Startseite > Projekte > Projektländer > Ostukraine: „Wir sind Flüchtlinge im eigenen Land”

Ostukraine: „Wir sind Flüchtlinge im eigenen Land”

Nikolay (33), seine Frau Ann (27) und ihre zwei Töchter Sofia (8 ½) und Arina (2 ½).

Während fast zehn Jahren hatte Nikolay ein eigenes Radio- und Fernsehgeschäft. Daneben engagierte er sich in seiner Gemeinde. Dann kam der Krieg.

hmk/Mai 2015 -
„Ich habe jahrelang hart gearbeitet und konnte mit meinem Geschäft genug verdienen, um meine Familie zu ernähren. Doch wegen dem Krieg habe ich alles verloren. Mein Materiallager ist abgebrannt und alles wurde zerstört und geplündert. Einzig zwei Sattelitenempfänger und eine Kiste mit USB Sticks sind übrig. Diese Sachen waren im Auto, als wir flüchteten“, so Nikolay gegenüber der HMK.

Im Keller verschanzt
Im Juli 2014 brachen in Nikolays Stadt die Kämpfe aus. Zu Beginn harrten sie im Keller aus. „Ich konnte meine Schwiegereltern nicht erreichen“, so Nikolay. „Die Telefonverbindungen funktionierten nicht.

Auch sie verschanzten sich im Keller ihres Wohnblocks. Plötzlich hatten sie das Gefühl, dass Gott sie für die Flucht vorbereiten will. So gingen sie kurz in ihre Wohnung hinauf. Wie durch ein Wunder konnten wir sie genau zu diesem Zeitpunkt telefonisch erreichen und einen Treffpunkt vereinbaren. 40 Minuten später holten wir sie mit dem Auto ab und konnten sicher aus der umkämpften Stadt entkommen.“

Flüchtlingsarbeit aufgebaut
Für die nächsten drei Monate fanden Nikolay, seine Familie und 70 weitere Flüchtlinge Unterschlupf in einer Kirche. Er teilte den Raum mit 27 weiteren Männern. Gemeinsam mit seinen Freunden begann er, selbst Unterkünfte für die obdachlosen Menschen zu organisieren und sie mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Solidarität und Unterstützung aus dem In- und Ausland sei gross gewesen. Er bedankt sich für alle Unterstützung.

„Nun lebe ich mit meiner Familie 20 Kilometer von unserer Heimatstadt entfernt. Wir sind ganz in der Nähe der Frontlinie und betreiben drei Flüchtlingsunterkünfte mit zurzeit je 20 Personen. Die Leute sind dankbar für die Nahrungsmittel, Kleidung und medizinische Hilfe, die sie von uns erhalten. Sie schätzen es, dass wir Zeit für sie haben, ihnen zuhören und mit ihnen beten.“

Sehnsucht nach Frieden und Halt
„Unser Zuhause mussten wir verlassen. Wir haben alles verloren. Vor unseren Augen wurden Häuser, Schulhäuser und Einkaufsläden zerstört. Menschen wurden durch Granaten zerrissen. Es hilft uns, dass wir miteinander darüber sprechen und einander beistehen können.

In unserer Region sind wir praktisch die einzigen, die den Flüchtlingen helfen. Sie sehnen sich nach Frieden und Halt. Die kleine Gemeinde mit rund 20 Mitgliedern, die uns in den ersten Monaten nach der Flucht Unterschlupf gewährte, taufte kürzlich zwölf Personen. Die Menschen finden Halt in Jesus, und wir dürfen sein Werkzeug sein.”

Zurzeit wissen Nikolay und sein Team nicht, wie es weiter geht. „Wir überlegen uns, ob wir ein Gebäude mieten sollen, damit wir uns wieder als Gemeinde zum Gottesdienst treffen können. Doch hier ist nicht unser Zuhause. Eigentlich wollen wir wieder zurück in unsere Stadt.”

Unterstützen Sie die Flüchtlingshilfe unserer ukrainischen Partner vor Ort? Bereits mit 50 Franken (47 Euro) können Nikolay und sein Team eine Person einen Monat lang mit Nahrungsmitteln versorgen.

Radiointerview mit HMK-Mitarbeiter: «Päckliverteilung in der Ukraine durch HMK», Radio BeO

Pastor aus Ostukraine erzählt…

Ich bin Elisey Pronin, Pastor aus der Ostukraine, Region Luhansk.
Letzten Frühling (2014) hat sich in meiner Stadt alles verändert. Die Separatisten haben die Kontrolle in unserer Stadt übernommen. Sie haben uns angedroht, unsere Kirche niederzubrennen und sie haben uns persönlich bedroht...