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Syrien/Irak: „Traumatisiert warten sie auf ein besseres Leben”

Die Familie der 9-jährigen Maream und ihres Bruders harrt seit zwei Jahren in einem Flüchtlingslager aus.

hmk./Januar 2016 – Die HMK-Mitarbeiterin Tamara besuchte syrische Flüchtlingslager im Libanon. Wie hat sie diese Zeit erlebt?

Tamara, wie waren die Zustände, was hast du angetroffen?
Menschen, die seit Jahren in Zelten leben, auf Teppichen oder dünnen Matratzen schlafen und ihr Essen – sofern sie welches haben – auf kleinen Kochherden zubereiten. WC-Anlagen gibt es nur wenige. Oft sind die Frauen mit den Kindern alleine, da die Männer – falls sie nicht im Krieg umkamen – einer Arbeit nachgehen. Die meisten Menschen sind traumatisiert und warten auf ein besseres Leben.

Du hast viele Geschichten gehört. Welche lässt dich nicht mehr los?
Wir waren mit einer Frau unterwegs, die in den Flüchtlingscamps Bildungsangebote für die Kinder ermöglicht, also Schulen gründet. An einem Ort lud uns ein 9-jähriges Mädchen namens Maream (Foto)zum Tee in ihr Zelt ein. Ich fragte die Mutter, ob ihre Kinder heute zur Schule gehen. „Nein, ich schicke meine Kinder nicht zur Schule, da wir bald nach Syrien zurückgehen“, antwortete sie. Später erfuhr ich, dass diese Familie schon seit zwei Jahren im Flüchtlingscamp ausharrt und nach Syrien zurück möchte. Leider ist dies nicht realistisch. Familien mit der gleichen Hoffnung haben wir viele angetroffen.

Inwiefern konntest du helfen?
Ich war mit einem medizinischen Team unterwegs, das die Notleidenden kostenlos behandelt. Während die Frauen – viele von ihnen Muslimas – auf ihre Untersuchung im Zelt warteten, haben wir ihnen angeboten, für sie zu beten. Alle haben das Angebot dankend angenommen. Die Hilfswerke, die vor Ort aktiv sind, geben ihnen zwar Nahrungsmittel und Hilfsgüter, aber nur wenige Menschen setzen sich mit ihnen hin und interessieren sich für sie.

Wie hat sich dein Denken, was die Flüchtlingsthematik angeht, durch deinen Einsatz nahe der syrischen Grenze verändert?
Für mich hat sich bestätigt, dass es am sinnvollsten ist, die Flüchtlinge in ihrer Heimat zu unterstützen, wie wir es als HMK machen. Die Unterschiede zwischen der arabischen und der westlichen Kultur sind riesig und eine Integration bei uns wäre schwierig und aufwändig. Nun sind aber zahlreiche Menschen auf der Flucht in Richtung Westen, sehnen sich nach einem sicheren und besseren Zuhause. Ich frage mich, ob wir sie mit christlicher Nächstenliebe empfangen?

Gibt es etwas, das du uns zum Schluss noch mitteilen möchtest?
Wir waren oft mit den einheimischen Christen unterwegs und ich habe erlebt, mit welcher Leidenschaft und Hingabe sie Jesus nachfolgen. Diese Leidenschaft wünsche ich auch uns Christen im Westen. Mir wurde neu bewusst, dass diese Christen meine Glaubensgeschwister sind. Wir sind ein Leib, eine Familie. Es darf uns nicht egal sein, wie es ihnen geht. Stehen Sie im Gebet und auch finanziell für unsere Geschwister im Nahen Osten ein!

Die HMK versorgt in Syrien und im Irak im Auftrag der gemeinnützigen Stiftung Hoffnungsnetz regelmässig rund 40‘000 Inlandflüchtlinge mit Hilfsgütern. Mit 90 Franken (85 Euro) unterstützen Sie eine Flüchtlingsfamilie einen Monat lang mit Nahrungsmitteln.

Mehr Informationen:
www.verfolgt.ch / www.hoffnungsnetz.ch

 

 

Grusswort aus dem Nordirak

Hallo! Liebe Grüsse aus Erbil, Nordirak

Wir danken für alle Hilfe und Unterstützung von den Kirchen weltweit und in Europa. Wir danken Ihnen für alle Gebete für unser Land. Die Situation ist nicht gut für die Christen. Wenn Sie helfen wollen: Die Familien überlegen sich, das Land zu verlassen. Das kann verhindert werden...

Ausharren trotz Krieg

Der Bürgerkrieg tobt. Das Elend wächst. Über vier Millionen Menschen sind bisher aus Syrien geflohen, die Hälfte sind Kinder. Neun Millionen sind in Syrien selbst auf der Flucht – die Hälfte der Bevölkerung. Drei Millionen sind es im Irak.