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Syrien/Irak: 5-jähriger Yusuf – „Weisst du, wo Mama ist?”

Yusuf hat seine Familie verloren. Er und weitere Flüchtlinge erhalten Nahrungsmittel von den lokalen Partnern der HMK.

hmk/März 2015 – Yusuf hat in Mossul miterlebt, wie seine Familie von der IS-Terrormiliz verschleppt wurde. Nun sitzt er auf dem kalten Boden in einem Flüchtlingslager im Nordirak.

Der fünf-jährige Yusuf starrt mit seinen grossen dunklen Augen auf eine junge Frau, die vor ein paar Stunden neu ins Flüchtlingslager gekommen ist. Bewegungslos sitzt er auf dem kalten Boden. Er hat keine Socken und Schuhe. Dafür trägt er ein paar zerrissene Hosen, die viel zu kurz sind für diese kalte Jahreszeit. Blass und mit ausdruckslosem Gesicht sitzt der kleine Yusuf da. Er zittert vor Kälte und klappert mit den Zähnen.

Suche nach Geborgenheit
Als Yasmina, eine junge Frau, ihn sanft an der Schulter berührt, kommt er zögernd näher und lehnt seinen Kopf an sie. Erinnert sich Yusuf an sie? Er scheint nach Aufmerksamkeit zu hungern, nach Liebe, nach einer zarten Berührung. Er sieht scheu zu Yasmina auf, dann streckt er plötzlich seine dünnen Ärmchen empor: Er möchte in die Arme genommen werden.

Yasmina zieht ihn an sich und umarmt dieses stille Kind. Sie schaut sich suchend um und fragt: „Wo ist seine Mutter?” „Yusuf ist eins unserer Waisenkinder”, antwortete Mariam, eine Frau, die schon seit Monaten hier im Lager lebt. „Wir kennen nur seinen Namen, denn er hat kein Wort gesprochen, seit er hierhergekommen ist.“

Schockiert und unter Tränen streichelt Yasmina das dunkle Haar des Kindes. Sie kann einfach nicht glauben, dass das, was sie eben gehört hat, wahr sein soll. Während sie den einsamen kleinen Jungen noch enger an sich drückt, fliessen ihre Tränen. Sie flüstert ihm ins Ohr: „Mein kleiner Liebling…. Erinnerst du dich noch an mich? Ich bin Yasmina und war eure Nachbarin in Mossul. Ich ging nach Dohuk, bevor all dies Schreckliche geschah.”

Grosse Männer haben Mama wehgetan
Plötzlich schaut Yusuf zu ihr auf und fragt aufgeregt: „Weisst du, wo meine Mama ist? Hast du sie mitgebracht? Ist sie hier? Ich möchte zu meiner Mama… Ich sah, wie grosse Männer ihr wehgetan haben. Sie hat geschrien. Ich wollte zu ihr laufen und ihr helfen, weil Papa auf dem Boden lag und ihr nicht helfen konnte. Aber jemand packte mich und schlug mich mit einem grossen Stock. Ich hatte Angst. Niemand hörte mich, niemand tröstete mich, als ich weinte. Warum hat Mama mich verlassen? Und warum hat Papa ihr nicht geholfen? Und warum kann ich nicht nach Hause? Hier gefällt es mir nicht. Ich möchte wieder bei meiner Familie zu Hause sein. Ich vermisse meine Mama und meinen Papa. Und wo sind meine Schwestern? Hast du sie gesehen?“ Ob Yasmina eine Antwort hat? „Erinnerst du dich noch, Yusuf? Sag mir, wer kam in euer Haus?“

Seine schwarzen Augen sind traurig, aber langsam und zögernd beginnt Yusuf nach einem langen Augenblick zu erzählen: „Böse Männer mit einer schwarzen Fahne, mit Gewehren und Messern. Sie brüllten laut, als sie ins Haus kamen. Einer schleppte meine Schwester Marwa weg. Sie kreischte gellend und versuchte, sich kräftig zu wehren und zu verteidigen. Sie trat um sich und kämpfte. Aber dieser böse Mann war stärker als sie und schleppte sie weg… Meine ältere Schwester Noor wurde auch von einem anderen brüllenden Mann weggezerrt. Sie schrie und schlug um sich, aber niemand konnte ihr helfen. Ich weiss nicht, wo sie jetzt ist und warum sie nicht kommt und mich heimbringt. Meine Brüder Mansur und Habib wurden mit dem Gewehr gezwungen, mit diesen Männern mitzugehen. Ein Mann brannte Habib mit einer Zigarette, als er versuchte, wegzulaufen… Wo ist meine Mama? Ich will meine Mama wiederhaben.” Abrupt hört er auf zu reden. Er schluchzt leise.

Tränen in den Augen
Yasmina presst ihn eng an sich und versucht, ihn zu trösten, während ihr die Tränen über die Wangen rollen. All das scheint so unerträglich zu sein. Sie trauert mit diesem unschuldigen Jungen über den Verlust ihrer Freunde und Nachbarn. Auch Mariam ist erschüttert und hat Tränen in den Augen. Sie blickt auf das traurige Bild und schüttelt schmerzerfüllt den Kopf. Sie hat zwar schon viele tragische Schicksale gehört, aber es geht ihr immer noch zu Herzen.

Yasmina sitzt noch sehr lange mit Yusuf im Arm auf dem kalten Boden. Aber sie spürt die Kälte nicht, weil ihr Herz brennt. Die Frau weiss: Yusuf braucht, wie viele andere Waisen und Halbwaisen auch, warme Kleidung, Decken, medizinische Versorgung und tägliche Mahlzeiten. Aber sie brauchen auch unbedingt Liebe, Fürsorge und eine Menge Gebet, damit sie all das Erlebte verarbeiten können und neue Hoffnung schöpfen.

Denn ich allein weiß, was ich mit euch vorhabe: Ich, der Herr, werde euch Frieden schenken und euch aus dem Leid befreien. Ich gebe euch wieder Zukunft und Hoffnung.

Jeremia 29,11

Flüchtlingshilfe Syrien/Irak

Über einheimische Partner leistet die HMK in Syrien und im Irak Nothilfe (markierte Gebiete). Regelmässig erhalten in Syrien 20‘000, im Nordirak 16‘000 und im Grossraum Bagdad 4‘000 Inlandflüchtlinge Essenspakete, medizinische Betreuung, Kleidung und Zuflucht.

Die HMK ist innerhalb des Hilfswerkeverbands „Hoffnungsnetz“ verantwortlich für die Flüchtlingsarbeit in Syrien und im Irak. Dank langjähriger Kontakte zu einheimischen Projektpartnern ist eine rasche und wirkungsvolle Unterstützung möglich. Können die Flüchtlinge mit Ihrer Hilfe rechnen?


Mit 90 Franken (85 Euro)
Unterstützen Sie eine Flüchtlingsfamilie einen Monat lang mit Nahrungsmitteln.

Mit 150 Franken (143 Euro)
finanzieren Sie einer Flüchtlingsfamilie ein Hilfspaket (warme Kleidung, Decken, Heizmaterial).

Mehr Informationen: www.hmk-aem.ch / www.hoffnungsnetz.ch

Grusswort aus dem Nordirak

Hallo! Liebe Grüsse aus Erbil, Nordirak

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