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Thailand: Hinter dem Schleier der Religionsfreiheit

Obwohl thailändische Christen in ihrem Land eine kleine Minderheit sind, können sie sich in Freiheit versammeln.

hmk./März 2013 – Man hört kaum einmal von Gewalt gegen Christen in Thailand, wo fast 95 Prozent der Bevölkerung offiziell dem Buddhismus angehören. In Thailand herrscht gemäss Verfassung Religionsfreiheit und Christen ist es erlaubt, Gottesdienste zu feiern und zu predigen. Den Thai ist es auch erlaubt, ihre Religion zu wechseln. Daraus kann aber nicht geschlossen werden, dass eine Konversion vom Buddhismus zum Christentum unproblematisch ist. Wie aus Medienberichten deutlich wird, ist mit Religion verbundene Gewalt in Thailand nicht gänzlich unbekannt. So sollen buddhistische Mönche Gewalt gegen separatistische Muslime malaiischen Ursprungs nicht nur dulden, sondern sich bisweilen sogar aktiv daran beteiligen. In Thailand ist jedoch weder von den Behörden noch von einer gesellschaftlichen Gruppierung bekannt, dass sie Christen verfolgen würden. Selbst die Organisation der Mönche, die Sangha, spricht gewöhnlich nicht gegen Christen.


Mangel an sozialer Akzeptanz
Trotz offizieller Religionsfreiheit bleibt die Zahl der Christen in Thailand unter einem Prozent. An diesem Beispiel zeigt sich, dass fortschrittliche, in der Verfassung verankerte Grundrechte sowie religiöse Harmonie allein nicht zwingend ein Umfeld für religiöse Freiheit schaffen. Religionsfreiheit beinhaltet nämlich auch die soziale Akzeptanz von Konversionen (Wechsel von einer Religion zu einer anderen). Das ist eine zentrale Voraussetzung für Reiligionsfreiheit. Und genau hier liegt die Herausforderung in Thailand.

Die HMK fragte einige Christen in Thailand, ob Christen in ihrem Land wegen der buddhistischen Mehrheit Nachteile erleiden. „Das hängt davon ab, wo sie leben“, antwortete Suteeka, die für ein christliches Medienhaus im Norden Thailands arbeitet. „Christen aus buddhistischem Hintergrund sind an denjenigen Orten vermehrt mit Problemen konfrontiert, wo es nicht viele oder fast gar keine Christen gibt“, sagte sie weiter. „Für sie ist es schwieriger, akzeptiert zu werden. Manchmal müssen sie sogar ihre Familien oder Wohnorte verlassen.”

Eine andere christliche Medienschaffende, die anonym bleiben möchte, sagte, Konvertiten hätten es vor allem in ländlichen Gebieten sehr schwer, wo „sich die Neuigkeit rasch verbreitet“. Wer Christ wird, werde oft verächtlich als „Ausländer“ betrachtet. Im Volksdenken sei ein Thai eben ein Buddhist. Das Christentum und andere Glaubensbekenntnisse werden als ausländische Religionen angesehen. Der Buddhismus dagegen wird als die kulturelle Kraft betrachtet, welche die Thais an ihre Gemeinschaft bindet. Die kulturelle Kontinuität wird als unschätzbares Kapital gesehen und als Grund dafür, dass das Land nie kolonialisiert wurde. Daher wird eine Konversion weg vom Buddhismus als eine Ablehnung des kulturellen Erbes des Landes aufgefasst. Die Thai glauben, der Buddhismus sei für die Nationen in Südostasien und das Christentum für die Nationen im Westen. Für sie hängt die Religion von der Kultur ab, in die man hineingeboren wurde.

Die Förderung der nationalen Identität durch die Religion und ihre Politisierung haben dazu geführt, dass die Thai mehr und mehr zu Namensbuddhisten werden, die den Buddhismus eher als kulturelle denn als spirituelle Angelegenheit sehen. Die Anzahl Christen im Land ist wohl höher als offiziell angegeben (0,7 Prozent), da viele Thai aus Furcht vor Ablehnung ihren Bekannten gar nicht mitteilen, dass sie zum Glauben an Jesus Christus gefunden haben. Wir haben jedoch Informationen, dass sich ein Wandel abzeichnet: Junge Menschen sind häufiger bereit, auch in der Öffentlichkeit dazu zu stehen, dass sie Christ geworden sind. Es gibt thailändische Christen, die sich um diese Menschen kümmern und sie ermutigen, trotz ihrem neuen christlichen Glauben innerhalb ihrer Kultur zu bleiben und dort ein Zeugnis für ihre Mitmenschen zu sein. Diese Menschen sind der Beweis dafür, dass das Christsein nicht auf eine bestimmte Kultur begrenzt ist, sondern alleine eine Sache der persönlichen Überzeugung und Entscheidung ist: Ein Thailänder kann Thai und gleichzeitig Christ sein.

Im von der HMK unterstützten Agape Heim erhalten HIV-positive Kinder mit häufig traumatischen Vorgeschichten ein neues Zuhause.

 

HMK-Projekte in Thailand

Bildung für Flüchtlingskinder
Als HMK unterstützen wir an der Grenze zu Myanmar (Burma) zwei Schulen für burmesische Flüchtlingskinder. Die grosse Mehrheit der Flüchtlinge sind Angehörige ethnischer Minderheiten, unter denen viele Christen sind. Ihre Kinder haben in Thailand kein Anrecht auf einen Platz im Erziehungswesen. Dank unserer Unterstützung erhalten zurzeit 100 Kinder eine Schulbildung in burmesischer Sprache. Zudem werden auch die Fächer Thai und Englisch unterrichtet, damit sie sich in Thailand integrieren können und schluss-endlich eine Arbeit finden, von welcher sie leben können. Weil burmesische und auch thailändische Mädchen ethnischer Minderheiten diese Schule besuchen können, haben sie eine Zukunftsperspektive und können vor dem Menschenhandel bewahrt werden.

Mit bereits 50 Franken (40 Euro) kann ein Kind die Schule einen ganzen Monat besuchen. Darin sind auch die Personalkosten für die Lehrer und die Kosten für den Gebäudeunterhalt enthalten.

Agape Heim für HIV-positive Kinder
Schon seit zehn Jahren unterstützen wir im Norden Thailands das Agape Heim für HIV-positive Kinder. Im christlich geprägten Umfeld erleben die Kinder, die oft sehr traumatische Vorgeschichten haben, eine von Liebe geprägte Jugendzeit.

Bereits mit rund 40 Franken (32 Euro) im Monat können Sie einem Kind den Aufenthalt im Agape Heim ermöglichen. Dazu gehören die ganze Betreuung, das Essen und die medizinische Versorgung.

Aus- und Weiterbildungsangebote für Erwachsene
Unsere lokalen Partner bieten verschiedene Bildungsprogramme für Erwachsene an. So treffen sich zum Beispiel die Lehrer einer Region und absolvieren einen Weiterbildungskurs. Diese Seminare sind sehr beliebt und fördern zudem die zwischenmenschlichen Beziehungen. Oftmals werden unsere Partner auch auf ihren christlichen Glauben angesprochen und es konnte schon so manches wertvolle Gespräch geführt werden.

Helfen Sie uns finanziell, unsere Partner bei diesen Bildungsprogrammen zu unterstützen?

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