Startseite > Projekte > Projektländer > Vietnam: Schluss mit Zocken und Opfern

Vietnam: Schluss mit Zocken und Opfern

Gan* ist gelähmt und kann nicht sprechen. Der Gottesdienstbesuch war ihm so wichtig, dass er sich am Boden von zuhause bis in die Kapelle rollte. Foto: © HMK

Die Zahl der Christen wächst in Vietnam. Ganze Familien finden zum Glauben an Jesus Christus. Das berichtet ein einheimischer Pastor. Laut seiner Schilderung verbessert dies die Lebensumstände, selbst wenn die Obrigkeit Druck macht.

idea/livenet/hmk./September 2015 -
„Ganze Familien kommen zu Christus“, beobachtet Pastor Steve*, und dies wirkt sich positiv aus: „Sie werden innerlich neue Menschen und hören auf, um Geld zu spielen oder Tiere zu opfern.“ Auf der Vortragstournee Sonntag der verfolgten Kirche in der Schweiz sprach der vietnamesische Partner der HMK von abgelegenen Gegenden, in denen weit und breit weder Spital, Arzt noch Apotheker zu finden sind. Dennoch verbessere sich der allgemeine Gesundheitszustand. „Sie stellen fest, wie manche Menschen Christen werden und sich ihre Lage verbessert.“ Diese Personen werden für andere zu Vorbildern. „Weitere finden so wiederum zu Christus, halten an ihm fest und erleben überdies medizinische Wunder – christliche Gemeinden wachsen.“ Immer wieder werden neue Gemeinden gegründet; hierbei hilft die HMK, Gebetshäuser (Kapellen) aufzubauen.

Abbruch mit Zelt gekontert
Vietnam zählt 93 Millionen Einwohner – rund zehn Millionen mehr als Deutschland. Doch nicht alle geniessen die Freiheit, die ihnen vom Gesetz her zustehen müsste. „Manchmal erleben wir Schwierigkeiten“, so Pastor Steve. Abseits von einem Dorf bauten die Bewohner ein Gebetshaus, in dem 600 Menschen Platz fanden. „Eines Tages erschienen tausend Beamte, um es dem Erdboden gleichzumachen. Doch die Dorfbevölkerung wollte einen Ort, um Gott bewusst anzubeten. Aus Bambus und einer Blache errichteten sie ein grosses Zelt. Wieder erschienen die Regierungsoffiziellen – doch diesmal liessen sie es stehen.“ Steve berichtet von einer anderen abgelegenen Gegend, in der im Jahr 2009 acht christliche Gemeinden existierten. „Innerhalb von fünf Jahren hat sich deren Anzahl multipliziert, auf 43 Gemeinden.“

Vietnamesische Christen bauen eine Kapelle, in der sie sich zum Gottesdienst versammeln können. Foto: © HMK

„Jetzt bist du umgefallen“
Nächstenliebe durch humanitären Beistand sei ebenfalls wichtig, betonte Steve am Referententag in Thun. Er berichtete von Gan*, einem jungen, gelähmten und stummen Mann. „Er rollte sich von seinem Elternhaus über den Boden bis hin in die Kirche! Als er angekommen war, strahlte er.“ Die Gemeinde sei berührt gewesen von seiner Hingabe und mit Unterstützung der HMK habe sie ihm einen Rollstuhl kaufen können. Die Familie, die ihn für den Kirchenbesuch kritisiert hatte, bemerkte, wie er aufblühte – und nach einiger Zeit fanden auch sie zu Christus. Immer noch sind einige Christen wegen ihres Glaubens im Gefängnis, andere werden schikaniert.

Steve erzählte ein Beispiel. „Um in einem Dorf über den christlichen Glauben zu sprechen, braucht es eine Bewilligung der Behörden. Ein befreundeter Pastor ersuchte um eine solche Erlaubnis. Da wurde ihm befohlen, in einer extrem mühsamen Position zu verharren. Sollte ihm dies gelingen, würde er die gewünschte Erlaubnis erhalten. Nach zwei Stunden stand er noch immer so da. Schliesslich kam ein Beamter auf ihn zu, trat ihn nieder und grinste: „Jetzt bist du umgefallen!“ Innerlich betete der Leidgeprüfte für seinen Peiniger.

