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Pakistan versagt, wenn es um den Schutz der Christen geht

Durch eine Berufsausbildung erhalten junge pakistanische Christen eine Zukunft in Würde.

Für pakistanische Christen wird das Leben in ihrer Heimat zunehmend unzumutbar. Die Regierung vermag dies nicht zu verhindern,  im Gegenteil. Als HMK ermutigen wir unsere pakistanischen Glaubensgeschwister, damit sie nicht resignieren, sondern selbst Hoffnung verbreiten.

hmk./Juli 2015 - „In Pakistan gibt es eine ansteigende Welle religiöser Verfolgung durch den Staat und durch Militante“, stellen Katrin Lantos Swett, Vorsitzende der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (United States Commission on International Religious Freedom USCIRF) und ein weiteres Mitglied ihrer Kommission fest. In dem Bericht, den sie kurz nach ihrem Aufenthalt in Pakistan im März 2015 publizierten, führen sie weiter aus: „Pakistans Blasphemie-Gesetz verstösst auf extreme Weise gegen die Menschenrechte. Die Kommission weiss von 40 Menschen, die wegen Blasphemie zum Tode oder zu lebenslanger Haft verurteilt sind. (…) Das Gesetz schürt Gewalt gegen religiöse Minderheiten wie Christen, Hindus und Ahmadis.“

Todesstrafe bei Gotteslästerung
Das Blasphemie-Gesetz (Strafe bei Gotteslästerung) ist seit 1986 im pakistanischen Gesetz verankert. Es besagt, dass jeder, der sich gegen den Propheten des Islam oder gegen den Koran äussert – sei es in Worten, durch Gesten oder schriftlich – mit dem Tod zu bestrafen ist. Vergebung ist keine Option. Der pakistanische HMK-Partner Umar* meint dazu: „Fast jedes Mal, wenn Christen wegen angeblicher Blasphemie verhaftet werden, sind die Anschuldigungen persönlich motiviert und man will ihnen etwas anhängen.“ Das bestätigt Pakistans Zentrum für Rechtshilfe (Centre for Legal Aid, Assistance and Settlement CLAAS): Anschuldigungen wegen Blasphemie seien oftmals motiviert „aus dem Wunsch des muslimischen Anschuldigers, sich zu rächen“ und „belanglose persönliche Streitereien abzurechnen.“ Das Gesetz ist extrem gefährlich, weil es keine Klausel gibt zur Bestrafung derjenigen, die das Gesetz absichtlich missbrauchen (z.B. durch falsche Anschuldigungen oder falsche Zeugenaussagen). Einziger Trost: Bis heute wurde noch kein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt.


Der wohl bekannteste Blasphemie-Fall ist derjenige von Asia Bibi. Die fünffache Mutter schöpfte als mittellose Landarbeiterin auf Anweisung eines Landbesitzers Wasser für die Feldarbeiterinnen. Diese weigerten sich zu trinken, weil das Gefäss durch die Christin „unrein“ geworden sei. Die Feldarbeiterinnen beschuldigten Bibi der Gotteslästerung, worauf Hunderte Muslime Bibis Haus überfielen und auf sie, ihren Mann und ihre Kinder einschlugen. 2009 wurde sie der Blasphemie angeklagt und Ende 2010 erstinstanzlich zum Tode verurteilt. Der Oberste Gerichtshof der Provinz Punjab  bestätigte im Oktober 2014 in Lahore die Todesstrafe gegen die pakistanische Christin (HMK berichtete letztmals in der verfolgt-Ausgabe Dezember 2014). Asia Bibi harrt in der Todeszelle aus und hofft trotz allem auf ihre Freilassung.

Selbstjustiz bei blosser Anschuldigung
Umar: „Der ehemalige Gouverneur hat den Fall untersucht und offiziell im Fernsehen erklärt, dass Asia Bibi nicht schuldig ist. Doch manchmal haben die Richter Angst vor den Extremisten. Wenn sie nämlich in einem solchen Fall jemanden für nicht schuldig erklären, drohen ihnen die Taliban mit dem Tod oder damit, ihre Kinder zu entführen. Daher haben sie Angst, gerecht zu richten. Menschen wie Asia Bibi sind Opfer dieser Einschüchterung und des Terrors. Viele Christen sind wegen der blossen Blasphemie-Anschuldigung schon umgebracht worden. Kürzlich wurde ein Ehepaar wegen angeblicher Blasphemie in das Feuer einer Ziegelbrennerei geworfen und verbrannt.”


Doch schlimmer als der Missbrauch des Blasphemie-Gesetzes ist für Christen die tägliche Verfolgung. Diese reicht von Nachteilen im Berufsalltag über Entführungen, Zwangsbekehrungen, Zwangsheirat bis hin zu Anschlägen. Laut einem Bericht der Bewegung für Solidarität und Frieden in Pakistan (Movement for Solidarity and Peace in Pakistan) werden in Pakistan jedes Jahr Hunderte christlicher Mädchen und Frauen entführt und dann gezwungen, zum Islam zu konvertieren und ihre muslimischen Entführer zu heiraten. Ausser den einheimischen christlichen Netzwerken, zu denen auch Pastor Umar gehört, haben die pakistanischen Christen keine Freunde in ihrer Heimat, auf die sie zählen können.


*Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Pakistanische Christen ermutigen

Trotz schwierigen Umständen sollen Pakistans Christen eine Lebensperspektive in ihrer Heimat haben. Das ist das Anliegen unserer pakistanischen Partner vor Ort und dabei unterstützen wir sie:

Berufsausbildungen
Junge Christen erhalten eine Ausbildung mit anschliessendem Praktikum. Ihren Interessen und Begabungen entsprechend werden sie gefördert, damit es ihnen nach zwei Jahren möglich ist, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Eine solche Ausbildung mit Praktikum ist bereits mit 350 Franken (330 Euro) möglich.

Hilfe für Verfolgte
Werden Christen Opfer von Gewalt, versorgen wir sie medizinisch. Erhalten sie Todesdrohungen, helfen wir ihnen bei der Flucht und betreuen sie an einem sicheren Ort. Bereits mit 200 Franken (190 Euro) ist eine wirkungsvolle Soforthilfe möglich.

Urdu Bibeln
Das Interesse und die Nachfrage nach Bibeln sind gross und durch gemeinsames Gebet werden viele Menschen ermutigt. Bereits mit 50 Franken (47 Euro) können wir zehn Urdu Bibeln beschaffen.

Gemeindegründer
Diejenigen Christen, die ein Anliegen für ihre Mitmenschen haben und ihren Mitmenschen von der Liebe Jesu erzählen wollen, unterstützen wir, indem wir uns mit rund 120 Franken (114 Euro) pro Person und Monat an ihren Reise- und Lebenshaltungskosten beteiligen.•

Verfolgte pakistanische Christen werden mit dringend benötigten humanitären Gütern versorgt.