versammelten, auf heute 360 angewachsen war. Trotz vieler Versuche, Hausgemeinden registrieren zu lassen, wie es Vietnams Religionsgesetze vorsehen, hatten die Behörden nur drei Gemeinden religiöse Aktivitäten offiziell erlaubt.
Im September 2009 wurde Ksor drei Wochen lang verhört, und die Behörden übten Druck auf ihn aus, er solle keine Auslandsgespräche mehr führen. Ksor gab als Grund für die Telefonate an, dass er nach dem Gefängnisaufenthalt völlig mittellos und bei schlechter Gesundheit gewesen sei. Daher habe er nur dreimal einen Verwandten in den USA angerufen und ihn um Geld für Medikamente und für die Reparatur seines baufälligen Hauses gebeten. 


Die regierungsnahe Zeitung Phap Luat dagegen berichtete, er habe 58 Auslandsgespräche geführt, was nach Ksors Familie eine immense Übertreibung ist. Die Zeitung schrieb weiter in ihrem Bericht, Ksor habe in den Anrufen Befehle aus dem Ausland entgegengenommen, um die Leute dazu aufzustacheln, der illegalen „Dega“-Kirche beizutreten. Deren Ziel sei es angeblich, politische Unruhen zu schüren und die Unabhängigkeit für ethnische Minderheiten im Zentralen Hochland zu fordern.

Trotz des enormen Wirtschaftswachstums haben Religions- und Bürgerrechte noch wenig Spielraum in Vietnam.

Die vietnamesischen Behörden bleiben ausserordentlich misstrauisch jedem gegenüber, der es gewagt hat, an Demonstrationen teilzunehmen, vor allem wenn sie leitende Gemeindeglieder werden.

Die beiden Evangelisten wurden am 27. Januar 2010 verhaftet. Ksor war auf dem Weg aufs Polizeirevier zu einem weiteren Verhör, als er von Polizisten abgefangen wurde. Zeugen aus dem Dorf berichten, dass sie ihn fesselten und dann hinter einem Motorrad zum Revier schleiften. Er fiel mehrmals hin und kam verletzt und blutend dort an.


Beide Männer wurden zehn Monate lang ohne Anklage festgehalten, bis sie am 15. November vor Gericht gestellt wurden. Leiter der VGNM berichten, dass die Behörden Ksors Teenage-Tochter ins Gefängnis brachten und ihr sagten, sie solle zu Protokoll geben, dass ihr Vater mehrere Auslandstelefonate gemacht habe. Als sie sich weigerte, dies zu tun, schlug ihr eine Beamtin zweimal heftig ins Gesicht, bevor man sie wegschickte.


Während des Verhörs befahlen die Behördenvertreter beiden Evangelisten, Leiter der VGNM zu beschuldigen, dass sie die Organisation illegal gegründet hätten, und Pastor Mai Hong Sanh zu beschuldigen, er habe eine illegale Bibelschule in Buonmathuot eröffnet. Als sie sich weigerten, seien die Beamten wütend geworden.


Während Ksors Untersuchungshaft kamen sehr oft Polizeibeamte von der Kommune, dem Distrikt und der Provinz und übten Druck auf seine Frau, A Le H’Gioi, aus, sie solle ihrem christlichen Glauben absagen. Sie weigerte sich standhaft. Dann versuchten sie, sie durch Versprechungen zu locken: Wenn die Familie dem Glauben abschwor, würden sie jeden Monat einen Sack Reis bekommen, ein neues Haus und ihr Mann würde sofort aus dem Gefängnis entlassen.


Ksors Frau gelang es, bei dem Prozess dabei zu sein, obgleich man ihr die durch das vietnamesische Gesetz garantierte offizielle Genehmigung nicht erteilt hatte. Sie berichtete Gemeindeleitern, dass der vorsitzende Richter des Volksgerichtshofes das Thema ihres Glaubens direkt angesprochen und ihren Mann gefragt habe: „Bestehen Sie immer noch darauf, der Religion zu folgen?“ Der Richter habe ihn auch gefragt: „Nachdem Sie jetzt schon im Gefängnis waren, wollen Sie da immer noch weiter bei der Vietnam Good News Mission bleiben?“ Ihr Mann habe geantwortet, dass er seinen Glauben an Gott nicht aufgeben werde, selbst wenn das den Tod für ihn bedeute.


Die Gemeindeleiter sagten, diese Art Befragung widerspreche den offiziellen Beteuerungen, dass der Prozess und die Verurteilung der beiden Evangelisten nichts mit Religion zu tun habe. Die Leiter von VGNM sagten, es gebe noch viele andere Unregelmässigkeiten bei der Verhaftung und beim Prozess der beiden Evangelisten; z.B. hätten die Behörden ihren Familien nie die vom Gesetz geforderten gerichtlichen Dokumente zugestellt.

Pastor Steve aus Vietnam erzählt…

Ich bin ein Pastor aus Vietnam. Seit vielen Jahren bin ich mit Gott unterwegs. Ich war auch viele Jahre wegen meinem Glauben im Gefängnis. Meine Kirche wuchs in kurzer Zeit sehr schnell. Denn Gott hat viele Wunder unter uns gewirkt.

Viel Widerstand, grosses Wachstum

„Ich wurde zusammengeschlagen.” „Mein Mann wurde gerade inhaftiert.” Solche und ähnliche Telefonanrufe erhält der vietnamesische HMK-Projektpartner täglich. Die vietnamesische Regierung hat Angst, dass Christen das kommunistische System unterwandern könnten und setzt deshalb alles daran, sie zu überwachen und in Schach zu halten. Trotzdem berichtet er: „Menschen finden zum Glauben an Jesus und neue Gemeinden entstehen. Das macht uns Mut.“