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Myanmar: Die Reformen haben das Leben noch nicht verändert

Ein Mitarbeiter einer christlichen Gemeinde in Myanmar gestaltet ein ansprechendes Kinderprogramm.

hmk./August 2012 – Die Welt hat von den Reformen in Myanmar Kenntnis genommen. Ein materiell armes Land in Südostasien, das bis vor etwa zwei Jahren jahrzehntelang von einem brutalen Militärregime regiert wurde, scheint sich zu öffnen. Grosse Bevölkerungsteile haben jedoch bisher nicht davon profitiert und leiden nach wie vor.


Myanmar wurde fast 50 Jahre lang von einem brutalen Militärregime regiert, bis 2011 Reformen kommuniziert wurden. Inzwischen haben die EU und die USA einige Sanktionen gegen Myanmar gelockert. Ein Signal dafür, dass die Anstrengungen der Regierung ernsthaft und verheissungsvoll zu sein scheinen. Doch die westlichen Nationen betrachten Myanmar durch die Brille ihrer wirtschaftlichen Interessen. Menschenrechtsgruppen, die unter den Staaten der ethnischen Minderheiten Myanmars arbeiten, sind besorgt. Denn das Land wird von einer Mehrheit buddhistischer Burmesen dominiert.

 

Mehr Schein als Sein
Die Situation im Land unterscheidet sich häufig von den Darstellungen in den Medien. Grund dafür sind die Regierung und die Wirtschaft, die die Medien entsprechend ihren eigenen Interessen steuern. Die Regierung hat zwar der Ikone der Demokratiebewegung, Aung San Suu Kyi, und ihren Parteimitgliedern gestattet, Mitglieder des Parlaments zu werden. Hunderte politische Gefangene wurden freigelassen und Gesetze wurden erlassen, die Gewerkschaften und Streiks zulassen. Zudem werden auch die Einschränkungen für die Medien reduziert. Doch wenn man genauer hinsieht, haben diese Massnahmen  eher symbolischen Charakter.

 

Burmesische Demokratie
Das Militär, das die Nation seit rund 50 Jahren regiert, hat die Kontrolle noch nicht an die zivilen politischen Parteien abgegeben. Die Wahlen von 2010, die ersten seit 20 Jahren, werden weithin für manipuliert gehalten. Bei diesen Wahlen hat die von ehemaligen Offizieren geführte Union Solidarity and Development Party (Partei der einheitlichen Solidarität und Entwicklung) eine überwältigende Mehrheit im Parlament errungen. Zudem sieht die Verfassung vor, dass ein Viertel der Sitze im Parlament auf allen politischen Ebenen dem Militär vorbehalten ist.
Artikel 364 der Verfassung besagt, dass jeder Akt, der Hassgefühle, Feindschaft oder Disharmonie zwischen ethnischen oder religiösen Gemeinschaften hervorruft, als nicht verfassungsgemäss niedergeschlagen werden soll. Es scheint, dass diese Klausel hinzugefügt wurde, um später ein Gesetz zu erlassen, durch das Konversionen zum Christentum reguliert und eingegrenzt werden können. Es heisst darin weiter: „Ein Gesetz kann erlassen werden, um eine solche Aktivität zu bestrafen“.

 

Weiterhin keine Religionsfreiheit
In den meisten Teilen Myanmars ist der Bau neuer Kirchen noch nicht gestattet. Die Regierung hat auch nicht versprochen, den Minderheiten Religionsfreiheit zuzusichern. Selbst wenn die wenigen Rechte, die die Minderheiten haben, verletzt werden, gibt es wenig Hoffnung, dass sie diese auf dem Rechtsweg einklagen können. Die Verfassung bestimmt nämlich, dass die Richter durch den Präsidenten ernannt werden. Und das Militär spielt bei der Ernennung des Präsidenten eine entscheidende Rolle.

 

