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Ostukraine: „Von der Angst gezeichnet”

Die HMK unterstützt Elisey und weitere ukrainische Partner bei der Flüchtlingshilfe in der Ostukraine.

Oktober 2014 - Linus Pfister, Geschäftsführer der HMK, bereiste die Ukraine. IdeaSpektrum hat ihn interviewt. Die horrende Teuerung macht zu schaffen und im Osten des Landes geht die Angst um.

Linus Pfister, wie ist die Lage in der Ukraine?
In Kiew und in der West- wie auch Zentralukraine geht das Leben seinen normalen Gang. Seit dem Regierungswechsel geht die Korruption wieder spürbar zurück und die Beamten sind freundlicher zu den Menschen. Die starke Abwertung der einheimischen Währung um 40 Prozent seit Februar 2014 macht den Menschen zu schaffen. Alle importierten Güter sind entsprechend teurer geworden, die Löhne wurden aber noch kaum angepasst. Als ich dann mit unseren Partnern über die Situation in der Ostukraine sprach – dort leben 6,5 Millionen Menschen – spannten sich die Gesichtszüge aller Gesprächsteilnehmenden an.

Im Osten herrscht Ausnahmezustand. Ist freies Reisen überhaupt möglich?
Das Reisen ist nur im Osten eingeschränkt, weil man an unzähligen Kontrollposten der Aufständischen und der Armee vorbei muss. Die Aufständischen haben Dutzende von Privatautos kurzerhand für ihre Transportbedürfnisse enteignet. Diejenigen unserer Projektpartner, die aus dem Osten anreisten, waren gezeichnet von der Angst vor Gewaltexzessen. Ein junger Pastor erzählte, dass er nach dem Passieren des letzten Checkpoints auf einmal das Auto nicht mehr steuern konnte, weil seine Hände von der lang andauernden Anspannung so stark zitterten. Andere Leiter kämpften mit Panikattacken.

Welche Orte und Menschen haben Sie aufgesucht, mit welchem Ziel?
Dieses Mal hielt ich mich nur in der Zentralukraine auf. Ich traf gut ein Dutzend unserer einheimischen Projektpartner aus dem ganzen Land, auch aus dem Osten. Ziel war die regelmässig stattfindende Projektüberprüfung und die Planung von zusätzlicher Hilfe für notleidende Menschen in der Ostukraine.

In einigen Teilen der Ostukraine eskaliert die Gewalt. Ganze Wohnblöcke, Dörfer und Städte werden zerstört.



Wie ist die Versorgungslage im Land?
In der Ostukraine hatten die Menschen zum Teil seit Wochen weder fliessendes Wasser noch Strom oder dann nur tageweise. Im Rest des Landes ist die Versorgung normal, die enorme Teuerung macht den Menschen aber stark zu schaffen. Nicht wenige Ukrainerinnen und Ukrainer haben zudem die Arbeitsstelle verloren, weil gewisse Wirtschaftszweige eingebrochen sind.

Wie versucht die HMK zurzeit in der Ukraine zu helfen?
Dutzende von Pastoren in der Ostukraine wurden massiv bedroht, einige mussten temporär evakuiert werden. Wir organisierten Transport, Unterkunft und Betreuung. Viele Menschen, auch Christen, sind geflohen. Bei den Gemeinden, die aufgrund der Ereignisse ihre Pastoren nicht mehr entlöhnen können, haben wir als HMK das für ein paar Monate übernommen. Zudem leistet unser Beziehungsnetz vor Ort Hilfe bei Trauma- und Stressbewältigung. Hilfsgütertransporte sind in Planung.

Interview: Rolf Höneisen,
ideaSpektrum 29/2014


Pastor aus Ostukraine erzählt…

Ich bin Elisey Pronin, Pastor aus der Ostukraine, Region Luhansk.
Letzten Frühling (2014) hat sich in meiner Stadt alles verändert. Die Separatisten haben die Kontrolle in unserer Stadt übernommen. Sie haben uns angedroht, unsere Kirche niederzubrennen und sie haben uns persönlich bedroht...