Autor: Daniel Gerber

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Werden Sie Teil der HMK-Vietnam-Hilfe

Dank unseren vietnamesischen Partnern und ihrem Netzwerk vor Ort ist es möglich, den einheimischen Christen gezielt und bedürfnisgerecht zur Seite zu stehen:

Hilfe für Verfolgte
Seitens der lokalen Behörden (Parteifunktionäre und Polizei) kommt es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen gegenüber vietnamesischen Christen. Verhöre, Bussen, Konfiszierung von Privatbesitz oder Schläge und Haft sind keine Seltenheit. Die Betroffenen sind oft nicht in der Lage, sich zu wehren. Unsere Unterstützung reicht von der Bezahlung von Bussen über medizinische Nothilfe bis hin zur Umsiedlung in ein neues Gebiet. Mit 200 Franken (190 Euro) tragen Sie wesentlich dazu bei, die Not der Verfolgten zu lindern.

Christliche Literatur

Wegen den Repressalien der Behörden herrscht in vielen Gegenden Vietnams grosse Knappheit an christlicher Literatur, vor allem in den Sprachen der ethnischen Minderheiten. Für die Entwicklung der einzelnen Christen und ihrer örtlichen Gemeinden sind Bibeln und christliche Literatur jedoch unerlässlich. Bereits mit 60 Franken (57 Euro) können Sie vietnamesischen Christen drei Bibelwörterbücher finanzieren.

Ausbildung für Gemeindeleiter

Das starke Gemeindewachstum in Vietnam ist auf lokale Gemeindegründer zurückzuführen. Um im Umfeld von Ahnenkult und Kommunismus im christlichen Glauben standhaft zu bleiben, sind die Gemeinden auf solide Glaubensgrundlagen angewiesen. Hierfür ist die fundierte biblische Ausbildung für einheimische Gemeindeleiter sehr wichtig. Mit 480 Franken (457 Euro) können Sie einem Gemeindeleiter die dreijährige modulartige Ausbildung für ein Jahr ermöglichen.

Bau von Kapellen
Inmitten aller Probleme und Hindernisse ist der Wunsch vietnamesischer Gemeinden nach einem Gottesdienstgebäude gross. Sie haben das Bedürfnis, sich zu versammeln und brauchen dazu genügend Platz. Die Gesamtkosten für den Bau einer sogenannten Kapelle belaufen sich auf insgesamt 6‘500 Franken (6190 Euro). Wollen Sie den Bau einer Kapelle mitfinanzieren?

Der Dank der vietnamesischen Christen ist gross, und dass ihnen Menschen aus der Schweiz beistehen, ist für sie gewaltig. Diesen Dank leiten wir Ihnen hier gerne weiter.

Pastor Steve aus Vietnam erzählt…

Ich bin ein Pastor aus Vietnam. Seit vielen Jahren bin ich mit Gott unterwegs. Ich war auch viele Jahre wegen meinem Glauben im Gefängnis. Meine Kirche wuchs in kurzer Zeit sehr schnell. Denn Gott hat viele Wunder unter uns gewirkt.

Viel Widerstand, grosses Wachstum

„Ich wurde zusammengeschlagen.” „Mein Mann wurde gerade inhaftiert.” Solche und ähnliche Telefonanrufe erhält der vietnamesische HMK-Projektpartner täglich. Die vietnamesische Regierung hat Angst, dass Christen das kommunistische System unterwandern könnten und setzt deshalb alles daran, sie zu überwachen und in Schach zu halten. Trotzdem berichtet er: „Menschen finden zum Glauben an Jesus und neue Gemeinden entstehen. Das macht uns Mut.“