Krieg in den Staaten der ethnischen Minderheiten
Die Mehrheit von Myanmars Christen lebt in den Staaten ethnischer Minderheiten der Karen, Kayah, Chin und Kachin – einer Region, die an China, Thailand und Indien grenzt und wo ethnische Minderheiten nun schon rund fünf Jahrzehnte lang um Autonomie kämpfen. Etwa 1,4 Millionen Karen und Kayah, 1,1 Millionen Chin und 900’000 Kachin sind Christen und haben jetzt schon jahrzehntelang in Kriegsgebieten gelebt.
Die Regierung versucht, mit den Widerstandsgruppen der ethnischen Minderheiten Friedensabkommen zu schliessen. So schloss sie im Januar einen vorläufigen Waffenstillstand mit der Widerstandsgruppe Karen National Union. An der Lage im Karen-Staat hat sich aber wenig geändert. Einen Monat nach dem Abkommen mussten über 1'100 Karen – etwa 450 davon waren Christen – nach Thailand fliehen, um den Angriffen durch das Militär zu entkommen. Die Regierung verhandelt auch mit der Kachin Independence Organization, einer anderen Widerstandsgruppe, und führt gleichzeitig einen todbringenden Krieg gegen Kachin-Rebellen und Zivilisten. Seit Juni 2011 sind im Staat Kachin durch die burmesische Armee mehr als 75'000 Menschen vertrieben worden, Dutzende wurden getötet und etliche Kirchen zerstört. Rebellengruppen klagen, dass das Militär die Friedensgespräche dazu nutzt, die Anwesenheit von Regierungstruppen in Gebieten mit ethnischen Minderheiten zu verstärken und ihre Vorräte an Waffen und Gütern aufzustocken, ohne von den Aufständischen daran gehindert zu werden. Während der Friedensgespräche sollen nämlich beide Seiten von Kampfhandlungen ablassen. Die Rebellen sagen, dass das Militär grössere Angriffe auf Widerstandsgruppen vorbereitet, die zu Opfern unter der Zivilbevölkerung führen werden.

 

Reformen können aufgehoben werden

Die eingeführten Reformen können jederzeit aufgehoben werden, wenn es die Regierung will. Sie hat zum Beispiel die Bestrafung der von ihnen freigelassenen politischen Gefangenen „ausgesetzt“ und nicht etwa aufgehoben. Suu Kyis Partei durfte sich bei den Nebenwahlen im April 2012 bewerben, wo nur einige vakante Parlamentssitze vergeben wurden. Die allgemeinen Wahlen im Jahr 2010, die viel wichtiger waren, wurden manipuliert. Suu Kyis Partei hat 43 Mitglieder im Parlament, aber das ist eine winzige Minderheit in dem vom Militär dominierten Haus.
Die Bemühungen um Reformen sind wahrscheinlich eher darin begründet, dass Myanmar seine Abhängigkeit von China verringern möchte und den Vorsitz im regionalen Block des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN) anstrebt, als in einer Sinnesänderung. Die Regierung scheint immer noch nicht gewillt zu sein, Abstriche bei der Oberherrschaft durch die burmesischen Buddhisten im Land zu machen.
Was aber am wichtigsten ist, ist die Tatsache, dass das Militär immer noch mächtiger ist als die Regierung. Es sind also noch viele Anstrengungen und Gebete nötig, bis wir optimistisch nach Myanmar schauen können.

 

 

 

 

HMK-Projekte in Myanmar

Gesundheitsklinik
Die HMK unterstützt eine Gesundheitsklinik im Vorort von Mandalay. Mittellose und kranke Menschen werden durch einheimische Ärzte medizinisch versorgt und seelsorgerlich betreut. Das christliche Klinikpersonal schult sie zudem im Umgang mit ihrer Hygiene. Den mehrheitlich buddhistischen Menschen wird mit Liebe und Geduld begegnet. Ziel ist es, dass ihre Leben positiv und nachhaltig verändert werden. Bereits mit 120 Franken können Sie dazu beitragen, dass eine ganze Grossfamilie medizinisch betreut werden kann.

Gospel-DVD
Die Produktion einer Gospel-DVD konnte abgeschlossen werden und wurde kürzlich veröffentlicht. Die DVD mit dem Namen „Der richtige Ort" zeigt die biblische Geschichte des verlorenen Sohnes übertragen in den Alltag einer burmesischen Familie. Die Nachfrage ist sehr gross. Die Kosten für 100 DVDs betragen 70 Franken (58 Euro).

Schulungen
Viele Mitarbeitende christlicher Gemeinden sind motiviert und wollen im Glauben wachsen. Wir als HMK organisieren für sie entsprechende Schulungen. Eine dreimonatige Weiterbildung verursacht Kosten von 180 Franken (150 Euro). Wollen Sie einen einheimischen Christen unterstützen?

Kuhbank-Projekt
Viele Gebiete, in denen die Minoritätsvölker leben, werden von der Regierung vernachlässigt. Für die betroffenen Menschen ist es ein grosses Problem, zu genügend Grundeinkommen zu kommen. Ihre Armut ist gross und sie sind oftmals verschuldet. Damit sie sich aus dieser Misere herausarbeiten können, gründet die HMK unter ihnen Kooperationen zur Haltung einheimischer Büffel.