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Pakistan: „Du Ungläubiger, unnützer Strassenfeger!“

hmk./ Dezember 2019  – Kamran* wurde von seinem Gutsherrn zusammengeschlagen. Auf dem Polizeiposten wurde er gefoltert. Der Grund dafür ist, dass er den Weihnachtsgottesdienst besuchen wollte. Unser Pakistan-Projektleiter hat mit Kamran gesprochen.

Nun bin ich wieder einmal in Pakistan zu Besuch bei unseren lokalen Projektpartnern. Es geht darum, unsere Hilfeleistungen vor Ort zu koordinieren. Dabei gibt es für mich auch die Gelegenheit, mich mit Menschen zu treffen, die grosses Leid erfahren haben. Dieses Mal ist es Kamran. Bis an Weihnachten 2018 arbeitete er auf einem Gutsbetrieb und kümmerte sich um die Kühe und Pferde. Mit Tränen in den Augen berichtet er mir: „Ich erinnerte meinen Gutsherrn daran, dass Weihnachten ist und dass ich gerne zusammen mit meiner Familie feiern und neue Kleider für mich, meine Frau und meinen Sohn kaufen möchte. Ich bat ihn um das Gehalt. Er willigte ein, sagte jedoch, dass ich zuvor noch weiterarbeiten müsse. Als es Abend wurde, bat ich ihn erneut darum und erwähnte, dass ich zum Mitternachtsgottesdienst in die Kirche gehen möchte. Daraufhin schrie er mich an und nannte mich einen Ungläubigen, unnützen Strassenfeger. Er werde mich nicht gehen lassen, ich müsse weiterarbeiten.“

 

Gefoltert auf der Polizeistation
Kamran bestand jedoch darauf, den Gottesdienst zu besuchen. Zusammen mit seinem Gefährten fing der Gutsbesitzer an, auf Kamran einzuschlagen. Dann bot er Kamran an, dass er ihn frei lassen würde, wenn er den Islam annähme und das Christentum leugnete. Kamran: „Ich sagte, dass ich bereit sei zu sterben, aber Jesus Christus nicht verleugnen werde. Daraufhin folterten sie mich mit Holzstöcken. Dann reichte der Gutsherr bei einer Polizeistation eine Klage gegen mich ein mit dem Vorwurf, dass ich Tiere gestohlen hätte. Auf zwei Polizeistationen wurde ich erneut gefoltert. Polizisten zogen mir die Zehennägel aus und brachen mir mit Eisenstangen Arme und Beine.“


Medizinische Hilfe
Unser Projektpartner vor Ort wurde auf Kamran aufmerksam. Gegen eine Kaution holte er ihn von der Polizeistation ab. Kamran lebt nun in einer gemieteten Unterkunft. Seine gebrochenen Glieder wurden geschient, so dass diese recht gut zusammengewachsen sind. Noch ist Kamran wegen Schmerzen im Rücken auf medizinische Behandlung angewiesen.

 

* Name aus Sicherheitsgründen geändert.

Pakistan – An der Seite der Hilflosen

Kamrans Fall ist kein Einzelfall. Er ist dankbar für die Menschen, die sich um ihn kümmern. Nun ist der Kauf einer Autorikscha geplant, mit der Kamran Waren und Personen befördern kann. Diese Rikscha wird ihm ermöglichen, sein eigenes Einkommen zu erwirtschaften und bald finanziell eigenständig mit seiner Familie leben zu können. Die Kosten für eine Autorikscha betragen rund 1’500 Franken (1’250 Euro). Unterstützen Sie unser Engagement in Pakistan, damit Menschen wie Kamran neue Hoffnung erhalten?

Foto: © HMK