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Türkei und die Turkvölker: Von der Familie verstossen, von Jesus geliebt

Als junger Muslim kam Eno zum Glauben an Jesus Christus, worauf er einerseits massive Verfolgung aus dem engsten Familienkreis erlebte. Andererseits fanden jedoch zahlreiche Menschen zu Jesus.

Eno wuchs in einer türkischen Familie auf. Als junger Muslim fand er zum Glauben an Jesus Christus. Als seine Mutter davon erfuhr, wollte sie ihn mit dem Küchenmesser erstechen. Heute ist er als Gemeindegründer in der islamischen Welt unterwegs.

hmk/Mai 2014 –Ich bin Eno und wuchs in einer türkischen Familie auf. Wie die allermeisten Muslime war auch meine Familie nicht strenggläubig. Als Kind beobachtete ich meine Mutter oft, wie sie abends den Koran las. „Was steht im Koran?”, frage ich sie. Sie antwortete: „Ich weiss es nicht.” Ich entgegnete: „Aber du liest ja darin”, und sie sagte: „Ja, ich kann zwar Arabisch lesen, aber ich verstehe die Bedeutung davon nicht.” Das war für mich seltsam und machte für mich keinen Sinn. „Es ist doch wichtig, dass du verstehst, was du liest, damit es auch einen Sinn ergibt für dich.” Doch sie meinte, dass bereits das Lesen selbst ein Segen sei.

Schulkollege leuchtete aus seinem Gesicht
So wuchs ich auf als ein Bub, der hungrig war nach der Wahrheit. Mit 14 Jahren kaufte ich mir einen Koran, da ich herausfinden wollte, was er lehrt, doch die Inhalte ergaben für mich keinen Sinn. Ich hab ihn dann enttäuscht zur Seite gelegt. In meinen Teenagerjahren gründete ich mit meinen Kollegen eine Rock’n’Roll Band. Die Musik wurde zu meiner „Religion”. Ich durchlebte wilde Jugendjahre und eiferte meinen weltlichen Idolen nach. Doch die Leere in mir wurde grösser und grösser.
Am ersten Tag in der Berufsschule begegnete ich Martin, einem meiner Schulkollegen. Als ich ihn anschaute, sah ich, wie er  im wahrsten Sinne des Wortes aus seinem Gesicht leuchtete. Ich fragte mich, was das bloss ist und ob das die anderen nicht auch sehen. Hatte er wohl etwas, was ich nicht hatte? Ich nahm ihn beiseite und sagte: „Du bist anders.” Er antwortete: „Ja, ich glaube an Jesus Christus.” Es imponierte mir, wie Martin zu seinem Glauben stand. Ich sagte: „Ich bin Muslim, ich habe den Koran gelesen und ich suche die Wahrheit”, worauf er mir ein Neues Testament gab. „Wenn du die Wahrheit suchst, dann lies das”, so Martin. „Das lese ich gerne”, sagte ich und dachte innerlich, dass ich ihm beweisen werde, dass dieses Buch korrumpiert, verfälscht, altmodisch und voller Widersprüche ist.

Gemeinschaft mit dem Schöpfer
Ich begann, heimlich in der Bibel zu lesen. Mir war bewusst, dass ich grosse Probleme bekommen würde, sollten mich meine Eltern dabei erwischen. Matthäus 5,4 ging wie ein Pfeil durch mein Herz: „Glücklich sind die Traurigen, denn Gott wird sie trösten.” Ich weinte, weil ich realisierte, dass der allmächtige Gott interessiert ist an mir und mich trösten will. Ich dachte: „Wow, jetzt habe ich etwas Spannendes entdeckt.” In meinem Leben begann ein dreijähriger Kampf.
Martin lud mich in seine Gemeinde ein, wo ich mit all meinen Bandkollegen hinging. Es war an einem Abend im Jahr 1991, als wir dort auf die Knie gingen und unser Leben Jesus übergaben. Es war ein Gnadenmoment, der mein Leben komplett veränderte. Ein Friede kam über mich, wie ich ihn noch nie zuvor erlebt hatte. Und diesen Frieden trage ich bis heute in mir.

