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Pakistan: Viele christliche Flutopfer in Pakistan noch obdachlos

Vor allem christliche Flutopfer leben seit über einem Jahr in provisorischen Unterkünften.

Viele im südlichen Teil der Provinz Punjabs lebende Christen, die bei den Überschwemmungen im vorigen Jahr ihr Heim verloren, bleiben heimatlos, obgleich ein Plan der Regierung Punjabs vorsieht, Einwohnern des Gebietes Land zuzuweisen.

 

dic./November 2011 – Hameed Masih, ein Einwohner von Kot Addu im Distrikt Muzaffargarh, sagte, die Provinzregierung habe noch kein Kontingent an Land an Minderheiten verteilt, die durch die verheerenden Überschwemmungen seit Ende Juli 2010 obdachlos geworden sind. Die Regierung hat mit vier Plänen in Kot Addu begonnen, laut denen rund 435 Grundstücke zu je fünf Marlas (140m2) an Leute verteilt werden sollten, die ihr Eigentum verloren hatten. Im Juli 2011 bekamen einige Leute Land zugewiesen, aber – wie Hameed Masih sagte –bis jetzt hat kein Mitglied einer Minderheit Land bekommen.


„Die Christen in diesem Gebiet sind nicht reich”, sagte Masih weiter. „Sie haben ihre Häuser und ihr Land in den Fluten verloren und sollten eigentlich ein Kontingent von 5% bekommen. Es wäre sehr leicht, Flutopfer anzusiedeln, aber man befolgt einfach nicht das Quotensystem, und auf diese Weise hat kein Angehöriger der Minderheit Land zugewiesen bekommen.“ Auch die Verteilung der Hilfsgüter sei am Anfang unfair gewesen. „Es gab anfänglich Probleme, aber dann protestierten die Angehörigen der Minderheiten und das Problem wurde gelöst.“ Masih sagte weiter, dass die christlichen Familien in seinem Dorf monatliche Zuschüsse von der Regierung bekommen.


Wer nicht zahlt, steht vielleicht nicht auf der Liste

Die Liste der obdachlosen Menschen wurde von lokalen Beamten aufgestellt, die es nicht auf faire Weise taten, meinte ein anderer Christ, Sarwar Masih. Er sagte, er habe kein eigenes Land, und arbeite als Tagelöhner, aber sein Name sei nicht in die Liste der Patwari, der Grundbuchbeamten, eingetragen worden. „Die Patwaris waren verpflichtet, unsere Namen nach oben zu melden, aber die Namen derer, die sie ‚nicht glücklich machen konnten’ (durch Bestechung), wurden nicht in die Liste eingetragen“, sagte er. „Mein Name war nicht auf der Liste, daher besteht keine Hoffnung, dass ich Land bekomme, obgleich ich als Flutopfer alle Kriterien erfülle.”


Zu den Gebieten, wo Grundstücke verteilt wurden, gehören Gurmani Sharki, Jandeer Dueaja, Chak 568 und Chowk Sarwar Shaheed. Es gibt hier rund 8'500 eingetragene Wähler aus Minderheiten, meist Christen und Hindus bei einer totalen Minderheitenbevölkerung von etwa 18'000 Menschen.
Ein anderer Christ, Wasim, der ein Minderheiten-Koordinator in Kot Addu ist, sagte: „Einige Leute, die unter diesem Plan Grundstücke zugewiesen bekamen, haben eine Menge Ressourcen und Land bekommen, wogegen diejenigen, die kein Eigentum haben, ignoriert werden.“ Er sagte weiter, dass eine Person, die bereits 22 ha Ackerland besass unter dem Wiederaufbauplan der Regierung noch mehr Ackerland zugewiesen bekam.


Napoleon Qayyum, ein Aktivist für die Rechte von Minderheiten und Leiter des Minderheitenflügels der Pakistan People’s Party, sagte, dass gemäss der Verfassung bei allen Regierungsplänen Pakistans Minderheiten ein Quotum von 5% zugewiesen werden muss, und dass sich die Regierung von Punjab auch an diese Quoten halten sollte. Auf diese Beschwerde hin erklärten die Beamten der Lokalverwaltung, dass sie nicht direkt den Wideraufbau nach der Flut leiteten, und fügten hinzu, dass die Grundstücke durch ein Lotterieverfahren an heimatlose Menschen vergeben würden.


Chaudhry Ehsanul Haq Nolatia, ein lokales Mitglied der Provinzial-versammlung aus Kot Addu, sagte, man habe ein Komitee gebildet, das die Zuweisung untersuchen solle. „Es stimmt nicht, dass die Regierung keine speziellen Kontingente für Minderheiten im Plan habe, aber die Grundstücke seien durch ein Losverfahren zugeteilt worden,“ sagte er. Er meinte weiter, er werde das Problem vor das Parlament von Punjab bringen.
Die Überschwemmungen durch die Monsunregen hat die Provinzen Punjab, Sindh, Khyber Pakhtunkhwa und Belutschistan sowie das Indus-Becken betroffen und etwa ein Fünftel der Landfläche Pakistans überflutet. An die 2'000 Menschen starben und rund 20 Mio. Menschen verloren ihre Lebensgrundlage, ihr Eigentum oder andere Infrastruktur in den Fluten.