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Türkei: „Drück ab! Ich weiss, wo ich hinkomme.“

August 2019 – Ein Militärkommandant hält Akgün* die Pistole an die Schläfe mit der Aufforderung, zum Islam zurückzukehren. Doch Akgün bleibt seinem Glauben an Jesus treu. Seit 20 Jahren ist er nun Gemeindegründer in seiner Heimat.

Türkischer Muslim findet Jesus

Ich komme aus der Türkei und bin ehemaliger Muslim. Ich habe Christus kennengelernt und gründe jetzt christliche Gemeinden.
Der Herr hat mein Leben verändert. Ich habe Ihn nicht gekannt, aber er hat mich gekannt. Ich war ein Mensch, der durch grosse Not ging. Ich habe viel geweint, hatte keine Hoffnung und wollte sterben. Aber der Herr hat mich gefunden. Eines nachts, in einem Traum, streckte der Herr Seine Hand nach mir aus und befreite mich von meiner Depression.

hmk. Plötzlich hatte ich Alpträume. Ich fing an, mich selbst zu hassen, suchte Hilfe bei Imamen, verrichtete meine Gebete, las den Koran, aber nichts veränderte sich. Auch der Arzt konnte mir nicht helfen. Nach einem Jahr war ich an dem Punkt, wo ich nicht mehr leben wollte. Ich brachte es jedoch nicht übers Herz, mir etwas anzutun. Ich betete: „Ich weiss, es gibt einen Gott. Nimm mir entweder das Leben oder heile mich.“

„Nur Jesus kann dich erlösen“
In der kommenden Nacht hatte ich wieder heftige Attacken. Plötzlich sah ich eine leuchtende Hand und eine Stimme sagte: „Hab keine Angst. Nimm meine Hand und du wirst erlöst.“ Dann sah ich eine Gestalt, die an mir vorbeihuschte. Es war ein Bekannter von mir, der an Jesus glaubt. Am nächsten Morgen ging ich zu ihm und fragte ihn, was das alles solle. Er zeigte mir die Stelle in der Bibel, wo Jesus Dämonen austrieb und Menschen heilte. „Nur Jesus kann dich erlösen“, meinte er. Ich antwortete salopp: „Mir ist egal, wer mich erlöst, aber jemand soll es tun.“
Ich besuchte eine Kirche, wo mir vier Männer die Hände auflegten und beteten. Da wich eine Last von meinem Körper. Das erste Mal seit einem Jahr konnte ich wieder lachen. Dieser für mich unbekannte Jesus hatte mich geheilt! So kam ich zum Glauben an Ihn. Meine Freundin war darüber völlig aufgebracht, entschied sich aber nach drei Monaten auch, Christus nachzufolgen. Ein Jahr später ebenso mein Bruder und meine Mutter und Dutzende weitere Menschen.

"Bist du Soldat oder Missionar?“
Im Militär bestand ich darauf, dass auf meiner Identitätskarte die Religionszugehörigkeit „Muslim“ durch „Christ“ ersetzt würde. Von nun an war ich Gesprächsthema. Ein Soldat schwärzte mich beim Kader als Missionar an. Um fünf Uhr morgens liess mich der Kommandant zu sich rufen: „Bist du Soldat oder Missionar?“ Meine Antwort: „Beides.“ Er verbot mir, zu missionieren. Ich stellte klar: „Wenn ich gefragt werde, dann gebe ich Antwort.“

„Tue Busse und werde wieder Muslim“
Der Kommandant fing an, wild auf mich einzuschlagen – eine Halbestunde lang, bis ich nicht mehr aufstehen konnte. Es war Winter, er zog mir mein Hemd aus und befahl: „Kriech im Schnee.“ Während ich kroch, schlug er mit dem Stock auf mich ein. Dann hielt er mir seine Pistole an den Kopf: „Tue Busse und werde wieder Muslim.“ Ich begann zu weinen, als ich hinter dem Kommandanten Jesus sah, der zu mir sprach: „Sei mutig mein Sohn, ich bin mit dir.“ Ich sagte dem Kommandanten: „Drück ab! Ich weiss, wo ich hinkomme.“ Er schlug mir mit der Pistole auf den Kopf und zwei Soldaten trugen mich, mittlerweile bewusstlos, weg. Als ich wieder zu mir kam, betete ich für den Kommandanten und segnete ihn. Dadurch kamen meine beiden Kameraden zum Glauben und weitere folgten. Diese 15 Monate in der Armee waren für mich eine gesegnete und lehrreiche Zeit.

„Kommt raus, wir lynchen euch“
Nach dem Militär heiratete ich. Wegen meines Glaubens verstiess uns die Familie meiner Frau. Wir begannen, Hauskirchen zu gründen. Eines Tages stürmte die Polizei unsere Wohnung. Sie verhörten mich und einen Freund von mir, zeigten uns Fotos von unseren Hauskirchentreffen. Sie hatten uns schon seit langer Zeit beschattet. Wir kamen vor Gericht. Vor dem Gebäude zettelte eine Menschenmenge einen Tumult gegen uns an und die Medien berichteten über uns. Die Wohnung wurde mir gekündigt und ich verlor meine Arbeitsstelle. Freunde hielten sich fern von mir.

Am Tag unserer dritten Gerichtsverhandlung wurden in Malatya in Ostanatolien drei Christen auf grausame Weise ermordet. Dabei handelte es sich um einen Deutschen und zwei Türken, die ich gut kannte. Unter Polizeischutz verliessen wir an diesem Tag das Gerichtsgelände. Demonstranten schlugen auf unser Auto ein und riefen: „Kommt raus, wir lynchen euch.“ Unsere Gefängnisstrafe wurde schliesslich halbiert und in eine Busse umgewandelt. Doch die Richter drohten uns im Wiederholungsfall mit Gefängnis.

Wo kein Risiko ist, ist kein Glaube
Ich fragte Gott, warum wir so viel Not zu erdulden haben. „Auf diese Weise lernst du mir nachzufolgen“, war Seine Antwort. Damals hätte ich die Möglichkeit gehabt, nach Kanada auszuwandern. Als ich Gott fragte, was Er davon halte, meinte Er: „Mein Sohn, vertraust du Kanada oder mir?“ So blieb ich in der Türkei – bist heute. Vor über 20 Jahren wollte ich meinem Leben ein Ende setzen. Jetzt lebe ich zur Ehre Gottes.

 

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Türkei – Unerschrockene Jesus-Nachfolger

Akgün und sein Team tauften im vergangenen Jahr 50 Menschen und weitere Taufen sind geplant. Neue Gemeinden entstehen, doch der Widerstand ist Realität. Innerhalb von vier Jahren war Akgün 20 Mal vor Gericht. Er meint: „Mit diesen Angriffen sollen wir eingeschüchtert werden, damit wir das Land verlassen. Doch wir bleiben.“

Inzwischen sprach Akgün schon im britischen Parlament über Menschenrechte und hat die armenisch-türkische Versöhnungsbewegung mitinitiiert. „Wir werden gebraucht, wir wollen Zeugnis geben und wir verstecken uns nicht. Unser Ziel ist es, dass die Gemeinde Christi in der Türkei wächst und wir immer mehr Menschen zum Bau von Gottes Reich finden, ausrüsten und aussenden.“

Mit rund 250 Franken (210 Euro) können Sie einer Person die 3-monatige Gemeindegründerausbildung in der Türkei ermöglichen.

Es ist die Liebe Gottes für ihre Mitmenschen, die Akgün und sein Team in der Türkei antreibt, und sie nehmen dabei auch schwierige Lebensumstände in Kauf.
Foto: © HMK / Symbolbild