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Türkei: Die Mörder zu je dreimal lebenslänglich verurteilt

Die Witwe von Tilmann Geske, Susanne Geske, am Grab ihres Mannes. Quelle: ideaBild

Drei Christen wurden im Jahr 2007 im osttürkischen Malatya brutal ermordet. Ende September 2016 wurden die Täter zu je dreimal lebenslänglich verurteilt und verhaftet.

idea. mec. Bonner Querschnitte/ Dezember 2016 - Mehr als neun Jahre nach den Morden an drei Christen im osttürkischen Malatya hat ein dortiges Gericht die fünf Hauptangeklagten am 28. September 2016 zu jeweils dreimal lebenslanger Haft verurteilt. Sie wurden des vorsätzlichen Mordes für schuldig befunden. Der Prozess zog sich über 115 Verhandlungstage hin. Trotz des Strafmasses von je drei Mal lebenslänglich wurden die Täter vorerst nicht in Haft genommen, sondern sollten weiterhin nur mit elektronischen Fussfesseln im sogenannten Hausarrest bleiben. Doch tags darauf, am 29. September 2016, wurden die erstinstanzlich verurteilten Mörder auf Antrag der Staatsanwaltschaft doch verhaftet. Es bestehe Fluchtgefahr und die Täter hätten in der Vergangenheit immer wieder gegen Auflagen des Hausarrests verstossen, argumentierte die Staatsanwaltschaft.

Gefesselt, gefoltert, Kehlen durchgeschnitten
Die muslimischen Extremisten hatten am 18. April 2007 den deutschen evangelischen Theologen Tilmann Geske sowie die einheimischen Christen Ugur Yüksel und Necati Aydin umgebracht. Die beiden Einheimischen arbeiteten im christlichen Zirve-Verlag, Tilmann Geske teilte sich mit ihnen ein Büro. Die Täter hatten ihre Opfer gefesselt, gefoltert und ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Die Polizei nahm die damals 19- bzw. 20-jährigen Männer noch am Tatort fest. Sie gaben religiös-nationalistische Motive für ihre Bluttat an.

14 Angeklagte wurden freigesprochen
Insgesamt waren 21 Verdächtige im Zusammenhang mit dem Verbrechen angeklagt worden. Zu ihnen gehörten ein Oberst und ein Major, die zu 13 Jahren und neun Monaten bzw. 14 Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt wurden. Sie sollen Dokumente gefälscht und Geheimnisverrat begangen haben. 14 Angeklagte sprach das Gericht frei. Im März 2014 waren die fünf Hauptangeklagten aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Grund war eine vom türkischen Parlament beschlossene Gesetzesänderung, wonach die Untersuchungshaft nicht länger als fünf Jahre dauern darf. Die Beschuldigten standen bis zu ihrer erneuten Verhaftung am 29. September 2016 unter Hausarrest.

Viele Drahtzieher der Tat ohne Strafe
Vertreter der evangelischen Gemeinden in der Türkei und die Witwe des Mordopfers Tilmann Geske, Susanne Geske (Buch „Ich will keine Rache“: Das Drama von Malatya, Brunnen Verlag), zeigten sich sehr erleichtert, dass die Mörder verhaftet wurden. Unverständlich sei aber, so Geske, warum nicht auch gleich die beiden verurteilten Militärs inhaftiert wurden. Auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea sagte Geske zudem, sie sei enttäuscht, dass zahlreiche Hintermänner der Tat nicht verurteilt worden seien. Diese hätten die Mörder zu ihrem Verbrechen angestachelt. Das Gericht selbst erklärte in seinem Urteil, es sei davon auszugehen, dass es Hintermänner gebe. In den neun Jahren sei es jedoch nicht gelungen, sie zu überführen. Das erstinstanzliche Urteil kann bis vor die höchste gerichtliche Instanz weitergezogen werden.