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Pakistan: Der Mordfall Bhatti wird immer undurchsichtiger

Linus Pfister, Geschäftsführer der HMK, im Gespräch mit dem im März 2011 ermordeten pakistanischen Minister für religiöse Minderheiten Shahbaz Bhatti.

dic./August 2012 – Die Ermittlungen im Mordfall an Pakistans einzigem christlichen Kabinettsmitglied, Shahbaz Bhatti, seien gemäss verschiedenen Quellen wegen  möglicher Vertuschung stecken geblieben. Bhatti wurde am 2. März 2011 in Islamabad auf dem Weg zur Arbeit erschossen.

Mehrere Verdächtige freigelassen
Eine ganze Reihe von Freilassungen von Verdächtigen und ein Mangel an Koordination zwischen den für die Durchsetzung des Rechtes verantwortlichen Behörden sorgen dafür, dass der Fall des Mordes am Bundesminister für religiöse Minderheiten ins Stocken geraten ist.
Ein Strafgerichtshof in Rawalpindi hat im Mai einen weiteren Verdächtigen, Ziaur Rehman, freigesprochen, der wegen seiner vermuteten Rolle bei dem Mord verhaftet worden war. Ein Ermittlungsbeamter hatte dem Gericht gesagt, dass man seinen Fall aus Mangel an Beweisen nicht mehr weiter verfolge. Bhattis Familie hatte geschäftliche Streitigkeiten zwischen Rehman und Bhatti angegeben, weswegen sie Rehman verdächtigten. Im Februar hatte die Polizei bereits die Ermittlungen gegen einen weiteren Verdächtigen eingestellt.

Enttäuscht über Ermittlungen
Bhattis Bruder, Paul Bhatti, sagte, die Familie sei unzufrieden mit den Ermittlungen der Polizei und dem geringen Interesse, das die Behörden an den Tag legten, um die Täter der Gerechtigkeit zuzuführen. „Wir nahmen an, dass die Verhaftung von Ziaur Rehman uns zu den Mördern meines Bruders führen würde, denn die Polizei hatte einen internationalen Haftbefehl erhalten, der auf Beweisen beruhte“, erklärte er. „Ich verstehe nicht, warum man den Antrag [auf einen internationalen Haftbefehl] gestellt hat, wenn man nicht genug Beweise gehabt hätte.“


Am Tatort hatte die Polizei ein Flugblatt gefunden, auf dem bestätigt wurde, dass Bhatti dafür getötet wurde, dass er seine Stimme gegen Pakistans umstrittene „Blasphemie“-Gesetze (Gesetze zur Bestrafung bei Gotteslästerung) erhoben hatte. Offiziell behauptet die Polizei, die Taliban steckten hinter dem Mord, während der Innenminister einer militanten Gruppe in Pakistan die Schuld gegeben hat. Napolean Qayyum, der wie Bhatti der Pakistan People’s Party angehört, sagte, es gebe einige Anzeichen dafür, dass die Beamten damit zögerten, ihre Einschätzungen des Falles zu veröffentlichen.