Startseite > Projekte > Projektländer > Pakistan – Asia Bibi ist frei: Das Ende einer Hexenjagd

Pakistan – Asia Bibi ist frei: Das Ende einer Hexenjagd

Die pakistanische Christin ist in Kanada eingetroffen. Sie wurde wegen absurder Blasphemievorwürfe zum Tod verurteilt, nach zehn Jahren im Gefängnis aber schliesslich freigesprochen.

 

nzz.ch. Zehn Jahre lang wurde Asia Bibi in Pakistan wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed gefangen gehalten und mit dem Tod bedroht (HMK berichtete letztmals in der verfolgt-Ausgabe Januar 2019). Jetzt ist sie in Kanada eingetroffen und mit ihrer Familie vereint, wie der Anwalt der pakistanischen Christin mitteilte. „Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, sagte Saiful Mulook.Damit geht ein Drama zu Ende, das Asia Bibi und ihrer Familie unendliches Leid zugefügt hat und im Zuge dessen das Ansehen Pakistans schwer gelitten hat. Der Fall zeigte nicht nur exemplarisch, dass es um die Rechtsstaatlichkeit in Pakistan schlecht bestellt ist. An ihm wurde auch klar, welch schweren Stand Angehörige religiöser Minderheiten in dem 200-Millionen-Land haben. Deutlich wurde zudem, wie leicht es für islamistische Splittergruppen ist, Politik und Justiz in die Ecke zu treiben und zu Zugeständnissen zu zwingen.

2010 wurde Asia Bibi wegen angeblicher „Blasphemie“ zum Tode verurteilt. Nun konnte sie Pakistan verlassen und ist in Sicherheit. Quelle: evangelicalfocus.com

 

Streit unter Frauen
Asia Bibi, eine Katholikin aus dem Dorf Ittanwala in der Nähe von Lahore, wurde im Juni 2009 von muslimischen Nachbarinnen beschuldigt, bei einem Streit den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Prediger gossen Öl ins Feuer, und bald sah sich die einfache Landarbeiterin im Zentrum eines landesweiten Sturms der Entrüstung. Trotz internationalen Protesten wurde sie 2010 in einem hochumstrittenen Prozess aufgrund von zweifelhaften Zeugenaussagen wegen „Blasphemie“ zum Tode verurteilt.

Pakistaner, die sich für ihre Freilassung einsetzten, zahlten dafür mit dem Leben. Der Gouverneur der Provinz Punjab, Salman Taseer, wurde im Januar 2011 von einem seiner Leibwächter getötet, nachdem er an den pakistanischen Präsidenten appelliert hatte, Asia Bibi zu begnadigen. Zwei Monate später wurde der erste pakistanische Minister für Minderheiten, Shahbaz Bhatti, von einem Mitglied der Taliban erschossen. Selbst ein Christ, hatte er sich für seine Glaubensgenossin starkgemacht und auf eine Änderung der Blasphemiegesetze gedrungen.