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Vietnam: Polizei hinter Überfall auf Christen

Bei den Übergriffen wurden mehrere Gläubige verletzt, da sie sich den Gangmitgliedern in den Weg stellten und dadurch Pastor Thien schützten.

Lokale Behörden sollen eine gewaltbereite Bande ermutigt haben, einen Pastor und seine Familie mit Eisenstangen und Holzkeulen zu überfallen.

dic./Januar 2012 – Am Sonntag, 23. Oktober 2011, hat in dem Dorf Phu Quy in der Provinz Quang Nam die Polizei für öffentliche Sicherheit zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage einen Hausgemeindegottesdienst unterbrochen. Anschliessend hat eine gewaltbereite Bande von rund 20 Männern den Vater, den Bruder und andere Familienmitglieder von Pastor Thien An angegriffen. Der Pastor selbst wurde in einen abgeschlossenen Raum innerhalb des Gemeindelokals in Sicherheit gebracht, weil seine Familie befürchtete, dass die Bande ihn umbringen würde.


Bereits in der Woche zuvor hatte die Hausgemeinde Besuch von der Polizei erhalten, da diese eine „Untersuchung“ der Hausgemeinde durchführen wollte. Wie der Pastor berichtet, hätten die lokalen Behörden zuvor den Registrierungsantrag der Hausgemeinde zu Unrecht zweimal abgelehnt. Nach Meinung der Gemeindemitglieder könne „selbst ein Kind“ die Verbindung zwischen der Bande und der Polizei erkennen.


Als die Polizei während dem Gottesdienst aufkreuzte, habe Pastor Thien den Beamten gesagt, dass er sich nach dem Gottesdienst mit ihnen treffen wolle. Aber die Beamten hätten die Versammlung gestürmt und den Stecker des Lautsprechersystems herausgezogen. So steht es in einem übers Internet verbreiteten Bericht von Pastor Thien, der „an alle Menschen in der Welt mit einem Gewissen“ gerichtet ist. Als eines der Gemeindemitglieder protestierte, habe ihn einer der Polizisten angeschrien und damit gedroht, den Vater des Pastors zu schlagen. Weiter schreibt der Pastor, dass nach einiger Zeit die „wütenden Polizeibeamten unter vielen Drohungen unser Gebetshaus verlassen haben“. Um 13 Uhr seien dann etwa 20 Gangmitglieder zu der Hauskirche gekommen, in der der Pastor und seine Grossfamilie wohnen. Weil die Familie nun um das Leben von Pastor Thien fürchtete, drängten sie ihn, sich in den abgeschlossenen Innenraum in Sicherheit zu bringen.


Die Gangmitglieder schlugen auf den Vater und Bruder des Pastors sowie andere Gottesdienstbesucher ein, die versuchten, den Pastor und seine Familie – darunter ein einwöchiges Baby – zu schützen. Die Familie leistete kräftigen Widerstand und betete intensiv. Die Bande drohte damit, wiederzukommen um „dieses Gotteshaus niederzureissen und euch alle zu töten”, berichtete der Pastor.

Kein Anschluss bei der Polizei
Während des Überfalls hatte Pastor Thien vier verschiedene Ebenen von Polizei- und Sicherheitsbeamten um Hilfe angerufen, aber seltsamerweise hatte niemand reagiert.
Durchs Handy alarmiert, eilten mehrere Gemeindemitglieder zum Haus, um den Pastor und seine Familie zu unterstützen und mit ihnen zu beten. Da sie anschliessend annahmen, dass sich die Lage wohl beruhigt habe, gingen sie am frühen Abend wieder heim. Aber um 20:30 Uhr, als die Familie allein in ihrem Haus war, wurde sie durch laute Rufe und zersplitterndes Glas gestört. Pastor Thien wollte unbedingt seine Familie verteidigen. Diese jedoch hinderte ihn daran, aus dem gesicherten Raum hinauszugehen und sich der Bande zu stellen. Während die Bande mit Eisenstangen und Holzknüppeln wütend Pastor Thiens Vater und einige andere Männer im Haus angriffen, die der Familie inzwischen zu Hilfe geeilt waren, verhinderten vor dem Haus postierte Bandenmitglieder, dass ihnen jemand zu Hilfe kommen konnte.

Die Notrufe wurden durch die Polizei nicht beachtet. Die Christen waren den Angriffen der Gangmitglieder praktisch wehrlos ausgesetzt.