„Sohn was ist mit dir passiert?”
Das war die schöne Seite meiner Entscheidung, doch es ging nicht lange, bis meine Mutter mich fragte: „Sohn, was ist mit dir passiert?” Voller Freude sagte ich: „Mami, ich bin Christ geworden.” Da verpasste sie mir eine Ohrfeige und begann auf mich einzuschlagen. Meine liebe Mutter, zu der ich so eine gute Beziehung hatte, war richtig rasend geworden. Sie kam mir vor wie eine andere Person. Mein Vater betrat den Raum und fragte, was los sei. Sie sagte: „Dein Sohn ist ein Kafir (ein Ungläubiger) geworden, ein Christ.” Dann ging auch mein Vater auf mich los und prügelte auf mich ein. Meine Mutter holte ein Küchenmesser und wollte mich erstechen, doch mein Vater hielt sie zurück. Ich wollte weglaufen, da schloss mein Vater die Türe ab: „Du rennst nirgendwo hin. Jetzt gehen wir alle ins Bett und morgen regeln wir die Sache.” Ich tat in dieser Nacht kein Auge zu. Am nächsten Morgen stand ich auf, fand den Schlüssel und verschwand.
Meine Eltern teilten mir nach einer Weile telefonisch mit, dass sie meine Entscheidung akzeptieren würden. Doch als ich nach Hause kam, eskalierte die Situation erneut und mir blieb nichts anderes übrig, als auszuziehen.

 

 

Als Secondo zwischen zwei Welten

Ich bin Eno, in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Meine Eltern sind ursprünglich aus der Türkei. Ich bin im Islam erzogen worden. Meine Eltern haben mir immer gesagt, dass es ein Privileg sei, dass ich in die beste und einzig wahre Religion hineingeboren wurde.

Das Verbreitungsgebiet der heutigen Turkvölker. Sie siedeln hauptsächlich von Osteuropa bis Zentralasien. / Quelle: „Metzler Lexikon Sprache”, erstellt durch Michael Postmann

Erweckung im Musikbunker

In unserem Musikbunker erlebten wir, wie jede Woche mehr Menschen zum Glauben an Jesus kamen. 30, 60, 100 Jugendliche – frisch von der Strasse, Freunde und deren Kollegen kamen in unseren muffigen Raum und spürten den Frieden und den Geist Gottes. So begann Gott, mit mir Gemeinden zu gründen, obwohl ich zuerst noch gar nicht wusste, was ich genau tat. Das ist heute noch meine Leidenschaft. Gott redete zu mir über meine Wurzeln und sagte: „Ich will, dass du zu den Menschen in der Türkei gehst und ihnen von Jesus Christus erzählst.”

 

Gott wirkt unter Muslimen

Das war vor über 20 Jahren. Seither war ich schon in mehr als 40 Ländern unterwegs. Ich hätte mir nie erträumt, was Gott aus meinem Leben machen kann. Ich darf heute miterleben, wie Muslime aus verschiedenen Nationen zum Glauben an Jesus kommen, wie ganze Nachbarschaften sich Ihm zuwenden und Hausgemeinden entstehen. In den letzten zehn Jahren kamen mehr Muslime zum Glauben an Jesus als in der ganzen Geschichte des Islam zuvor. Gott wirkt gerade massiv unter den Muslimen, aber viele zahlen dafür auch einen sehr hohen Preis. Sie verlieren ihre Arbeitsstelle und ihre Familien. Sie werden ins Gefängnis geworfen, gefoltert, getötet, vergewaltigt und ihre Häuser werden angezündet. Trotzdem sagen sie: „Mir ist das Gewaltigste passiert, was mir passieren kann: Ich habe Jesus kennengelernt.

 

Gemeindegründungsarbeit unterstützen

 

Eno hat heute wieder Kontakt zu seinen Eltern, jedoch verstehen sie seine Entscheidung bis heute nicht. Als Projektleiter der HMK ist er viel in der islamischen Welt unterwegs und ermutigt junge Gemeindegründer. Seine Reisen führen ihn auch immer wieder in Regionen, in denen Christen starker Verfolgung ausgesetzt sind. Doch in allem Leid erfahren diese Christen Gottes Nähe, Trost und Beistand und sind in ihrem Umfeld ein Zeugnis der Liebe Gottes.


Wenn Sie die Gemeindegründungsarbeit von Eno auf dem Herzen haben und Sie diese finanziell unterstützen wollen, dann lassen Sie uns Ihre Spende zukommen. Mit rund 200 Franken (160 Euros) pro Monat können Sie die Lebenshaltungskosten eines einheimischen Gemeindegründers samt Familie  abdecken.

 

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