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Sri Lanka: Die Perle im Indischen Ozean hat tiefe Risse

August 2016 - Das mehrheitlich buddhistische Sri Lanka hat eine Schattenseite: Mönche zerstören Kirchen vor den Augen der machtlosen Obrigkeit. Hass und Intoleranz gegenüber Christen nehmen zu, und dennoch wächst die Zahl der einheimischen Christen.

Christlicher Leiter aus Sri Lanka erzählt… Teil 1

Ich bin ein Christ aus Sri Lanka und habe einen buddhistischen Hintergrund. Ich lernte Jesus kennen, als ich etwa 18 Jahre alt war. Heute bin ich stark in der Kirche engagiert, besonders unter den verfolgten Kirchen.


Nicht zuletzt wegen der portugiesischen und später niederländischen und britischen Kolonialzeit betrachtet die buddhistische Mehrheitsbevölkerung in Sri Lanka das Christentum als westliche Religion. „Die sri-lankischen Christen sind heute mit Problemen konfrontiert, deren Ursache auf die damalige Zeit zurückgeht. Wir werden in unserem eigenen Land als Fremde angesehen“, bedauert Theologe und Gemeindegründer Jayantha*. „Viele unserer Mitmenschen sehen nicht ein, warum Singalesen Christen sein sollten“, bilanzierte er am HMK-Referententag in Thun.

Die Verfassung des Landes verspricht zwar Religionsfreiheit. Gibt es Streitigkeiten, werden diese aber durch die „Public Order“ geregelt, um den Frieden beizubehalten. „Das klingt für westliche Ohren gut. Kommt es nun aber in einem Dorf zum Unfrieden, wird vor Ort von einer buddhistischen oder hinduistischen Mehrheit entschieden. In den letzten vier Jahren wurden sämtliche Baugesuche christlicher Gemeinden abgelehnt, auch von solchen, die schon seit 200 Jahren existieren.“

 

 

Gemeindemitarbeitende an einem Schulungsseminar in Sri Lanka. Foto: © HMK


„Das sind Prostituierte“
2004 wurde das „Anti-Konvertierungs-Gesetz“ erlassen. Es wird angewendet, wenn jemand verdächtigt wird, den Buddhismus zu verlassen. „Wenn ein Christ einer bedürftigen Person hilft, kann dies bereits als Konvertierungsversuch gedeutet werden“, erklärt Jayantha. Dann erzählt er von einem drastischen Fall. „Vier christliche Frauen lebten in einem Gebäude, in dem auch eine Kirche beheimatet war. Plötzlich tauchten 40 Männer auf. Sie versuchten, die vier Frauen zu vergewaltigen und auszurauben. Die Männer schleppten sie mitten in der Nacht zwei Kilometer weit mit. Ein Tumult entstand und die Polizei kreuzte auf. Sofort ergriffen die Entführer das Wort: „Wir haben vier Prostituierte in unserem Dorf aufgegriffen!“ Die vier Frauen wurden ins Gefängnis gesteckt – nicht die Entführer, obschon die Frauen der örtlichen Polizei bestens bekannt waren. Die Frauen wurden später freigelassen, doch der Fall kam nie vor Gericht.

Mob zerstört Kirchengebäude
Bei seinem Besuch in der Schweiz zeigt Jayantha das Video eines sri-lankischen TV-Senders. Zu sehen ist, wie Mönche vor einer Kirche demonstrieren. Mit grimmigen Blicken, aber in Unterzahl, steht ihnen eine Handvoll Polizisten gegenüber. Zwar gelingt es den Ordnungshütern, den Sturm auf die Gemeinde zu verhindern. Doch die Mönche lotsen die aufgebrachte Menschenmenge zu einer anderen Kirche und hier müssen Christen und Beamte machtlos zusehen, wie das Gebäude verwüstet wird. „Die Buddhisten Sri Lankas sehen sich als Hüter des wahren Buddhismus. Eine Reformation fand nie statt.“

Der Mann, der den Sturm stillt
Doch mitten in der Verfolgung wachse die Gemeinde Jesu, freut sich Jayantha und erinnert sich an Pastor Shamsher*. „Als er ermordet wurde, führte seine Frau die Kirche weiter. Es ist eine von vielen Gemeinden, die wachsen.“ Nach wie vor tobe ein Kampf zwischen Singalesen und Tamilen sowie zwischen Hindus und Buddhisten. Doch die Kirche biete Hoffnung. Jayantha: „Viele in Sri Lanka glauben an das Karma. Wenn es einem schlecht geht, fragt man sich, ob man noch im Willen der Götter lebe.“ Da habe Jesus die Antwort. „Er war mit den Jüngern im Boot, als es stürmte, und kümmerte sich um sie. Mit Jesus im Boot stirbt man nicht. Der Mann, der die tobende See von Galiläa zum Schweigen brachte, kann auch den Sturm auf der Perle im Indischen Ozean stillen.“

Jayantha ist lokaler HMK-Partner. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sonntag der verfolgten Kirche“ war er zu Vorträgen in der Schweiz.

Autor: Daniel Gerber, livenet
Quelle: ideaSpektrum 06.2015
*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Zerstörte Kirche: Eine Atmosphäre von Hass und Gewalt stellt Christen in Sri Lanka vor grosse Herausforderungen. Foto: © HMK

Stärkung der einheimischen Christen in Sri Lanka

Mit unseren einheimischen Projektpartnern in Sri Lanka pflegen wir als HMK eine langjährige, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Auf diese Weise ist es uns möglich, benachteiligten Christen vor Ort bedürfnisgerechte Hilfe zukommen zu lassen:

Rechtshilfe
Angegriffene Christen erhalten juristische Unterstützung von Anwälten. Die Täter sollen nicht straffrei bleiben, sondern gerichtlich verurteilt werden. Das hat Signalwirkung und schreckt potenzielle Täter ab.

Soforthilfe für Verfolgte
Opfer von Gewalt werden medizinisch versorgt, erhalten Nahrungsmittel und Hilfe bei der Traumabewältigung. Kirchengebäude, die zerstört wurden, werden wiederaufgebaut. Bei Zwangsschliessungen von Versammlungslokalen oder Gewaltdrohungen verhelfen wir den Betroffenen zu neuen Lokalitäten.

Gemeindebau
Durch biblisch-theologische Ausbildung von zurzeit 50 im Dienst stehenden Mitarbeitenden und Pastoren sowie der Unterstützung von 15 Gemeindegründern werden einheimische Gemeinden in Sri Lanka gestärkt.

Stehen Sie den Christen in Sri Lanka bei? Zum Beispiel mit 120 Franken (110 Euro) können Sie die theologische Ausbildung für einen sri-lankischen Pastor in seiner Heimat finanzieren.

Christlicher Leiter aus Sri Lanka erzählt… Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Ich bin ein Christ aus Sri Lanka und habe einen buddhistischen Hintergrund. Ich lernte Jesus kennen, als ich etwa 18 Jahre alt war. Heute bin ich stark in der Kirche engagiert, besonders unter den verfolgten Kirchen.