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Palästinensische Gebiete: Vom Saulus zum Paulus im Nahost-Konflikt

In seiner Jugend tötete Taysir Abu Saada Juden. Heute leitet er Entwicklungsprojekte zur Versöhnung. Besucher seines Vortrags zeigten sich ergriffen.

August 2015 -
Mucksmäuschenstill ist es im Saal der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) in Sarnen. Da steht einer am Rednerpult, der einen radikalen Wandel in seinem Leben vollzogen hat. „Taysir Abu Saada erzählt aus seinem sehr bewegten Leben“, kündigt ihn Hannes Aeschlimann, Pastor der FEG Obwalden, an.
Auf Englisch erzählt der 64-Jährige seine Geschichte, übersetzt wird er von Rolf Rupp von der HMK, die den Vortrag organisiert hat.

Kollegen nannten in „Schlächter”

Mit 17 trat Taysir, genannt „Tass“, der Fatah bei, der stärksten Fraktion innerhalb der PLO. In ihm hat sich Wut gegen die Juden aufgestaut. „Ich habe mich entschieden, für mein Land zu kämpfen“, erzählt er. Was genau er in dieser Zeit erlebt hat, umschreibt Saada nur allgemein. Seine Kollegen hätten ihn damals als „butcher“, als „Schlächter“ beschrieben. Immer höher stieg er auf in der Hierarchie des Militärs, bis er von Fatah-Gründer Jassir Arafat persönlich ausgewählt wurde für eine Ausbildung als Heckenschütze. „Es wurde ein Haufen Blut vergossen“, sagt Saada kurz.

Durch bessere Ausbildung noch effektiver gegen Israel zu kämpfen, dies ist 1974 seine Motivation für die Einwanderung nach Amerika. Die Heirat mit einer Amerikanerin sichert ihm das Bleiberecht. Saada studiert Wirtschaft und internationalen Handel und verdient sein Geld als Tellerwäscher in einem Restaurant. Dort lernt er Charlie Sharp, einen Gast, kennen und 19 Jahre später durch ihn Jesus Christus.

Anderer Blick auf Nahost-Konflikt
Tass Saada entscheidet sich für ein Leben mit Jesus. Ein Bibelstudium ändert seine Einstellung zu Israel: „Ich begriff, dass Gott das Land den Juden gegeben hat.“ Aber auch die „Fremden“ sollten darin einen gleichwertigen Teil des Landes bekommen, stehe in Hesekiel 47. Fazit Saadas heute: „Gott ist ein gerechter Gott.“
„Vom Saulus zum Paulus“ – diesen Vergleich verwendet Taas Saada selbst und erzählt von der erstaunten Frage einer Vortragsbesucherin vor wenigen Tagen in einem anderen Ort der Schweiz, die wissen wollte, ob er so selbstverständlich davon ausgehe, allein durch die Gnade der Vergebung Jesu Christi errettet zu sein. Daran glaube er fest, lautete seine Antwort.

Seit 2003 ist Saada zurück in seiner Heimat. Statt wie früher Jugendliche als Soldaten auszubilden, hat er mit seiner Familie (seine Frau Karen habe übrigens zu ihm gehalten und ihm vergeben) HMK-Entwicklungsprojekte aufgebaut und leitet sie: einen Kindergarten in Jericho und einen Versöhnungskindergarten für jüdische und palästinensische Kinder in Jerusalem, Englisch und Computerkurse für Jugendliche sowie Startup- und Einkommenshilfen. Gelder, die über eine Eier- und Hühnerfarm, den Betrieb eines Restaurants und über ein Trinkwasser-Brunnenprojekt hereinkommen, sichern diese Vorhaben.
Ob er von seiner Familie oder von der Hamas verfolgt werde, wollte einer der Zuhörer wissen. Saada bestätigte, dass er mehrfach habe um sein Leben bangen müssen. Als er die Eltern besuchte, habe er zu seinem Bruder gesagt: „Gib mir 15 Minuten, ich will noch Mutters und Vaters Kopf küssen, dann kannst du mich umbringen.“ Den bewaffneten jüngeren Bruder küsste Tass auf die rechte Seite seines Halses – in seiner Kultur das Zeichen für Unterordnung. Der Vater entliess ihn mit den Worten: „Ich glaube, Allah hat dich für einen besonderen Weg berufen.”

Quelle: Marion Wannemacher,
Neue Luzerner Zeitung, 21.05.2015


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Tass Saada (links) und Rolf Rupp von der HMK am 19. Mai 2015 in der Freien Evangelischen Gemeinde (FEG) Obwalden.

Aus Mörder wird Friedensstifter

Geboren wurde Taysir Abu Saada, genannt Tass, 1951 im Gazastreifen. Von dort wanderten seine Eltern aus nach Saudi-Arabien, später nach Katar. Mit 17 trat er in die Fatah ein und kämpfte für Arafat. Später wurde er zum Heckenschützen ausgebildet. 1974 wanderte Saada nach Amerika aus, wo er sich 19 Jahre später zum christlichen Glauben bekehrte und lernte, den Nahost-Konflikt aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Heute leistet der lokale HMK-Partner Versöhnungsarbeit in seiner alten Heimat und lebt in Jericho.