Startseite > Projekte > Projektländer > Myanmar: Töten von Zivilisten geht weiter

Myanmar: Töten von Zivilisten geht weiter

Regierungstruppen haben zwischen September 2012 und Februar 2013 in ihrem Kampf gegen Rebellen bei Mörserangriffen in dem vor allem von Christen bewohnten nördlichen Teilstaat Kachin mindestens 9 Zivilisten getötet und über ein Dutzend verletzt. Das berichtet die Kachin Women’s Association of Thailand (KWAT).

mst./Mai 2013 – Die wirkliche Zahl ziviler Opfer liege weit höher, erklärte der Menschenrechtsaktivist La Nu Nan, der vom thailändischen Chian Mai aus operiert. „Als ich kürzlich den Staat Kachin besuchte, sagte man mir, etwa 200 Zivilisten seien getötet worden, darunter 40 Kinder“, erklärte er gegenüber Morning Star News, und fügte hinzu, dass der Krieg etwa 100‘000 Zivilisten zur Flucht gezwungen habe. Dieser Bericht zeigt auf ernüchternde Weise auf, dass es auch nach der Öffnung der lange herrschenden Militärregierung hin zu Demokratie und nach der Freilassung Hunderter politischer Gefangener Gewalttaten gegen Minderheiten gibt. Der KWAT-Bericht, der drei Tage nach Beginn der Europareise von Präsident Sein am 25. Februar 2013 veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Artillerie-Einheit 372 am 29. Januar die Stadt Mayan, die 36 km südlich von Myitkyina, der Hauptstadt des Staates liegt, mit Mörsern beschossen hat. Dabei wurden drei Häuser getroffen. Eine Frau, Labram Lu, und ihr 9-jähriger Sohn wurden getötet. Der Bericht erwähnt weiter, dass die Truppen später behaupteten, der Angriff sei durch Gewehrschüsse einiger betrunkener burmesischer Soldaten ausgelöst worden. Diese habe man irrtümlicherweise für Feuer von Kachin-Rebellen gehalten. Vor Ort weiss man aber, dass es in dieser Gegend überhaupt keine Rebellen gibt. Die Behörden boten der Familie eine Entschädigung von 300‘000 Kyat (CHF 325.-/Euro 260.-) an.

Am 14. Januar 2013 beschossen Regierungssoldaten den Block 4 des Stadtteils Hkachyang von Laiza, einer Stadt, die nahe der Grenze von China liegt und ein Stützpunkt der Kachin-Rebellen ist, mit Mörsern. Eine Granate landete vor einem Haus, wo einige Flüchtlinge sich an einem Feuer wärmten. Ein 46-jähriger Mann, Nhkum Bawk Naw, wurde sofort getötet. Der 76-jährige Hilfspastor Malang Yaw wurde verletzt und starb bald darauf nach seiner Einlieferung in ein Spital. Vier weitere Menschen wurden schwer verletzt, darunter ein 2-jähriges und ein 10-jähriges Mädchen. Ein 15-jähriger Junge, Doi San Awng, der versuchte, den Verletzten nach dem Angriff zu helfen, wurde von einer weiteren Granate getroffen und starb. Am 6. Januar drangen etwa 300 burmesische Soldaten in den Ort Namsanyang an der Strasse von Myitkyina nach Bhamo ein und setzten viele Häuser in Brand. Mindestens 296 der 520 Häuser wurden zerstört. Die KWAT berichtet ausserdem, dass seit Juni 2011, als die Regierung einen seit 17 Jahren bestehenden Waffenstillstand mit den Kachin-Rebellen brach, mindestens 66 Kirchen von burmesischen Truppen niedergebrannt und 64 Frauen und Mädchen vergewaltigt oder sexuell missbraucht wurden.