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Wirtschaftlich dynamisch aber ideologisch verblendet

Januar 2020 - Die vietnamesische Wirtschaft brummt, aber auch die Unterdrückung religiöser Gruppen durch das kommunistische Regime.

hmk. Dorfbewohner und lokale Beamte stürmten kürzlich in Vietnam in ein Haus, banden ein sechsjähriges Mädchen und ihre Eltern mit Stricken und zerrten die Familie aus dem Dorf heraus. Das sollte ihre Strafe dafür sein, dass sie Christen geworden waren. Das Kind fiel in ein Koma. Solche Vorfälle – und andere mit Ächtungen, Drohungen, Folter und Gefängnisstrafen, die in Vietnam sehr häufig sind – könnten jetzt zunehmen, da die USA ihre Wirtschaftsbeziehungen zu diesem kommunistischen Land intensivieren, statt Sanktionen wegen seiner groben Missachtung der Religionsfreiheit zu verhängen.

Systematische Verstösse gegen die Religionsfreiheit

Vietnams kommunistische Regierung duldet keinen anderen Glauben oder Ideologie ausser dem Kommunismus, es sei denn, es gibt internationalen Druck, vor allem aus den USA. Der jährlich erscheinende Bericht der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCRIF) legte im April 2019 dar, dass Religionsgemeinschaften weiterhin unter der vietnamesischen Regierung leiden. Der Bericht, der vier Monate vor dem oben erwähnten Vorfall erschien, empfahl, dass die US-Regierung Vietnam als «besonders Besorgnis erregendes Land», («country of particular concern”, kurz CPC) einstuft. «Aufgrund dieser systematischen, fortwährenden, empörenden Verstösse gegen die Religionsfreiheit stellt das USCIRF erneut fest, dass Vietnam im Jahr 2019 die Bezeichnung als CPC verdient. Diese Feststellung wiederholt sich jährlich seit 2002», steht im Bericht. «Wenn Vietnam zum CPC erklärt werden würde, wären die US-Regierung und die Unternehmen gezwungen, keine wirtschaftlichen Beziehungen mehr mit Vietnam einzugehen. Jedoch haben sich alle Regierungen seit 2006 geweigert, dies zu tun. Obgleich das US-Aussenministerium im Jahr 2006 Vietnam von der CPC-Liste gestrichen hat, hat die Regierung von Vietnam weiterhin religiöse Einzelpersonen und Organisationen verfolgt», fügt der Bericht der USCIRF hinzu.

 

Gesetz zur Kontrolle und willkürlichen Bestrafung religiöser Gruppen

Vietnam hat im Jahr 2018 ein repressives neues Gesetz zu Glauben und Religion erlassen. Auf der einen Seite behauptet das kommunistische Regime, die Religionsfreiheit zu schützen, indem es religiösen Organisationen ein Recht zur Registrierung gab, aber auf der anderen Seite bezweckt dieses Gesetz eine engere Kontrolle über die Tätigkeiten von religiösen Gruppen und wurde so verfasst, dass die Regierung willkürlich jede beliebige religiöse Gruppierung bestrafen kann. «Am 31. Dezember 2018 waren etwa 244 Gefangene wegen ihrer Überzeugung in vietnamesischen Gefängnissen, und 20 verhaftete Aktivisten warteten noch auf ihren Prozess. Darunter waren einige, die sich für die Freiheit von Religion oder Überzeugung eingesetzt hatten, und andere, die einfach nur ihren Glauben bekannt oder praktiziert hatten», stellte die USCIRF in ihrem Bericht fest.

 

600-seitiges Handbuch

Das kommunistische Regime in Vietnam fordert von seinen Beamten, sich an ein 600-seitiges Handbuch zu halten, um Religion zu unterdrücken. Es fürchtet nämlich das Christentum, weil sich Christen versammeln (zum Beispiel zum Gottesdienst) und weil sie die Menschenwürde hochhalten und für sich in Anspruch nehmen. Alle autoritären Regierungen betrachten die Freiheit von Bürgerinnen und Bürgern, Vereine zu bilden, als Bedrohung ihrer Macht. Und die Vorstellung, dass Menschen eine Würde haben, widerspricht total ihren proklamierten Ideologien. Ein christlicher Anwalt für Menschenrechte, Nguyen Van Dai, der wegen seines Glaubens und seiner Arbeit als Verteidiger von Verfolgungsopfern viele Jahre im Gefängnis und im Exil verbracht hat, sagte den Medien im Oktober 2019: «Weil meine Aktivitäten etwas mit Menschenrechten und der Förderung von Religion in Vietnam zu tun haben, hat die Regierung von Vietnam Angst davor, dass meine Arbeit sie destabilisieren könnte, denn sie glaubt, dass das Christentum eine korrupte Ideologie aus ,dem Westen‘ sei.» Wegen seiner getrübten Beziehungen zum Westen in der Vergangenheit hasst das Regime in Vietnam die «westlichen» Religionen, vor allem das Christentum.

Bringen Sie Hoffnung nach Vietnam

Gemeindebau

Pastoren und Gemeindeleiter sollen für ihren Dienst zugerüstet werden. Sie werden von ihren Gemeinden stark beansprucht. Tragen Sie zur Finanzierung der dreijährigen modulartigen theologischen Ausbildung bei? Die Kosten für eine Person pro Jahr betragen rund 480 Franken (400 Euro).

 

Literatur
Die Nachfrage nach christlicher Literatur ist gross. Über unsere Projektpartner haben wir als HMK die Möglichkeit, Interessierte in ihrer jeweiligen Stammessprache zu beliefern. Die Kosten für drei Bibelwörterbücher betragen rund 60 Franken (50 Euro).

 

Not lindern
Medizinische Versorgung, Nahrungsmittel oder Umsiedlung in sichere Gegenden. Helfen Sie uns, Betroffene bedürfnisgerecht zu unterstützen.