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Vietnam: „Gefahr für die nationale Einheit“

Vietnamesische Christen werden von der Regierung als Gefahr für das kommunistische System betrachtet und deshalb unterdrückt.

Ausländische Touristen werden bei ihrem Aufenthalt in Vietnam kaum etwas vom Leid der einheimischen Christen mitbekommen. Viele von ihnen werden bedroht, geschlagen oder verhaftet. Dennoch finden immer mehr Vietnamesen zum Glauben an Jesus.

hmk./November 2014 Pastor Steve* – der vietnamesische HMK-Partner – erhält täglich Telefonanrufe wie: „Ich wurde zusammengeschlagen.“ „Mein Mann wurde gerade inhaftiert.“ „Soeben wurde ich zu einem Verhör vorgeladen.“ Diskriminierung oder gar Verfolgung gehören zum Alltag vieler Christen in Vietnam.


In einem Dorf haben zum Beispiel lokale Behörden Gelder an die Bevölkerung verteilt. Pro Familie erhielten sie sechs Millionen Dong (270 Franken / 220 Euro), bis auf die Christen, die mit 2,8 Millionen Dong (125 Franken / 102 Euro) Vorlieb nehmen mussten. Die Begründung: Wenn sie wieder gute Bürgerinnen und Bürger seien, würden sie den Rest erhalten.

Warum dieser Christenhass?
Religiöse Gruppierungen müssen in Vietnam offiziell registriert werden, sonst sind sie illegal. Damit eine Registration möglich ist, muss man nachweisen, dass man dem Staat während der letzten 23 Jahre keine Probleme bereitet hat. Dieser Nachweis ist unmöglich, da man nicht registriert ist und deshalb nicht existieren dürfte. Existiert man trotzdem, ist das illegal und wird von den Behörden als eine „Gefahr für die nationale Einheit Vietnams“ eingestuft. Warum?

 

Nach wie vor ist bei der kommunistischen Führung Vietnams die Überzeugung verbreitet, dass das Christentum aus dem Westen stammt und der Westen ihr System unterwandern will. Deshalb muss das System geschützt und verteidigt werden. Vietnamesische Christen werden als westliche Agenten betrachtet und deshalb kontrolliert und unterdrückt.

 

Zudem wird ihnen vorgeworfen, sie würden die vietnamesische Kultur zerstören, da sie den Ahnenkult nicht praktizieren. Dieser ist in Vietnam allgegenwärtig und wird als Bestandteil der Kultur angesehen. Christen lehnen den Ahnenkult ab und geraten deshalb ins Visier der Behörden.

Reisbauer zusammengeschlagen und an Seilen aufgehängt
Pastor Tung* ist Reisbauer und besuchte christliche Gemeinden in der Region. Als er zurückkam, erwartete ihn die Polizei. Er wurde festgenommen und für zwei Jahre inhaftiert. Der Vorwurf: „Zerstörung der nationalen Einheit“. Pastor Tung: „Während meiner Zeit im Gefängnis wurde ich mehrmals zusammengeschlagen. Die Aufseher haben mir in die Beine getreten, mich mit Gewehrkolben übel zugerichtet und mich an Seilen aufgehängt. Sie sagten mir, dass sie mich entlassen, wenn ich die Gemeinden nicht mehr besuche.“ Pastor Tung ist kein Einzelfall.

Gottesdienst einer abgelegenen christlichen Gemeinde in Vietnam.

