Startseite > Projekte > Projektländer > Sri Lanka: Ringen um Akzeptanz

Sri Lanka: Ringen um Akzeptanz

Das Gebet sei für die Christen in Sri Lanka zentral, so der zuständige HMK-Projektleiter. Er war kürzlich auf Projektbesuch auf der Insel im Indischen Ozean.

 

Tom, seit bald 15 Jahren bereist du Sri Lanka. Was fasziniert dich an diesem Inselstaat?
Die Gastfreundschaft der Menschen und ihre Geschichten und die abwechslungsreiche Küche, die mit dem runden Fladenbrot und Curries stark an die indische Küche erinnert. Mir gefallen die vielfältigen Landschaften vom Urwald bis hin zu Trockengebieten. Die Wege führen durch wunderschöne Nationalparks mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt.


Welche Begegnung bleibt dir besonders in Erinnerung, wenn du an deine kürzliche Projektreise zurückdenkst?

Die Zeit mit Pastor Ranas (Name geändert). Für ein Gebetstreffen von vier Stunden nahm er zwölf Stunden Anreise in Kauf. Um die 1‘500 Personen wurden an jenem Freitagabend erwartet. Doch es erschienen dann mehr als 4‘500. Verschiedene Denominationen gestalteten das Treffen. Ranas erzählte mir voller Begeisterung davon. Er ist einer von vielen, die dem Gebet einen hohen Stellenwert einräumen. Gebet für das Land, für die Nöte der Menschen und für die Gemeinden.

Foto: ©HMK

Die Situation für ethnische und religiöse Minderheiten – und damit auch für die Christen – hat sich in Sri Lanka in den letzten Jahren zusehends verschlechtert. Warum?

Die Gründe sind politischer sowie religiöser Natur. Mitte November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten gewählt. Die Situation für regierungskritische Personen hat sich seitdem dramatisch verschlechtert. Am Ostersonntag 2019 erlebte Sri Lanka einen der weltweit grössten koordinierten Terroranschläge seit dem 11. September. Islamische Extremisten verübten mehrere Selbstmordanschläge auf Ziele, zu denen auch Kirchen gehörten. Fast 300 Menschen kamen ums Leben, die meisten davon Christen. Sri Lanka hat eine Verfassung, die dem Buddhismus einen bevorzugten Status verleiht. Kirchen werden häufig von Nachbarn abgelehnt und lokale Beamte zusammen mit Mönchen fordern deren Schliessung. In ländlichen Gebieten wird die christliche Minderheit teilweise nicht mehr toleriert. Die Beerdigung ihrer Toten auf dem öffentlichen Friedhof wird ihnen verwehrt. Die Ausgrenzung der Christen schüchtert die an Jesus interessierte Dorfbevölkerung ein. Sie braucht Mut, sich mit Christen zu treffen oder diese zu sich einzuladen. Jugendliche werden von Mönchen beauftragt, Besuche von Fremden umgehend zu melden. Pastor Kunras (Name geändert) Besuch bei einer schwer kranken Frau verdeutlicht dies. Sie war Hindu und bat ihn um Gebet. Er besuchte sie. Da kam ein Mob, angeführt vom lokalen Mönch. Unter Androhung von Gewalt zwangen sie Pastor Kunra, das Dorf zu verlassen. Er sei nicht erwünscht und wenn jemand Gebet brauche, so könne im Tempel für ihn gebetet werden.

Wie engagiert sich die HMK?

Wir leisten bedürfnisgerechte Soforthilfe für Gewaltopfer oder schicken Anwälte. Ohne rechtliche Unterstützung werden Gewalttäter oftmals nicht zur Rechenschaft ge-zogen und Opfer sogar als Schuldige verhaftet. Die Durchsetzung der Rechtsprechung verhilft den Be-troffenen zum Recht, und oft kann auch eine Wiedergutmachung für den erlittenen Schaden erwirkt werden. Diese Hilfe wird von unseren Projektpartnern landesweit und gemeindeübergreifend koordiniert. Leiter und Pastoren verschiedener Gemeinden treffen sich regelmässig zum Gebet, für Schulungen, zum Austausch und zur Planung von gemeinsamen Anlässen. Diese Treffs schaffen einen starken Zusammenhalt und fördern die gegenseitige Unterstützung.


Gab es für dich unterwegs einmal eine heikle Situation?

Ja, als ich mit unserem Projektpartner unterwegs war zu einem Treffen mit einem Pastor. Er macht Einsätze in Dörfern. Wegen Alkoholsucht und Gewalt war er lange im Gefängnis. Nun erzählt er Dorfbewohnern, wie Jesus ihm ein neues Leben geschenkt hat. Das Interesse ist gross, doch schon mehrmals wurde ihm der Zugang zu Dörfern verwehrt. Unser Treffen war in einem Restaurant vorgesehen. Aus Sicherheitsgründen mussten wir dann aber kurzfristig den Treffpunkt ändern. Wir fuhren ihm entgegen und trafen ihn dann in einem dünn besiedelten Gebiet. Er stieg zu uns ins Auto, wo wir ungestört reden konnten.

Foto: ©HMK

Gemeindegründung

Gemeindegründer verdienen mit ihrem erlernten Beruf einen Teil ihres Lebensunterhalts. Wenn sie sich in einem neuen Gebiet niederlassen, erhalten sie eine Starthilfe oder während drei Jahren monatlich 80 Franken (70 Euro).

 

Verfolgtenhilfe

Angreifer zerstören Gebäude und verletzen Pastoren oft schwer. Pastor Gunakra (Name geändert) verlor durch Schläge mit Stangen auf den Kopf das Gehör an beiden Ohren. Die Operation des einen Ohrs stellte die Hörfähigkeit teilweise wieder her. Die Operation des anderen Ohrs steht noch bevor. Deren voraussichtliche Kosten betragen 1'300 Franken (1130 Euro).

 

Rechtshilfe

Anwälte intervenieren bei Behörden und vor Gericht. Sie sind die Stimme der Verfolgten und begleiten sie juristisch. So kommen inhaftierte Opfer frei und widerrechtliche Erlasse wie Versammlungsverbote werden rückgängig gemacht. Die Kosten pro Fall bewegen sich zwischen 150 und 1'000 Franken (130 und 1'150 Euro).

Foto: ©HMK