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Syrien/Irak: Neue Perspektive in Jesus

Mai 2019 - Meyan* wurde von IS-Kämpfern vergewaltigt und versklavt. Ihren Mann und ihre 4-jährige Tochter sah sie nie wieder. Heute sagt die junge Frau: „Mein Leben hat einen Sinn. Ich bin wertvoll.”

 hmk. Meyan ist Mitte Zwanzig und Jesidin, Angehörige einer religiösen Minderheit im Nordirak, die seit Jahrhunderten verfolgt wird. Meyan und ihr Mann hatten drei Kinder, zwei Mädchen (1- und 4-jährig) und einen Jungen (2-jährig). Als der IS ihr Dorf einnahm, flohen sie in die Berge, aber sie wurden bald gefangen genommen. Der IS trennte die Familien nach Frauen und Männern, und alle Kinder über sechs Jahre wurden an Waffen und im Kämpfen ausgebildet. Die schönsten jungen Frauen wurden ausgesondert und ein IS-Kämpfer nahm Meyan für sich, während ein anderer das ältere Mädchen nahm und es einer kinderlosen Familie gab. Meyan weinte und schrie nach ihrer Tochter, aber sie schlugen sie, bis sie bewusstlos wurde. Dann sperrten sie sie mit den beiden kleineren Kindern ein und liessen sie hungern. Später wurde sie an einen anderen Mann verkauft. Sie musste zusehen, wie eines Tages ein Mann vor ihr und den Kindern enthauptet wurde, weil er beschuldigt wurde, ein Spion zu sein. Meyan wurde noch mehrmals verkauft und vergewaltigt.

Ermöglichen Sie traumatisierten Menschen Zukunftshoffnung! Symbolbild: Foto: © HMK


Hilflos und ohne Zukunft
Meyan war nicht die Einzige. Auch andere Frauen berichten von Vergewaltigung, Versklavung und Zwangsehen. Junge Frauen wie Meyan wurden IS-Kämpfern als Frauen gegeben oder sie wurden für blosse 100 US-Dollar als Sklavinnen verkauft. Einmal waren Meyan und ihre Kinder Zeugen, wie IS-Kämpfer einen Mann von einem Gebäude hinabstürzten. Er war sofort tot, aber das schreckliche Geschehen prägte sich tief in ihr Gedächtnis ein. Als dann die kurdischen Truppen in das Gebiet eindrangen, wurden Meyan und ihre Kinder befreit, aber ihren Mann und ihre ältere Tochter sah sie nicht wieder. Sie lebten in verschiedenen Flüchtlingslagern, bis sie schliesslich bei Verwandten Unterschlupf fanden. Die körperlichen Zeichen von Hunger und Missbrauch verschwinden zwar langsam, jedoch die emotionalen und seelischen Wunden ihrer Erlebnisse heilen nur sehr langsam. Meyan fühlte sich isoliert, hilf- und zwecklos.

„Das Nähen hat mir geholfen, neues Leben zu entdecken”
Eine Verwandte machte Meyan auf einen Nähkurs aufmerksam. Freudig lernte sie neue Fähigkeiten und etwas Greifbares zu produzieren wie neue Kleidung für ihre Kinder. Sie genoss die Gemeinschaft und dass sie Zeit mit anderen Frauen verbringen konnte, von denen viele ähnliches durchgemacht hatten wie sie. Nach und nach begann Meyan, sich in der sicheren Umgebung dieser kleinen Gemeinschaft zu öffnen. Nähen ist für sie nicht nur etwas, was ihr Spass macht, sondern auch so etwas wie Therapie. Es gibt ihr etwas Konkretes zu tun, statt herumzusitzen und sich hilflos zu fühlen, und sie bekommt einen neuen Lebenssinn. Und im Nähkurs lernt sie nicht nur das Nähen, sondern sie hört auch das Evangelium und kann Menschen beobachten, die Jesus nachfolgen. Diese scheinen einen Frieden zu haben und einen Lebenssinn, nach dem sie sich sehnt. In der Folge entschliesst sich Meyan, ihr Leben Jesus zu übergeben. Heute sagt Meyan: „Ich habe Freude und Frieden wie nie zuvor.“

Über einheimische Projektpartner versorgt die HMK in Syrien und im Irak regelmässig mehr als 40’000 Bedürftige mit dem Lebensnotwendigen. Foto: © HMK

 

Ein neues Bewusstsein für Wert und Lebenszweck
Durch die Möglichkeit zur beruflichen Bildung wie das Nähprojekt erlangen Frauen jeden Alters wertvolle Fähigkeiten, Kleidung und verschiedene Artikel für ihre Familien und Freunde zu nähen. Einige entwickeln diese Fähigkeiten weiter und stellen Kleidung her, die verkauft werden kann, und verschaffen so etwas Einkommen für die Familie. Durch das gemeinsame Nähen entwickeln sie auch ganz neu einen Sinn für Gemeinschaft und neue Perspektiven. Sein ganzes Leben hindurch hat Jesus beiden, Frauen und Männern, einen Sinn für Würde und Lebenszweck vermittelt. Durch berufliche Ausbildung möchten wir als HMK einen kleinen aber signifikanten Beitrag dazu leisten, dass Frauen alles entdecken, was Jesus für sie bereit hat, so dass sie ein neues Bewusstsein für ihren Wert und Lebenszweck bekommen.

Mit CHF 80.– (€ 65.–) können Sie einer Frau wie Meyan die Kosten zur Teilnahme an einem 8-wöchigen Nähkurs finanzieren und ihr damit eine berufliche Ausbildung ermöglichen.

Mit CHF 90.– (€ 75.–) ermöglichen Sie einen Monat lang die Unterstützung einer ganzen Familie mit dem Nötigsten (Essen, Kleidung, Decken, ärztliche Versorgung).

*Name aus Sicherheitsgründern geändert.

Syrien/Irak – Die Zeit danach

hmk. Territorial gesehen ist der IS zwar besiegt, doch die Sicherheitslage ist nach wie vor äusserst labil und die humanitäre Lage prekär. In Syrien geht die Krise nun in ihr achtes Jahr. Es gab zwar in verschiedenen Landesteilen weniger Gewalt, aber die Folgen des langwierigen Bürgerkrieges seit März 2012 sind stark zu spüren. Gemäss Schätzungen hat ein Drittel der Bevölkerung nicht genug Nahrung. Im Irak hat die Regierung nach fast vier Jahren Krieg gegen den IS den Krieg Ende 2017 für beendet erklärt. Doch halten sich weiterhin IS-Kämpfer versteckt und verüben sporadisch bewaffnete Angriffe. Es kommt auch immer wieder zu kleinräumigen Flüchtlingsbewegungen, und die fehlende Infrastruktur (Zufahrtsstrassen, Sicherheit, medizinische Versorgung) sowie die immense Armut (Mangel an Wasser, Nahrung, Obdach und Verdienstmöglichkeiten) erschweren die Rückkehr von Binnenflüchtlingen in ihre angestammten Regionen.