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Ukraine: Gott mitten im Leiden dienen

Elisey Pronin, Pastor in der Ukraine und lokaler Partner der HMK
An einem theologischen Seminar betreut und begleitet Pastor Elisey junge Pastoren.

Dezember 2015 - „Du, Herr, bist alles, was ich habe; du gibst mir alles, was ich brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft.” (Psalm 16,5)

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Zeit fliegt nur so dahin. Nun sind es schon eineinhalb Jahre her, als der Krieg in der Ostukraine auch unsere Stadt Perwomajsk erreichte. Heute liegt sie in Trümmern und unsere Kirche ist ausgebrannt. Hunderte wurden bedroht und werden es noch immer. Sie haben alles verloren. Die Mitglieder unserer Gemeinde sind in der ganzen Ukraine und im benachbarten Ausland verstreut. Im letzten Jahr hatten wir als Familie kein Zuhause. Wir zogen von Ort zu Ort.

Dankbarkeit
Doch wir sind Gott dankbar, dass Er uns bewahrt hat und dass wir noch leben. Wir durften Ihm dienen und haben viel Frucht gesehen. Es wird mir warm ums Herz, wenn ich an die Zeit denke, wo ich gemeinsam mit meinen Freunden inmitten des Kriegs im Keller für unsere Nachbarn beten durfte. Es wird mir warm ums Herz, wenn ich daran denke, wie wir dann begonnen haben, Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen. Zum Beispiel als wir 100 Leuten, die an Diabetes leiden, Insulin verteilen konnten. Diese Menschen brauchten diese Medikamente ganz dringend. Sie weinten vor Freude – Männer wie Frauen. Ich erinnere mich an eine Frau, die auf mich zukam – in den Händen eine Dosis Insulin: „Danke. Sie haben mir zehn Tage Leben geschenkt.“ Mir stiegen die Tränen in die Augen. Mir wurde klar, dass jeder Einzelne von uns die Möglichkeit hat, jemandem zehn Tage Leben zu schenken oder ein Weihnachtspäckli oder Kleidung oder ein Gebet oder Geld oder Hilfe oder Freude. Ich bitte Sie eindringlich: Nutzen Sie diese Gelegenheiten. Es ist ein grosser Segen. Ja, es macht sogar Spass, selbst dann, wenn man alles verloren hat und es so aussieht, als sei das Leben ein Scherbenhaufen. Auch wenn es äusserlich nichts gibt, worüber man sich freuen könnte, so schenkt uns Gott doch die Freude, Ihm zu dienen. In solchen Augenblicken erkennen wir, dass das grösste Glück und der höchste Wert in der Beziehung mit Gott liegt – wenn wir Ihm dienen. Gott lässt uns nie allein. Er sorgt für uns. Er hat einen Plan für uns, wie in Psalm 73,23-25 steht.

Jüngerschaft mit jungen Pastoren
Mit meiner Familie und einigen Freunden lebe ich jetzt im westlichen Teil der Ukraine. Hier in Lwiw habe ich die Möglichkeit erhalten, an einem theologischen Seminar junge Pastoren jüngerschaftlich zu begleiten. Meinen Dienst in der Ukraine fortzusetzen, macht mir grosse Freude. Ich glaube, Gott gibt mir ganz neue Gelegenheiten zu dienen, Erfahrungen weiterzugeben, Studenten zu inspirieren und auf diese Weise meinen Beitrag zu leisten, damit Studenten in Jünger Jesu Christi umgewandelt werden. Das ist mein Ziel.

Hier sind Studenten, die sich grossen Herausforderungen stellen – und diese werden noch grösser sein, wenn sie erst einmal im Dienst sind. Sie brauchen nicht nur blosse Informationen. Sie brauchen Mentoren! Sie brauchen Pastoren, die ihr Leben mit ihnen teilen und sie bei ihrem Dienst begleiten. Über 50 Prozent der Gemeinden in diesem Gebiet sind voriges Jahr geschrumpft und hatten keine Taufen. Das ist eine Herausforderung an uns – und wir nehmen sie an!

Gründung einer neuen Gemeinde
Zudem sind wir daran, eine neue Gemeinde zu gründen. Wir haben hier in der Region Zehntausende von Vertriebenen und Flüchtlingen aus der Ostukraine. Diese Menschen haben ihre Existenz verloren. Gott hat uns ans Herz gelegt, solchen Leuten zu helfen. Wir glauben, dass der Mensch am allermeisten Gott und Seine Gnade braucht. Darum beten wir, dass Gott uns hier die Vision für eine neue Gemeinde schenkt. Ich bete dafür und ich bitte Sie, auch mitzubeten, dass das richtige Organisationsteam für diese Gemeinde zusammenkommt. Wir beten, wir treffen uns mit Leuten, wir sprechen über unsere Pläne und Träume und wir können auch schon einige Familien sehen, die Mitglieder dieser neuen Gemeinde werden wollen. Es gibt zwar Herausforderungen und auch Widerstände, weil wir uns in einer grossen Stadt befinden und die Leute in der religiösen Tradition verhaftet sind. Beten Sie mit uns, dass Gott uns die Kraft schenkt, dass Er uns durch Sein Wort leitet und uns den richtigen Weg weist.

Wir sind nicht allein!
Wir sind all denen von Ihnen sehr dankbar, die immer wieder an der „Aktion Weihnachtspäckli” teilnehmen und Hilfsgüter zusammentragen. Diese Hilfe ist für uns eine einzigartige Gelegenheit, Brücken zu bauen und Beziehungen zu unseren Mitmenschen zu knüpfen. Damit wir den Menschen die echte Freude über das Heil in Gott und die Vergebung der Sünden in Jesus Christus vermitteln können.

Es ist ein grosser Auftrag. Manchmal fühlen wir uns so hilflos. ABER: Wir glauben, dass wir nicht allein sind. Wir spüren den Ruf Gottes und Seine Führung. Wir wissen, dass Sie uns unterstützen, dass Sie hinter uns stehen und dass Sie für uns beten. All das trägt und stärkt uns. Vielen Dank für all Ihre Gebete und Ihre Hilfe. Gott segne Sie.

Pastor aus Ostukraine erzählt…

Ich bin Elisey Pronin, Pastor aus der Ostukraine, Region Luhansk.
Letzten Frühling (2014) hat sich in meiner Stadt alles verändert. Die Separatisten haben die Kontrolle in unserer Stadt übernommen. Sie haben uns angedroht, unsere Kirche niederzubrennen und sie haben uns persönlich bedroht...