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Pakistan: Eingesperrt und gefoltert – wegen angeblicher Gotteslästerung

Adnan Prince (26) wird der Blasphemie (Gotteslästerung) bezichtigt und sitzt zurzeit im Gefängnis „Lahore District Jail” in Haft.

wwm./Februar 2014 – Adnan Prince (26) kam am 7. Oktober 2013 während seiner Arbeit in einem Diamanten-Laden in Lahore (Pakistan) ein Exemplar eines kontroversen Buches in die Hände. Titel: „Ich fragte die Bibel warum der Koran angezündet wurde.” Prince begann zu lesen und sich Notizen zu machen. Sein muslimischer Kollege Abid Mehmood bemerkte das, ging am nächsten Tag zum Polizeiposten und beschuldigte Prince der Blasphemie (Gotteslästerung): „einige Seiten markiert, mit abfälligen Worten gegen den Propheten des Islam.”

Hals über Kopf geflohen
Als Prince mitbekam, dass er der Blasphemie bezichtigt wurde, floh er Hals über Kopf und tauchte unter. Denn auf Verunglimpfung des Propheten Mohammed steht in Pakistan die Todesstrafe. Aber Prince betont seine Unschuld: „Dieses Buch enthält Inhalte, die ich nicht teile, es sind sogar falsche Informationen über das Christentum enthalten. Ich machte mir lediglich Notizen mit Bibelreferenzen, aber keine abfällige Bemerkungen.”

 

Nachdem Prince geflohen war, wurden sein Bruder, seine Mutter, seine Tante und sein Onkel  verhaftet. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie nicht freigelassen würden, bis Prince wieder auftaucht. Seiner Familie zu liebe meldete sich Prince am 6. November 2013 bei der Polizei. Er wurde wegen Blasphemie verhaftet.

Pistolenlauf in den Mund gehalten
Adnan Prince: „Die Polizei war kurz davor, mich zu töten, aber Gott hat mich durch seine Gnade bis jetzt davon bewahrt. Sie haben mich gefoltert. Als ich wieder zu mir kam, wurde mir gesagt, dass eine schwere Maschine über meine Oberschenkel gerollt würde, die schmerzhaft sei und mich dauerhaft impotent mache. Dann richtete der stellvertretende Polizeikommandant seinen Pistolenlauf in meinen Mund und sagte mir, dass ich bestätigen soll, dass ich abfällige Worte in das Buch geschrieben habe. Er sagte, er würde bis drei zählen und den Abzug drücken, wenn ich die Anschuldigungen nicht gestehe. Aber ich wusste, dass sie lügen und mich von hinten erschiessen, wenn ich den Raum verlassen würde. Ich sagte ihnen, dass wenn sie mich erschiessen wollen, sie mir in die Brust schiessen sollen und nicht in den Rücken. Und dann stoppten sie mit der Folter, als sie merkten, dass sie meine Entschlossenheit nicht erschüttern konnten.”

In Einzelhaft gesteckt

Nach drei Tagen hatte Prince eine erste Gerichtsanhörung und wurde anschliessend in das Gefängnis „Lahore District Jail” verlegt, wo er in Einzelhaft gesteckt wurde. Es sei zu seinem eigenen Schutz, damit er nicht von anderen Gefängnisinsassen angegriffen würde. Seine Gerichtsverhandlung hat noch nicht begonnen.

 

In Pakistan zogen sich in der Vergangenheit ähnliche Gerichtsfälle bis zu sieben Jahre hin. Der wohl bekannteste und immer noch hängige Fall ist derjenige von Asia Bibi (HMK berichtete letztmals in der «verfolgt»-Ausgabe vom Oktober 2013 darüber), die im November 2010 wegen Blasphemie zum Tode verurteilt wurde. Sie wird beschuldigt, dass sie im Jahr 2009 abschätzige Bemerkungen über den Propheten Mohammed gemacht haben soll. Seither sitzt sie in Haft und wartet auf ihr Berufungsverfahren.
Das Blasphemie-Gesetz in Pakistan wird immer wieder missbraucht, indem Christen fälschlicherweise der Gotteslästerung bezichtigt werden. Ihnen droht die Todesstrafe.