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Sri Lanka: „Ich spreche für die, die keine Stimme haben”

Ein sri-lankischer Pastor, der zusammengeschlagen wurde. Gewalttätige Übergriffe haben in den letzten Jahren alarmierend zugenommen.

hmk./September 2014 – Miriam* setzt sich in ihrer Heimat Sri Lanka für verfolgte Christen ein. Hier gibt sie Ihnen einen Einblick in ihre Arbeit.

 

Miriam, wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?
Ich bin Anwältin und spreche für die Menschen, die keine Stimme haben und Gerechtigkeit suchen, für Menschen, die unterdrückt sind und deren Rechte mit Füssen getreten werden. In den letzten Jahren hat Gewalt gegen Christen in Sri Lanka auf alarmierende Weise zugenommen. Ich setze mich vor allem für die verfolgte Kirche ein.

Wie sieht die Situation der Christen in Ihrem Land aus?
Vor allem evangelische Christen durchleben eine schwierige Zeit. Allein 2013 gab es 103 dokumentierte Vorfälle von Gewalt oder Einschüchterung gegen Christen. Dieses Jahr sind bis jetzt (Juni 2014) 48 Vorfälle gemeldet. Der allgemeine Zerfall von Recht und Ordnung und eine Kultur der Straflosigkeit haben sehr zu dieser Situation beigetragen.

Auf die Christen wird enormer Druck ausgeübt, damit sie Kirchen schliessen oder an keinen Gottesdiensten mehr teilnehmen. Pastoren werden bedroht. Selbst Einzelpersonen, die in ihren Wohnungen Gebetstreffen abhalten, haben Drohungen erhalten oder sind sogar von der örtlichen Polizei aufgefordert worden, mit den Gebetstreffen aufzuhören. Am stärksten sind die Christen in ländlichen Gebieten betroffen. Sie fühlen sich isoliert und fürchten sich. Viele haben Angst, sich am Sonntag zum Gottesdienst zu versammeln.

Was für Möglichkeiten haben Sie, ihnen zu helfen?
Einerseits können wir ihnen eine Stimme geben, da sie sonst nicht gehört werden. Wir vertreten sie vor Gericht, appellieren an die Autoritäten, Gesetze zu ändern, die Politik und gesellschaftliche Praktiken zu ändern. Um als Rechtsbeistand erfolgreich zu sein, müssen wir uns bemühen, sehr gut zu recherchieren und die Vorgänge zu verfolgen und zu überwachen. Wir bieten auch Opfern juristischen Beistand und vertreten sie vor Gericht. Ausserdem bieten wir Schulungsseminare für Pastoren und Gemeindeleiter an, die in einer feindlichen Umgebung leben, und informieren sie über ihre Grundrechte.

Andererseits leisten wir ganz praktische Hilfe. Wir glauben, dass es nicht ausreicht, sich nur für die Rechte der Opfer einzusetzen, wenn ihre unmittelbaren Nöte nicht sofort gelindert werden. Wenn sie zum Beispiel hungrig oder obdachlos sind. Daher sorgen wir für Nothilfe und für die medizinische Versorgung von Opfern der Gewalt. Wir helfen beim Wiederaufbau von zerstörten Kirchen und kümmern uns um die Schulbildung von Kindern verfolgter Christen.

Was sind Ihre grössten Herausforderungen?
Die korrupten und ungerechten Strukturen sind frustrierend und verhindern effiziente Hilfe. Wenn unrechtmässig Partei ergriffen wird oder man blind ist, was Verbrechen und eklatante Gewalt angeht, ist das niederschmetternd. Meistens hat man das Gefühl, in einer verlorenen Schlacht zu kämpfen. Aber wir wissen, dass Gott gerecht ist, und daher vertrauen wir auf Ihn. Es ist eine Herausforderung, in einer vorherrschenden Atmosphäre von Gewalt und Hass arbeiten zu müssen. Gegen Ungerechtigkeit aufzustehen ist nicht populär.

Was motiviert Sie zu dieser Arbeit?
Das Wissen, dass die verfolgte Kirche Gott am Herzen liegt und dass Er mich berufen hat. Als Mensch werde ich aber leicht frustriert bei dieser Arbeit, weil man ständig mit Leid und Ungerechtigkeit konfrontiert wird, und es scheint kein Ende zu finden. Doch allein schon einer Person geholfen zu haben, macht mir wieder Mut.

Haben Sie ein Beispiel?
Ein buddhistischer Mob – auch Mönche – umringten eine Kirche und drohten dem Pastor mit Schlägen, wenn er als Christ das buddhistische Dorf nicht verlasse. Der Pastor wurde von der Polizei vorgeladen, und auch sie riet ihm, das Dorf zu verlassen. Dann wandte sich der Pastor an mich, ich schrieb einen offiziellen Brief an das regionale Polizeirevier und appellierte an die Durchsetzung des Verfassungsrechts – dass jeder sri-lankische Bürger überall im Land das Recht hat, zu leben und seinen Glauben auszuleben. Das zeigte Wirkung und die Polizei informierte die buddhistischen Mönche über die Situation. Der Pastor war überglücklich und wird seither in Ruhe gelassen.

Was wünschen Sie sich für Ihr Land, für Ihr Volk?
Dass wahrer Friede und Gerechtigkeit für alle herrschen. Die Freiheit, Gott zu dienen und nach seiner eigenen Überzeugung zu leben, ohne Gewalt oder Diskriminierung fürchten zu müssen. Vor allem aber wünsche ich mir, dass jeder Mensch in meinem Land die Liebe Gottes, unseres Vaters, erfahren möge.

*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Miriam: „ Allein schon einer Person geholfen zu haben, macht mir wieder Mut.” (Symbolbild)

Konkrete Hilfe für verfolgte Christen in Sri Lanka

Über lokale sri-lankische Projektpartner wie Miriam engagieren wir uns als HMK:

Verfolgtenhilfe
Gewaltopfer erhalten medizinische und seelsorgerliche Betreuung sowie Nahrungsmittel. Zerstörte Versammlungslokale werden wieder aufgebaut. Gemeinden, die sich wegen Androhung von Gewalt oder wegen Zwangsschliessung von Lokalen im Untergrund versammeln müssen, werden ermutigt und finanziell unterstützt.

Gemeindebau
Einheimische Gemeindegründer und Pastoren werden ausgebildet, wodurch die Gemeinden gestärkt werden.

Rechtshilfe
Die Rechte diskriminierter und verfolgter Christen werden vor Gericht eingefordert, damit Täter verurteilt und Opfer entschädigt werden. Zur Rechtshilfe gehört auch die Einflussnahme auf diskriminierende Bestimmungen.

Mit 120 Franken (96 Euro) pro Monat können Sie die durchschnittlichen Reisekosten eines Gemeindegründers in Sri Lanka finanzieren und zu seinem Lebensunterhalt beisteuern. Tragen Sie unser Engagement in Sri Lanka finanziell mit?

Projektvideo Sri Lanka