 

Auf wundersame Weise gelang es Pastor Thiens Familie, die Angreifer abzuwehren. Plötzlich brach Pastor Thiens jüngerer Bruder zusammen und es sah so aus, als liege er im Sterben. Pastor Thien betete für ihn und nach kurzer Zeit war er genesen!


Erneut blieben während des Überfalls gemachte Notrufe an verschiedene Polizeireviere ohne Reaktion…
Videos, die während diesem Überfall aufgenommen und über YouTube veröffentlicht wurden zeigen die Situation, wie sie sich vor Ort zugetragen hatte: Kopfverletzungen bei den Personen, die Pastor Thien und seiner Familie zu Hilfe kamen, Blut auf dem Fussboden und eingeschlagene Fenster. Auch die lauten, angsterfüllten Gebete sind zu hören. Die betroffene Hausgemeinde gehört zu Vietnams Baptistenkirche (VBC), die national offiziell registriert und damit legal ist. Dennoch betrachten die lokalen Behörden anscheinend die gut organisierte Gemeinde in Phu Quy als „illegal“.

Es ist schwierig, den Druck auszuhalten
In Pastor Thiens Bericht ist weiter zu lesen, dass die Polizei einige seiner Gemeindemitglieder – vor allem junge Frauen – vorgeladen und starken Druck auf sie ausgeübt habe, nicht mehr zum Gottesdienst zu gehen. Einige hätten die schweren Drohungen nicht ausgehalten und seien den Forderungen nachgekommen. Erst kürzlich hatte die Polizei auch den Pastor vorgeladen und ihn gewarnt: „Wenn Sie weiterhin Gottesdienste abhalten, können wir im Falle eines Überfalls nicht für Ihre Sicherheit bürgen.“ Pastor Thiens Vorgesetzter – der Leiter der VBC in der betreffenden Provinz – erklärte, er wolle sich auf Bitte von Pastor Thien dafür einsetzen, dass sich die Gemeinde bei den örtlichen Behörden registrieren lassen könne.


Einige Tage nach dem Überfall erklärten jedoch offizielle Vertreter der VBC in Ho Chi Minh-Stadt, sie hätten Pastor Thiens Appell gar nicht erhalten. Es scheint, als ob diesen Offiziellen der Mut fehlt, ihre bedrängte Gemeinde in Tam Ky öffentlich zu unterstützen. Verlässliche Quellen sagen, Grund für das Zögern der Leiter sei die Furcht vor einer Konfrontation mit den Behörden. Die Verantwortlichen der VBC hätten Angst, die aus ihrer Sicht guten Beziehung zur Regierung aufs Spiel zu setzen.Der Appell des Pastors und die darauf folgenden Clips auf YouTube verbreiteten sich innert kürzester Zeit in den Gemeinden Vietnams. Die Gemeindeleiter waren empört über diese unverhohlene, gemäss Gesetz verbotene Attacke auf ihre Mitchristen: „Solche Übergriffe auf Hausgemeinden sind gesetzlich illegal. Dass dabei sogar noch Regierungsbehörden involviert waren, ist äusserst besorgniserregend“, sagte ein Hauskirchenleiter in Vietnam. „Aber dies ist nun einmal die Art und Weise, wie «das Recht oder eben Unrecht" in unserem Land umgesetzt wird»“.


Unter folgendem Link finden Sie ein Video, welches das Ausmass der Übergriffe zeigt.

 

Achtung: Das Video enthält Gewaltszenen.

Pastor Steve aus Vietnam erzählt…

Ich bin ein Pastor aus Vietnam. Seit vielen Jahren bin ich mit Gott unterwegs. Ich war auch viele Jahre wegen meinem Glauben im Gefängnis. Meine Kirche wuchs in kurzer Zeit sehr schnell. Denn Gott hat viele Wunder unter uns gewirkt.

Viel Widerstand, grosses Wachstum

„Ich wurde zusammengeschlagen.” „Mein Mann wurde gerade inhaftiert.” Solche und ähnliche Telefonanrufe erhält der vietnamesische HMK-Projektpartner täglich. Die vietnamesische Regierung hat Angst, dass Christen das kommunistische System unterwandern könnten und setzt deshalb alles daran, sie zu überwachen und in Schach zu halten. Trotzdem berichtet er: „Menschen finden zum Glauben an Jesus und neue Gemeinden entstehen. Das macht uns Mut.“