 

UN-Sonderberichterstatter: „Unter intensiver Beobachtung”

Der Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats, Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, besuchte vom 21. bis 31. Juli 2014 Vietnam. Er berichtet: 
„Der geplante Besuch der Provinzen An Giang, Gia Lai und Kon Tum wurde leider vom 28. bis 30. Juli unterbrochen. Ich erhielt glaubhafte Informationen, dass einige Personen, die ich treffen wollte, entweder unter intensiver Beobachtung standen, gewarnt, eingeschüchtert oder schikaniert wurden, oder durch die Polizei am Reisen gehindert wurden. Selbst diejenigen, denen es gelang, mich zu treffen, waren nicht frei von polizeilicher Überwachung oder Befragung. Darüber hinaus wurde ich selbst durch mir nicht angekündigte ‚Sicherheits- und Polizeiagenten‘ bezüglich meiner Aufenthaltsorte eng beschattet.” Er führt weiter aus: „Die Bedingungen, unter denen Individuen oder Gruppen ihre Religion oder ihren Glauben ausüben können, sind  willkürlich und hängen oft von dem Goodwill der staatlichen Behörden ab; letztendlich von den örtlichen Behörden. Darüber hinaus sehen sich Angehörige religiöser Minderheiten ohne offizielle Anerkennung weiterhin enormen Schwierigkeiten ausgesetzt, wenn sie ihre Rechte auf freie Ausübung ihrer Religion oder ihrer Glaubensüberzeugung wahrnehmen.”

Standhaft im Glauben

Pastor Steve: „Ich danke Ihnen, dass Sie die vietnamesischen Christen unterstützen. Dank Ihnen können wir an unserer Bibelschule zukünftigen Pastoren aus abgelegenen Regionen eine theologische Ausbildung anbieten. Danach kehren sie in ihre Heimatregion zurück und unterrichten ihre Gemeindeglieder in der Stammessprache. Viele von ihnen werden wiederum als Gemeindegründer in abgelegene Gebiete ausgesandt. Menschen finden zum Glauben an Jesus und neue Gemeinden entstehen. Das macht uns Mut und gibt uns Hoffnung, trotz widriger Umstände. Bitte beten Sie für uns. Gott segne Sie.”

 

Projektunterstützung HMK in Vietnam

 

Biblische Grundausbildung
100 vietnamesische Gemeindeleiter aus über 700 Gemeinden erhalten eine dreijährige theologische Ausbildung. Viele von ihnen sind Reisbauern und schon jahrelang als Gemeindegründer unterwegs. Doch oft fehlen ihnen fundierte Bibelkenntnisse, die sie mit dieser Ausbildung erhalten. Mit 40 Franken (32 Euro) können Sie einem Gemeindegründer die theologische Ausbildung einen Monat lang finanzieren.

Reisekosten eines Gemeindegründers
100 vietnamesischen Gemeindegründern finanzieren wir Reise- und andere durch den Dienst verursachte Kosten. Mit 60 Franken (48 Euro) pro Monat können Sie die Reisekosten eines Gemeindegründers abdecken.

Verfolgtenhilfe
Wir helfen mit medizinischer Soforthilfe, organisieren bei akuter Gefahr Zufluchtsorte und helfen beim Existenzaufbau.

Bau von Versammlungshäusern
Damit vietnamesische Christen sich zum Gottesdienst versammeln können, unterstützen wir sie beim Bau von Versammlungshäusern.

 

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

 

Radiointerview mit Pastor Steve

Pastor Steve aus Vietnam erzählt…

Ich bin ein Pastor aus Vietnam. Seit vielen Jahren bin ich mit Gott unterwegs. Ich war auch viele Jahre wegen meinem Glauben im Gefängnis. Meine Kirche wuchs in kurzer Zeit sehr schnell. Denn Gott hat viele Wunder unter uns gewirkt.

Viel Widerstand, grosses Wachstum

„Ich wurde zusammengeschlagen.” „Mein Mann wurde gerade inhaftiert.” Solche und ähnliche Telefonanrufe erhält der vietnamesische HMK-Projektpartner täglich. Die vietnamesische Regierung hat Angst, dass Christen das kommunistische System unterwandern könnten und setzt deshalb alles daran, sie zu überwachen und in Schach zu halten. Trotzdem berichtet er: „Menschen finden zum Glauben an Jesus und neue Gemeinden entstehen. Das macht uns Mut.“